E-Autos und Plug-in-Hybride: „Anteil bei 17 bis 20 Prozent bis 2030“
Wie kann Luxemburg den Umstieg auf Elektromobilität beschleunigen? Darüber diskutierten François Bausch, Gerry Wagner und der IDEA‑Ökonom Frédéric Meys anlässlich einer Konferenz, zu der die Fondation Idea in die Handelskammer eingeladen hatte. Der Ökonom zeigte auf, dass das im Nationalen Energie‑ und Klimaplan festgelegte Ziel, einen Anteil von 49 Prozent an Elektro‑ und Plug‑in‑Hybridfahrzeugen bis 2030 zu erreichen, unter den derzeitigen Bedingungen nicht realistisch ist.
Die Fondation Idea, der Thinktank der Handelskammer, hat sich mit den Zielen und Anreizen im Bereich der Elektromobilität in Luxemburg befasst. Zwar gehört das Land mit seinem hohen Anteil an Elektrofahrzeugen zu den Musterschülern in Europa, doch scheint das luxemburgische Ziel – ein Anteil von 49 Prozent an Elektro‑ und Plug‑in‑Hybridfahrzeugen bis zum Jahr 2030 – wie ein frommer Wunsch. „Der aktuelle Trend genügt nicht, um die vom Großherzogtum angestrebten Ziele zu erreichen. Ausgehend vom aktuellen Trend werden Elektro‑ und Plug‑in‑Hybridfahrzeuge bis 2030 einen Anteil von 17 bis 20 Prozent am Fahrzeugbestand ausmachen. Man kann sich also die Frage stellen: Was sind die möglichen Vorteile und was sind die möglichen Hindernisse, um basierend darauf die Ausbreitung der Elektromobilität zu beschleunigen“, sagte Frédéric Meys, Ökonom bei Idea.
Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, diskutierten er, François Bausch, Abgeordneter der Partei déi Gréng und ehemaliger Vizepremier- und Mobilitätsminister, sowie Gerry Wagner, Sprecher des House of Automobile, vor rund hundert Zuhörern.
Sehr schnell kamen die bekannten Hürden auf den Tisch: Bedenken hinsichtlich der Reichweite, höhere Anschaffungskosten, eine Technologie, die sich stetig weiterentwickelt, Bedenken hinsichtlich des Wiederverkaufswerts, … Doch wurden die meisten davon vom Tisch gewischt. „Über Bedenken hinsichtlich der Reichweite zu sprechen, ist heute eine Ausrede. Diejenigen, die ein Elektroauto fahren, sprechen nicht mehr darüber. Für sie ist es kein Thema mehr, denn die Reichweite genügt für ihre täglichen Fahrten“, betonte François Bausch. Gerry Wagner bestätigte dies. Er erinnerte daran, dass laut einer aktuellen Studie des House of Automobile 97 Prozent der Personen, die ein Elektroauto leasen, nicht mehr zu einem Verbrenner zurückkehren möchten.
Frédéric Meys zeigte auf, dass Elektroautos wettbewerbsfähig sind, was den Preis anbelangt. Der Ökonom widmete sich dieser Frage in einem Arbeitspapier zum Markt für Elektromobilität. Dabei stellte er jeweils zwei vergleichbare Autos – elektrisch und Verbrenner – einander gegenüber. Bei der Analyse dieser 15 Paare nahm er zwei Szenarien an: Kauf und Nutzung des Fahrzeugs über sechs Jahre bzw. Leasing über drei Jahre. Eingerechnet wurden die Kosten für Anschaffung, Energie bzw. Kraftstoff, Wartung, Versicherung und Steuern. Auch die staatliche Förderung für E-Autos wurde berücksichtigt. Das Ergebnis: Elektroautos schneiden in 12 von 15 Fällen besser ab und sind auf sechs Jahre gesehen um 1.255 Euro günstiger. „Der Unterschied ist zwar gering, aber es zeigt sich, dass das Preisargument heute nicht mehr zählt. Zumindest nicht mit der staatlichen Förderung. Ohne sie kehrt sich die Situation um und die Einsparung liegt beim Verbrenner bei 4.145 Euro“, sagte Frédéric Meys. Noch deutlicher ist das Ergebnis beim Leasing: Hier gehen Elektroautos in 14 von 15 Fällen als Gewinner hervor.
Gerry Wagner relativierte. Er zog die Ergebnisse nicht in Zweifel, betonte jedoch, dass es sich um eine Gesamtberechnung handelt, während der Verbraucher in erster Linie die Anschaffungskosten betrachtet. Der Sprecher des HOA wies auch darauf hin, dass der Wiederverkaufswert in der Berechnung des Ökonomen nicht berücksichtigt wurde.
Die Studie von Idea zeigt auch, dass die Umstellung auf Elektroautos zwar finanziell vorteilhaft für den Nutzer ist, aber Kosten für die öffentliche Hand verursacht. „Eine eingesparte Tonne CO₂ kostet den Staat zwischen 533 und 1.252 Euro. Zum Vergleich: Der CO₂‑Preis im Emissionshandel lag bei etwa 50 bis 60 Euro pro Tonne CO₂“, erklärte Frédéric Meys, um die hohen, aber unverzichtbaren Kosten aufzuzeigen, die durch die Förderung der E-Mobilität entstehen.
Wie lässt sich der Wandel beschleunigen?
François Bausch zeigte sich optimistisch, dass die Hersteller in naher Zukunft finanziell attraktivere Modelle anbieten werden. „Die Preise für Batterien werden in den kommenden Jahren sinken, und die Hersteller werden attraktive Angebote unterbreiten können“, betonte er. Zugleich forderte er die nationale und europäische Politik dazu auf, in die Batterieindustrie und ganz allgemein in die Automobilindustrie zu investieren. „Wenn wir nichts unternehmen, werden chinesische, südkoreanische und amerikanische Autos in fünf Jahren den europäischen Markt zerstören“, erklärte er.
Die Idee eines Sozialleasings, über das die Regierung derzeit nachdenkt, wurde ebenfalls diskutiert. Für Gerry Wagner ist es keine Wunderlösung. „Die Studie hat gezeigt, dass sich unter den Fahrern von Elektroautos viele Hauseigentümer befinden, die einen einfachen Zugang zu einer Ladestation zu Hause haben. Sozialleasing wird sich aber vor allem an Mieter richten, die in ihrem Wohngebäude möglicherweise keine Lademöglichkeit haben“, meinte er.
François Bausch sieht vor allem Handlungsbedarf bei den Investitionen in die Infrastruktur. „Es ist sehr frustrierend, an einer Ladestation zu stehen, die eine bestimmte Ladeleistung verspricht, um dann festzustellen, dass sie mit einer viel geringeren Leistung lädt. Das ist ein echtes Hindernis beim Übergang zur Elektromobilität. Wir müssen in die Netze und die Infrastruktur investieren, um sie effizienter zu machen“, forderte der Abgeordnete.
Abschließend sprach die Fondation Idea einige Empfehlungen aus, um das berühmte Ziel der 49 Prozent zu erreichen. Empfehlungen, die laut Frédéric Meys „nicht immer populär“ sind, darunter: die Einführung von Sozialleasing, der direkte Abzug der staatlichen Förderung beim Kauf, die Einrichtung von Niedrigemissionszonen, die Anpassung der KFZ-Besteuerung, die Einführung einer Straßennutzungsgebühr, eine bessere Kommunikation über die Vorteile von Elektrofahrzeugen und schließlich die Verkleinerung des Fahrzeugbestands.