„Unser oberstes Ziel ist die Elektrifizierung“
Opel feierte bei der Brussels Motor Show mit dem neuen Astra Weltpremiere. Rebecca Reinermann, Vice President Marketing, sprach mit „Autotouring“ über das neue Modell und die Ausrichtung des deutschen Autobauers im Hinblick auf die Elektrifizierung.
2026 ist für Opel ein besonderes Jahr: Vor 90 Jahren startete der deutsche Automobilhersteller die Produktion von Kompaktwagen. Der Astra begeht gerade seinen 35. Geburtstag. Und zum Jahresauftakt feierte Opel auf der Brussels Motor Show mit seinen neuen Modellen Astra und Astra Sports Tourer Weltpremiere.
„Für mich ist klar: Das Auto hat ein fantastisches Design“, sagte Rebecca Reinermann, Vice President Marketing von Opel, im Interview mit „Autotouring“ in Brüssel über den neuen Astra. „Beim Facelift haben wir darauf geachtet, die Schlüsselelemente des Designs beizubehalten, die so erfolgreich waren“, fügte sie hinzu. „Wir haben das Außendesign nur leicht angepasst, hauptsächlich an der Front. An der neuen Frontpartie haben wir viele Designelemente unseres letzten Concept‑Cars aufgegriffen.“ Insbesondere der Opel Corsa GSE Vision Gran Turismo diente als Inspiration für den schmaleren Kühlergrill, die „Bügelfalte“ in der Motorhaube und den beleuchteten Opel‑Kompass. Außerdem verzichtet der neue Astra vollständig auf Chrom und setzt auf eine neue Lichtsignatur.
Der Innenraum ist nun geräumiger und komfortabler dank ergonomischer Intelli‑Sitze. Nachhaltigkeit ist im Innenraum ein zentrales Thema: Die Sitze bestehen aus recycelten Materialien, die wiederum leicht recycelbar sind. Die speziell entwickelten Sitze verfügen über schmale Vertiefungen in der Mitte, ähnlich wie bei Fahrradsätteln, um den Druck auf das Steißbein zu reduzieren.
„Was mir persönlich am besten gefällt, sind die LED‑Leuchten“, sagte Rebecca Reinermann. Licht ist ein zentrales Gestaltungselement des neuen Astra. Die Intelli‑Lux‑HD‑Scheinwerfer, die aus mehr als 50.000 Elementen bestehen, leuchten Straßen und Verkehrsschilder besonders gut aus. Das Opel‑Blitz‑Logo und die Opel‑Kompass‑Signatur an der Front sind nun dauerhaft beleuchtet. Das innovative Lichtdesign mache sich besonders bei Nachtfahrten bemerkbar, erklärte die Marketingexpertin. „Sie fühlen sich nie unsicher, denn das Fahrzeug verfügt über ein so intelligentes Lichtsystem, dass es Ihnen zeigt, was sich vor Ihnen befindet, ohne Fußgänger oder entgegenkommende Fahrzeuge zu blenden.“
In Deutschland hergestellt
Der neue Astra wird im Opel‑Werk Rüsselsheim nahe Frankfurt produziert. In einer Zeit geprägt von geopolitischen Spannungen, unklaren Handelsbedingungen und dem Wunsch nach strategischer Autonomie ist dies ein wichtiges Verkaufsargument.
„Wir sind eine deutsche Marke und wir werden weiterhin in Deutschland produzieren“, sagte Rebecca Reinermann. „Es stimmt, dass die Produktion in Deutschland nicht günstig ist – wir sind ein sogenanntes Hochkostenland –, aber das hält uns nicht auf. Wir suchen nach Möglichkeiten, effizienter zu produzieren und Kosten zu senken, auch in Deutschland.“ Während einige Fahrzeuge in anderen europäischen Staaten gefertigt werden, setzt Opel bei seinen größten Modellen, dem Astra und dem Grandland, auf Rüsselsheim. Dies bleibe eine Priorität, versicherte Reinermann.
Multi‑Energy‑Strategie für Flexibilität
Die elektrische Version des neuen Astra bietet eine Reichweite von bis zu 454 Kilometern. Das Fahrzeug ist mit verschiedenen Antriebsarten erhältlich, was die Multi‑Energy‑Strategie des Herstellers widerspiegelt. Ziel ist es, den Kunden die Freiheit zu geben, ihren bevorzugten Antrieb zu wählen – ob Diesel, Hybrid, Plug‑in‑Hybrid oder Elektro. Im Dezember verzichtete die Europäische Kommission auf ihr Vorhaben, Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 zu verbieten, wodurch Automobilhersteller diese Fahrzeuge weiter produzieren können und größere Flexibilität erhalten. Zugleich bekräftigte die Kommission ihre Unterstützung für die Elektrifizierung und eine saubere Mobilität.
„Ich denke, dass die Multi‑Energy‑Strategie, die Opel verfolgt, die beste Wahl ist“, sagte Rebecca Reinermann in Bezug auf die Elektrifizierungsstrategie des Unternehmens. Kunden können weiterhin den für sie passenden Antrieb wählen. Doch „wir verlieren nie aus dem Blick, dass die Elektrifizierung unser oberstes Ziel ist“, fügte sie hinzu. „Wir müssen in Zukunft elektrifizieren. Wir sehen das als unsere Verantwortung an.“
Bei Opel sei der Anteil an E-Fahrzeugen stetig gewachsen, so Reinermann weiter. „Im Jahr 2025 lag der Anteil unserer batteriebetriebenen Versionen an den Zulassungen bei 14 Prozent. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als dieser Anteil 11 Prozent betrug. Und er wächst weiter: Im vierten Quartal lag er bei 17, im Dezember bei 19 Prozent, und die Bestellungen für einige Modelle wie den Frontera übersteigen die 30 Prozent.“
In Luxemburg ist der Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: 2019 machten Elektroautos nur 1,8 Prozent der Neuzulassungen aus; 2025 waren es 26,9 Prozent. Der Anteil an Plug‑in‑Hybriden lag im vergangenen Jahr bei weiteren 7,9 Prozent.
Frischer Wind bei den Opel-Modellen
Opel will mit seinen zahlreichen neuen Modellen bei der Kundschaft punkten. „Im vergangenen Jahr haben wir drei neue SUVs herausgebracht: den Grandland, den Frontera und den Mokka, der ein Facelift erhalten hat. Wir haben einen jungen Corsa und bei den Transportern ebenfalls eine junge Modellpalette. Alle Transporter – Combo, Vivaro, Movano – sind neueren Datums. Und jetzt haben wir den neuen Astra, was es uns erlaubt, das Jahr mit einer deutlich aufgefrischten Modellpalette zu beginnen. Darüber hinaus bieten wir mit unserer sportlichen Linie GSE, die wir beim Mokka eingeführt haben, ein emotionales und sportliches Fahrerlebnis“, sagte Rebecca Reinermann. „Die Zukunft hat noch viel mehr zu bieten, und wir sind bereit für ein erfolgreiches, wachstumsstarkes Jahr 2026.“
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