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BMW gehörte in den vergangenen Jahren regelmäßig zu den beliebtesten Marken, wie die Zahlen der Neuzulassungen in Luxemburg zeigen. Alexander Wehr, Präsident und CEO der BMW Group Belux, sprach mit uns über die Bedeutung des Großherzogtums für den Autobauer, die Elektrifizierung und die neue Ära, die BMW mit der „Neuen Klasse” einläutet.

Die BMW Group wird mit Milan Nedeljkovic ab Mitte Mai einen neuen Vorstandsvorsitzenden haben. Seine Ernennung folgte auf den Renteneintritt des derzeitigen Vorsitzenden Oliver Zipse, der 35 Jahre für die BMW Group tätig war. „Milan Nedeljkovic ist sehr, sehr erfahren”, sagte Alexander Wehr im Interview mit dem „Autotouring“-Magazin bei der Brussels Motor Show. Er selbst ist Präsident und CEO der BMW Group Belux und arbeitet seit über 28 Jahren für die BMW Group. Er war unter anderem als Vice President Sales and Marketing sowie Präsident und CEO der BMW Group Latin America tätig.

Genau wie Alexander Wehr hat Mila Nedeljkovic seine gesamte Karriere beim deutschen Automobilhersteller verbracht. Milan Nedeljkovic kam 1993 als Trainee zu BMW und war zuletzt als Vorstand für die Produktion des Herstellers verantwortlich. Mit der Personalie setze der Konzern zu 100 Prozent auf Kontinuität, insbesondere im Hinblick auf die „Neue Klasse”, erklärt Alexander Wehr. „Es war die beste Entscheidung. Milan Nedeljkovic war an der Entwicklung des neuen, ganzheitlichen Produktionskonzepts, oder der i-factory, wie wir sie nennen, beteiligt und hat es auf den Weg gebracht.” Im vergangenen September eröffnete der Automobilhersteller offiziell seinen neuen Produktionsstandort im ungarischen Debrecen.

 „Neue Klasse”: iX3 verkörpert eine neue Philosophie

Der neue BMW iX3, der erstmals im September 2025 auf der IAA in München vorgestellt wurde und nun auf dem BMW-Stand beim Brüsseler Automobilsalon zu sehen war, ging im Oktober im Werk Debrecen in Serie. Der Beginn einer Ära namens „Neue Klasse“.

„Bis 2027 werden 40 weitere Modelle auf den Markt kommen”, erklärt Alexander Wehr. „Die ‚Neue Klasse‘ ist kein Auto. Sie ist eine neue Philosophie.“ Sie umfasst eine „ganzheitliche Sichtweise“ auf den Forschungs- und Entwicklungsprozess, zielt aber auch darauf ab, die Fahrzeugproduktion zu optimieren und sicherzustellen, dass sie von Anfang an elektrisch, digital und zirkulär ist.

Obwohl der neue iX3 ein Elektrofahrzeug ist, ging der Autobauer laut Alexander Wehr keine Kompromisse ein. „Dieses Auto ist bis zum Maximum optimiert.“ Es bietet eine Reichweite von 800 Kilometern, Innovationen wie das Anzeige- und Bediensystem Panoramic iDrive und eine „Symbiotic Drive”-Funktion, die es Fahrern ermöglicht, nahtloser mit den Fahrerassistenzfunktionen zu interagieren. „Die Nachfrage seitens der Kunden ist hoch, was für mich immer die beste Bestätigung ist”, sagt Alexander Wehr. „Die Kundennachfrage zeigt uns, dass es sich um das richtige Produkt am richtigen Ort handelt, insbesondere für unseren belgischen und luxemburgischen Markt, der sehr stark auf B2B ausgerichtet ist.”

