Citroën zeigte am 11. Oktober auf dem Pariser Autosalon die 2 CV Concept, einen 3,76 Meter langen Elektro-Kleinwagen, der 2028 in Serie gehen und rund 15.000 Euro kosten soll.
Auf einen Punkt legt der Hersteller Wert. Eine blosse Stilübung ist das Auto nicht. „Das Serienmodell wird dem auf dem Mondial de l’Auto gezeigten Concept Car sehr nahe kommen“, versichert die Marke. Neben dem Kleinwagen steht eine 2 CV Fourgonnette auf dem Stand. Die Zahlen 48, 90 und 26 auf der Windschutzscheibe fassen die Absicht zusammen, 1948 für die Premiere des Originals, 1990 für das Produktionsende, 2026 für diese Rückkehr.
Aus einem Lastenheft wurde eine Ikone
Auf dem Pariser Salon 1948 vorgestellt, erfüllte die 2 CV ein streng zweckmässiges Programm und sollte keine Legende werden. Entworfen wurde sie bereits 1937 unter dem Kürzel TPV, Toute Petite Voiture. Ihr Lastenheft passte in wenige Zeilen, vier Personen und 50 Kilogramm Kartoffeln befördern, 60 km/h erreichen, leicht zu fahren, einfach zu warten und sparsam sein. Den Korb mit Eiern, der ein gepflügtes Feld unbeschadet überstehen sollte, fügte erst die Legende hinzu. Bis 1990 liefen mehr als 5,1 Millionen Exemplare vom Band.
Das Concept Car zitiert an vielen Stellen. Runde, von der Karosserie abgesetzte Scheinwerfer, senkrechte Windschutzscheibe, Stahlfelgen, schwarze Heckklappe bis zum Stossfänger, Hupe und Startklang vom Original übernommen. Selbst die Türfächer nehmen Eier auf. Vor allem aber kehrt das Rolldach aus Stoff zurück. Es prägt die Deuche ebenso wie ihre Silhouette und bringt jenes Licht und jenes Gefühl von Freiheit, dem das Modell seinen Ruf verdankt.
„Eine Ikone kopiert man nicht“
Xavier Chardon, Generaldirektor von Citroën, fasste den Ansatz auf der Bühne zusammen. „Wie erfindet man eine Ikone neu? Ganz einfach, man kopiert sie nicht. Man macht sie wieder relevant. Heute werden Autos grösser, schwerer, komplexer und teurer. Wir glauben, es geht auch anders. Einfach. Clever. Fröhlich.“ Drei Entscheidungen hebt er hervor, rein elektrisch, in Europa gebaut und 15.000 Euro teuer.
Gilles Vidal, Designchef von Stellantis, bestätigt die Nähe zur Serie. Die 2 CV zählt für ihn zu den Concept Cars, die der Realität sehr nahe und fast produktionsreif sind, und die Serienversion werde noch gelungener ausfallen als die Studie.
Pierre Leclercq, Designchef von Citroën, betont die Besonderheit der Aufgabe. „Zum ersten Mal ist ein Revival kürzer als die Ursprungsversion. Die Front sollte begehrenswert wirken, ohne zum Spielzeug zu werden.“
Was Citroën über das Auto verrät
Zu den technischen Daten schweigt Citroën bislang weitgehend. Die Marke nennt 3,76 Meter Länge und ein angestrebtes Gewicht um eine Tonne, verrät aber weder Batteriekapazität noch Leistung oder Reichweite. Sie spricht lediglich von einer auf den Alltag zugeschnittenen Reichweite, was zum Leichtbau passt, der Grösse und Kosten des Akkus senkt. Auf den 18 Zoll grossen Stahlfelgen sitzen Michelin-Reifen mit Chevron-Muster.
Im Innenraum ersetzt ein querliegender Zylinder das klassische Armaturenbrett. Er trägt ein Einspeichenlenkrad, einen einzigen Lenkstockhebel, eine Impulsschaltung und ein Citroën-Smart-Vision-Band. Dazu kommt ein quadratischer Acht-Zoll-Touchscreen. Die Sitzbänke nutzen die Technologie Citroën Advanced Comfort, die vordere lässt sich herausnehmen. Ein abnehmbares Radio namens Radioën verwandelt sich in einen Lautsprecher.
Mehrere Entscheidungen zielen auf die Reparierbarkeit. Die Stossfänger sitzen abgesetzt von der Karosserie und lassen sich nach einem Aufprall einzeln tauschen, die Flächen sind eben, und die Lufteinlässe sitzen wie beim Original unten an der Windschutzscheibe. Gemeinsam mit Michelin hat Citroën ausserdem einen digitalen Zwilling des Reifens entwickelt. Er bewertet Haftung, Verschleiss, Druck und Beladung in Echtzeit aus den ohnehin vorhandenen Fahrzeugdaten, ganz ohne Sensor im Gummi.
Die Wette auf 15.000 Euro
Das künftige Modell rückt zwischen Ami und C3 und soll ein Segment wiederbeleben. Mit 3,76 Metern fällt die Studie zehn Zentimeter kürzer aus als die originale 2 CV und stellt sich damit gegen den Markt. Das angestrebte Gewicht nähert sich einer Tonne, was Batteriegrösse und damit Kosten senkt.
Alles hängt allerdings an einem Text, den es noch nicht gibt. Die künftige europäische Unterkategorie M1E, genannt E-Car, soll in Europa gebauten Elektroautos unter 4,20 Metern Länge erleichterte Auflagen einräumen, wird aber noch verhandelt. Stellantis stellte auf dem Salon eine gleichnamige Plattform vor. Ohne diesen Rahmen dürfte der angekündigte Preis schwer zu halten sein. Der elektrische ë-C3 startet derzeit bei 20.390 Euro.
In Luxemburg fiele die Rechnung noch niedriger aus. Mit den 6.000 Euro des Klimabonus Mobilitéit käme eine 2 CV für 15.000 Euro auf 9.000 Euro, sofern die bis Juni 2030 verlängerte Förderung diesen Betrag bis 2028 beibehält.
Die Fourgonnette auch
Citroën zeigte tags darauf ein zweites Concept Car, die 2 CV Fourgonnette Concept. Eine Hommage an den kleinen Lieferwagen, der Generationen von Handwerkern, Händlern und Zustellern begleitet hat. Die Marke bezeichnet sie als freie Stilübung, als Herzensprojekt ihrer Designer, und stellt klar, dass sie kein Serienmodell für die nähere Zukunft ankündigt. Technische Daten nennt sie keine, weder Batteriekapazität noch Reichweite oder Nutzlast.
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