Immer mehr chinesische Hersteller nehmen den europäischen Markt ins Visier, wie ihre Präsenz auf dem Brüsseler Autosalon zeigte. Doch nur wenigen gelingt es, wirklich hervorzustechen. In Luxemburg haben sie noch Mühe, Käufer zu finden, wie die Zahlen zeigen.
Linktour, BAIC, BAW, Forthing, Livan, ICHX, BYD, EVO, Sportéquipe, DR, Firefly, Nio, Leapmotor, XPeng, Zeekr: Die meisten dieser Marken sind der europäischen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, doch waren sie alle beim Brüsseler Autosalon 2026 vertreten, einige mit exklusiven Premieren.
Chinesische Hersteller mit neuen Modellen
Nachdem Leapmotor nun mehr als ein Jahr in Europa vertreten ist, will der Partner des Stellantis‑Konzerns 2026 richtig loslegen. „Europa steht im Zentrum unserer globalen Expansion und ist die wichtigste Region in Übersee“, erklärte Tianshu Xin, CEO von Leapmotor International, in Brüssel. „In nur zwölf Monaten haben wir drei Modelle herausgebracht, über 800 Verkaufsstellen eröffnet und es wurden mehr als 35.000 unserer Fahrzeuge in Europa zugelassen.“
In Luxemburg ist Leapmotor in Leudelingen, Junglinster und Roost vertreten. Für Tianshu Xin „wird dieses Jahr das Jahr der Beschleunigung“. Nach der Vorstellung des Kompakt-SUVs B10 Ende 2025, präsentierte der Hersteller nun den B05 auf der Brussels Motor Show und feierte mit dem B03X Europa-Premiere. „Mit ihm schlägt Leapmotor ein neues Kapitel im Kompaktsegment auf“, erklärte er und beschrieb das Modell als „agil und stadttauglich“. Der Verkaufsstart ist für diesen Sommer geplant.
XPeng zeigt erstmals P7+
Der Autosalon bot XPeng die Gelegenheit, den P7+ erstmals in Europa zu zeigen. Bei diesem Modell, laut Hersteller „durch KI definiert“, dreht sich alles um die künstliche Intelligenz. Es verfügt über einen Turing‑AI‑Chip für fortschrittliche Assistenzsysteme, personalisierte Komfortmodi (Schlaf, Meditation) und eine Multi‑Zonen‑Sprachsteuerung – alles mit dem Ziel, ein sicheres und angenehmes Fahrerlebnis zu bieten. Es bleibt abzuwarten, wie sich der P7+ in der Praxis schlägt. XPeng kündigt zudem die Möglichkeit ultraschnellen Ladens dank 800‑V‑Architektur an (von 10 auf 80 Prozent in 12 Minuten) sowie verspricht Platz für 33 Handgepäckkoffer bei umgeklappten Rücksitzen.
Bei der Präsentation erklärte Jacky Gu, Vice President E‑Powertrain, „über Autos hinausgehen“ zu wollen. Der Hersteller investiert in Projekte im Bereich „Physical AI“, fliegende Autos, humanoide Roboter und Robotaxis. Im Automobilbereich bleibt XPeng ein kleiner Akteur mit 22.787 ausgelieferten Fahrzeugen in Europa im Jahr 2025. Der Hersteller ist in Europa in 26 Ländern vertreten, darunter Luxemburg (72 Zulassungen im Jahr 2025). In Belgien und Luxemburg wird Xpeng von Hedin Mobility vertrieben.
Nio will mit dem Kleinwagen Firefly begeistern
Bei Hedin ist zudem Nio zu finden. Die Marke ist neu in Luxemburg und wird erstmals am Autofestival teilnehmen. Ihre vollelektrische Modellpalette – von der Limousine bis zum SUV – überzeugt optisch, der Praxistest steht aber noch aus. „In den meisten Ländern, und das gilt auch für Luxemburg, handelt es sich um einen B2B‑Markt. Aber das Privatleasing ist hier ebenfalls sehr gut entwickelt“, erklärte Philip Eeckels, Direktor von Hedin Automotive Import Nio Firefly. „Wir starten mit unserem Standort in Luxemburg‑Stadt und werden sehen, wie es sich entwickelt.“
Zusätzlich zu den Modellen ET5, EL6 und EL8 bietet Nio auch den Firefly an, einen Kleinwagen im asiatischen Design, ab rund 29.000 Euro mit über 300 Kilometern Reichweite (WLTP). „Wir wollten die Wahrnehmung kleiner Autos verbessern und Kompromisse in diesem Segment vermeiden“, betonte Peter Seitz, Produktverantwortlicher Europa für Firefly, und versprach eine Ausstattung, die sonst in diesem Segment nicht zu finden ist.
