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Seit Ende Februar 2026 und mit der Blockade der Straße von Hormus schießen die Spritpreise in Luxemburg in die Höhe. Das Barrel Brent erreicht fast die 120-Dollar-Marke, Haushalte müssen mit mehreren Hundert Euro Mehrkosten im Jahr rechnen und Elektromobilität kommt nur schleppend voran – eine Analyse der Ölkrise und ihrer weitreichenden Folgen.

Er ist spürbar, der Frust der Autofahrer, wenn sie zur Zapfpistole greifen. Seit dem 28. Februar haben der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus die Preise für Benzin und vor allem für Diesel in die Höhe getrieben – und sogar die Angst vor Engpässen geschürt. Nach dem Ukrainekrieg und der Pandemie, die die Märkte bereits tiefgreifend erschüttert hatten, sind die Verbraucher erneut hin- und hergerissen: Sollen sie tanken, bevor eine weitere Preiserhöhung kommt, oder auf einen Rückgang warten?

Die Preisbildung in Luxemburg hat den Vorteil, dass sie klar geregelt und oft vorteilhafter als in den Nachbarländern ist. Doch die Gesetze des Weltmarkts sind schonungslos: Der Vorteil schwindet, wenn die internationalen Preise explodieren. Seit März gibt die Brent-Notierung (Rohöl) den Trend vor. Nachdem der Preis für ein Barrel während der Coronakrise auf 20 Dollar gefallen war, stieg er während des Ukrainekriegs auf 130 Dollar. Ende März 2026 erreichte er wieder knapp 120 Dollar. Damit blieb er aber noch unter dem historischen Höchststand von 147,50 Dollar aus dem Jahr 2008.

Kraftstoffpreise: reguliert, transparent und berechenbar

Der luxemburgische Staat gibt den Höchstpreis an der Zapfsäule vor und begrenzt damit erheblich die Preisunterschiede an den Tankstellen – ebenso wie die Gewinne der Betreiber, die vor allem von Absatzmengen und Zusatzprodukten leben. Es ist zwecklos, die Preise an den Tankstellen zu vergleichen: Sie sind nahezu identisch. Im benachbarten Frankreich hingegen haben Preisunterschiede mitunter zu Versorgungsengpässen und Lieferausfällen geführt.

Jeden Tag analysiert das Wirtschaftsministerium die Entwicklung des Erdölmarktes. Die Formel zur Berechnung der Preise an den Tankstellen berücksichtigt unter anderem die von der Agentur Argus gelieferten Notierungen der verschiedenen Produkte sowie den aktuellen Wechselkurs zwischen Euro und Dollar. Die Berechnung erfolgt täglich. Hat sich der Preis eines Produkts gegenüber dem Wert von vor zwei Tagen verändert, werden die neuen Höchstpreise am späten Nachmittag an die betroffenen Organisationen, Unternehmen und Medien weitergeleitet. So treffen um 18 Uhr regelmäßig Pushnachrichten über die für Mitternacht vorgesehenen Preisanpassungen auf dem Smartphone ein. „Das System ist transparent und ermöglicht Berechenbarkeit“, sagt Paul Matzet, stellvertretender Direktor der Direction générale Énergie.

Die Sorgen der Verbraucher

In der Publikation „Décryptage 55“ der Fondation IDEA schätzt Frédéric Meys, dass ein Dieselpreisanstieg von 40 Cent Mehrkosten von jährlich 674 Euro für einen am Stadtrand gelegenen Haushalt mit zwei Autos verursacht. Ein Anstieg, der angesichts der schwindenden Kaufkraft alles andere als unbedeutend ist. Er betont, dass die aktuelle Krise vor allem Erdölprodukte betrifft, deutlich weniger Gas und noch weniger Strom. „Vor allem wenn diese Krise andauert, werden Maßnahmen notwendig“, stellt er fest und plädiert für gezielte Unterstützung, „um den preislichen Anreiz für die Energiewende zu erhalten“.

Die luxemburgische Regierung hat die 2022 ergriffenen Sondermaßnahmen nicht verlängert und verweist auf die Verdreifachung der Energieprämie sowie die Investitionen in die elektrische Infrastruktur. Dabei hat selbst Deutschland seine Energiesteuer Mitte April gesenkt, um den Schock für die Verbraucher abzufedern.