Bedeutende Investition in Luxemburg

Zahlen des nationalen Statistikinstituts Statec zeigen, dass BMW im Jahr 2025 5.451 Neuzulassungen im Großherzogtum verzeichnete und damit hierzulande zu den meistverkauften Marken gehört. „Luxemburg ist ein äußerst wichtiger Markt“, sagt Alexander Wehr, der den Erfolg von BMW auf ein „sehr starkes, gut abgestimmtes und engagiertes Händlernetz in Luxemburg“ zurückführt. Langfristige Kundenbeziehungen seien für die Marke von entscheidender Bedeutung. „Für uns sind Verkäufe nicht nur Zahlen. Es geht vor allem um Menschen.”

BMW investierte zudem stark in Luxemburg, insbesondere mit Bilia im Viertel Cloche d’Or. Auch an seinem Standort in Mersch finden derzeit Arbeiten statt. „Wir legen einen klaren Fokus auf Kundenprozesse und eine einladende Atmosphäre: Wir nennen es ‚Retail Next’, die nächste Stufe der Showrooms”, erklärt Alexander Wehr. BMW bietet weiterhin Flexibilität und „technologische Offenheit”: Kunden können ihren bevorzugten Antrieb wählen, ob elektrisch oder nicht.

„Der Übergang zu Elektrofahrzeugen ist im Gange”

Ende vergangenen Jahres gab die Europäische Kommission ihr Verbrennerverbot ab 2035 auf. Damit ermöglicht sie mehr Flexibilität, unterstützt aber nach wie vor den Übergang zur Elektrifizierung. Nach dem neuen Vorschlag müssen Automobilhersteller ab 2035 die CO2-Emissionen bei der Gesamtheit ihrer neu zugelassenen Fahrzeuge um 90 statt 100 Prozent gegenüber 2021 senken. Das bedeutet, dass Hybrid- und Verbrennungsmotoren auch nach 2035 eine Rolle spielen werden.

Wie sieht also die Elektrifizierungsstrategie von BMW aus? Der deutsche Automobilhersteller habe in diesem Bereich eine lange Tradition, betont Alexander Wehr. Das Unternehmen produzierte bereits in den 1970er Jahren Prototypen von Elektroautos. Der i3, der 2013 auf den Markt kam, war sein erstes Serien-Elektroauto. „Mini inbegriffen bieten wir heute mehr als zehn Elektromodelle an. Ich könnte sogar den Rolls-Royce Spectre noch hinzufügen”, sagt Alexander Wehr. „Das ist kein Marketing-Trick, sondern etwas, das der Konzern seit langem aus tiefer Überzeugung umsetzt und auf alle seine Marken und Segmente anwendet.”

„Der Übergang zu Elektrofahrzeugen ist im Gang. Die Richtung ist klar. Es ist die effizienteste Antriebsart“, sagt Alexander Wehr. Der Übergang verlaufe jedoch von Land zu Land und von Kundengruppe zu Kundengruppe unterschiedlich, fügt er hinzu. „Wenn Sie ein Elektroauto fahren, wissen Sie, dass dies eine Veränderung Ihres Lebensstils bedeutet. Es ist nicht so, als würden Sie von einem roten zu einem blauen Auto wechseln oder von einem SUV zu einer Limousine.“ Es gebe keine Einheitslösung. Manche Menschen bevorzugten nach wie vor Verbrenner. „Es ist daher nicht sinnvoll, ein Datum für die Abschaffung einer sehr effizienten Technologie wie der aktuellen Verbrennungsmotoren festzulegen. Die Industrie und die betroffenen Akteure sollten selbst entscheiden, wie das Ziel am effektivsten zu erreichen ist.“

Alexander Wehr spricht sich für mehr Flexibilität bei den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen aus. „Wir plädieren dafür, vom ausschließlichen Messen von Abgaswerten abzurücken, was sehr einseitig und veraltet ist. Warum? Weil ein CO2-neutrales Elektrofahrzeug entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette für viele Emissionen verantwortlich sein kann. Deshalb denke ich, dass es höchste Zeit ist, eine ganzheitliche Sichtweise einzuführen, wie in anderen Branchen auch, und so unser gesamtes Handeln zu berücksichtigen – ab der Erstgewinnung von Rohstoffen und Materialien und über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.“