Zeekr macht Tesla Konkurrenz
Zeekr, eine Marke des Geely‑Konzerns, kommt ebenfalls nach Belgien und hat Luxemburg im Visier. Seit 2023 unauffällig in Europa präsent, positioniert sich Zeekr nun als direkter Konkurrent von Tesla. Auf dem Salon zeigte die Marke den Zeekr 7GT: einen sportlichen Elektro‑Kombi, der in 3,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und in 13 Minuten von 10 auf 80 Prozent lädt. Einstiegspreis: etwa 45.000 Euro. Das Modell wurde in Schweden entwickelt und soll Kunden in Europa ansprechen. Zeekr ist hier inzwischen in zwölf Ländern aktiv und will „bis Ende 2026 90 Prozent von Europa abdecken“, so Interims‑CEO Lothar Schupet.
MG stellte in Brüssel den MG S6 EV vor, einen vollelektrischen Familien‑SUV, der geräumig und modern ist. Er ist der Nachfolger des Marvel R und Konkurrent von Citroëns ë‑C5 Aircross und Skodas Enyaq. Die Reichweite: bis zu 530 Kilometer nach WLTP. „Dieses Modell ist für den luxemburgischen Markt sehr gut positioniert“, sagte Matthijs Keersmaekers, Marketingdirektor Europa bei Astara. MG ist mit 326 Zulassungen im Jahr 2025 die meistverkaufte chinesische Marke in Luxemburg, trotz eines Rückgangs im Vergleich zu 2023 und 2024 (635 bzw. 664 Einheiten).
BYD ist vermutlich der bekannteste chinesische Automobilhersteller. Überraschend stellte er in Brüssel Hybridmodelle statt Elektrofahrzeugen in den Vordergrund. Präsentiert wurden der Atto 2 DM‑i, ein kompakter Plug‑in‑Hybrid‑SUV mit 90 Kilometern elektrischer Reichweite, sowie der Seal U DM‑i. Auf BYD entfielen 2025 rund zwei Prozent der Zulassungen (235 Einheiten), womit der Autobauer auf einem ähnlichen Niveau wie 2024 lag. Man hoffe aber dank eines neuen Standorts in Diekirch mit steigenden Zahlen, wie Dirk Steyvers, PR‑Verantwortlicher bei BYD Belux, erklärte.
Luxemburg: Schwieriger Markt für chinesische Hersteller
Leapmotor, Zeekr und Xpeng konnten in Luxemburg bislang keinen Durchbruch feiern. 2024 kamen sie zusammen auf etwa 1.400 Zulassungen (von 46.635). 2025 erreichten MG (326), BYD (235) und Xpeng (73) zusammen nicht einmal die Tausendermarke. Hinzu kommen DFSK (94) und BAIC (53).
Anfang 2025 erklärte Manuel Ruggiu, operativer Direktor der SNCA: „Es gibt etwas mehr als 2.000 chinesische Autos im luxemburgischen Fahrzeugbestand, also 0,4 Prozent.“ Selbst mit rund 1.000 zusätzlichen Fahrzeugen im Jahr 2025 bleibt der Markt, dominiert von deutschen Marken, nahezu undurchdringbar. Manche zählen noch Polestar hinzu, eine chinesisch-schwedische Marke des Geely-Konzerns, doch das Bild bleibt gleich: 320 Zulassungen im Jahr 2025.
„Ich habe Mitte des Jahres eine kleine Analyse gemacht, und wir lagen bei etwa 1,5 bis 2 Prozent bei den chinesischen Herstellern“, sagte Ruggiu bei einer Pressekonferenz vor dem Autofestival 2026. „Es gibt einige Nuancen, da manche Hersteller in China produzieren und dennoch ein europäisches Image haben wie Polestar (Anmerkung der Redaktion: Der Hersteller ist schwedisch, gehört aber zur chinesischen Geely-Gruppe. Die meisten Modelle werden in China produziert). Die chinesischen Modelle und Hersteller kommen langsam auf den Markt, aber sie kommen – die Leute interessieren sich zunehmend dafür, und wir beginnen, das in den Zulassungszahlen zu sehen.“
Während der Marktanteil chinesischer Marken in Luxemburg noch gering ist, machten Zulassungen chinesischer Autos 2025 europaweit etwas mehr als 5 Prozent aus. Das ist noch immer wenig, aber bedeutet fast eine Verdoppelung innerhalb eines Jahres. In den Nachbarländern Frankreich (3,5 Prozent) und Deutschland (2 Prozent) gewinnen chinesische Modelle ebenfalls langsam, aber sicher an Boden.