Carlo Thelen, Generaldirektor der Handelskammer, ist der Ansicht, dass „Hilfen für Haushalte, die besonders stark auf ein Fahrzeug angewiesen sind, und insbesondere für unmittelbar betroffene Unternehmen, etwa im Transport- und Logistiksektor, durchaus gerechtfertigt sein können. Allgemeine Maßnahmen, die die Preise an den Zapfsäulen betreffen, wären aber kostspielig und kontraproduktiv: Sie würden zwangsläufig den Tanktourismus fördern und unterschiedslos allen zugutekommen.“

Der Schneeballeffekt ist nicht zu unterschätzen: Die Erdölpreise beeinflussen die gesamte Wirtschaft, wie auch Georges Eischen, geschäftsführender Gesellschafter bei La Provençale, weiß. Obwohl das Unternehmen oft mit seiner Lkw-Flotte in Verbindung gebracht wird, entsprechen die Energiekosten nur einem Prozent seines Umsatzes. „Wir haben die Preiserhöhungen ohne besondere Maßnahmen hingenommen. Was uns aber am meisten beunruhigt, ist, dass die Menschen bei einer anhaltenden Krise ihre Ausgaben einschränken müssen – und wir dann indirekt betroffen sein könnten.“

„Sauber“ fahren als Lösung?

Claude Simon, Head of Energy Sales bei Enovos, beruhigt mit Blick auf die Strompreise, denn diese profitieren von größerer Stabilität. Die Abhängigkeit von russischem Gas ist seit 2022 gesunken, die erneuerbaren Energien befinden sich im Ausbau. „Da wir einen Großteil unserer Mengen bis zu drei Jahre im Voraus einkaufen, sehen wir derzeit keine Preisanpassung vor Jahresende vor. Privatkunden können sich durch langfristige Festpreisverträge gegen steigende Kosten absichern.“

Aktuell scheint es naheliegend, sich „saubereren“ Mobilitätslösungen zuzuwenden. Wirtschaftsminister Lex Delles fördert diese Entwicklung ausdrücklich. Doch in der Praxis bleibt die Nachfrage verhalten. Gerry Wagner, Sprecher des House of Automobile, sagt: „Ja, die Leute stellen sich Fragen, und doch stellen wir fest, dass Elektroautos im März nur 26 Prozent der Neuwagenkäufe ausmachten und sich dieses Verhältnis nicht wesentlich verändert.“ Die Hälfte dieser Fahrzeuge sind Firmenwagen – ein Segment, das stagniert. „Nach der üblichen Flaute im Anschluss an das Autofestival muss man noch etwas abwarten, um zu sehen, ob ein eventueller Paradigmenwechsel eintritt“, präzisiert Gerry Wagner. Carlo Thelen betont: „Die Elektrifizierung des Fahrzeugbestands muss von einer ambitionierten Energiepolitik begleitet werden, die eine dekarbonisierte, zuverlässige und wettbewerbsfähige Stromversorgung gewährleistet.“

Höhere Einnahmen für den Staat

Der Anstieg der Kraftstoffpreise wirkt sich unmittelbar positiv auf die öffentlichen Finanzen aus. Zu den Grundkosten des Produkts – Förderung, Raffinierung und Transport – kommen feste Verbrauchsteuern hinzu: rund 56 Cent pro Liter Benzin und 49 Cent für Diesel, einschließlich der CO₂-Steuer. Die Mehrwertsteuer von 17 Prozent wird anschließend auf den Gesamtbetrag erhoben, was bedeutet, dass jede Preiserhöhung an der Zapfsäule die Steuereinnahmen automatisch steigen lässt.

Auch wenn die in Luxemburg verkauften Mengen rückläufig sind (von 2,2 Milliarden Litern im Jahr 2016 auf 1,7 Milliarden im Jahr 2024), bleiben die Einnahmen beträchtlich. 2024 brachten die Verbrauchsteuern 300 Millionen Euro beim Benzin und 569 Millionen beim Diesel ein. Hinzu kommen zwischen 550 und 650 Millionen Euro an Mehrwertsteuer sowie 258 Millionen aus der CO₂-Steuer. Insgesamt machen die Einnahmen aus dem Kraftstoffbereich rund 6 Prozent des luxemburgischen Staatshaushalts von knapp 30 Milliarden Euro aus.

Dauerhaft hohe Preise könnten paradoxer-, aber auch logischerweise finanzielle Spielräume schaffen, um die Energiewende zu begleiten.