Der EV2 ist Kias kleinster Elektro-SUV. Wir sind die Business-Plus-Version mit 42,2-kWh-Batterie im März in Lissabon gefahren.
Bei seiner Premiere auf dem Brüsseler Automobilsalon im Januar hatte Kia angekündigt, mit dem EV2 die Technologie und den Charakter seiner grösseren Elektro-SUV in ein kompakteres, stadttauglicheres Format zu übertragen. Testen durften wir ihn damals noch nicht. Das haben wir jetzt nachgeholt, im März in Lissabon, bei Sonne und Regen, im dichten Stadtverkehr, auf der Küstenstrasse und auf der Autobahn. Gefahren sind wir den EV2 in der Business-Plus-Ausstattung mit 42,2-kWh-Batterie.
Entwickelt wurde der EV2 speziell für den europäischen Markt, gebaut wird er im slowakischen Žilina. Unterhalb von EV3, EV5 und EV9 positioniert, ist das kleine Elektro-SUV vor allem auf den Alltag ausgelegt.
Moderner Innenraum mit etwas Eingewöhnung
Schon beim Einsteigen fällt der offen gestaltete Innenraum auf. Die freie Mittelkonsole schafft Platz und lässt den Wagen grösser wirken, als es die Aussenmasse vermuten lassen. Das Cockpit orientiert sich sichtbar an den grösseren Modellen der EV-Familie, mit klaren Linien, viel Raum und grossen Displays.
Das Lenkrad wirkte auf uns dagegen anfangs etwas überladen und lässt wenig Platz für die Daumen. Die zahlreichen Tasten brauchen Eingewöhnung und verdecken je nach Sitzposition einen Teil des Displays dahinter. Auch das Infotainmentsystem erschliesst sich nicht sofort. Manche Funktionen verstecken sich in Untermenüs, und wer sich zurechtfinden will, braucht etwas Zeit und Geduld.
Neben dem Touchscreen gibt es für Klima und Lüftung physische Tasten. Auch die inneren Türöffner bleiben mechanisch. Kia hat dort übrigens eine kleine Botschaft versteckt, „Have a nice day“.
Positiv fiel uns der typische Kia-Totwinkelassistent auf, der zusätzlich ein Kamerabild im Sichtfeld des Fahrers einblendet. Im dichten Verkehr sorgt er für mehr Übersicht. In Luxemburg ist diese Kamera allerdings nur in der Topausstattung Black Line serienmässig.
Komfort statt Sportlichkeit
Auf der Strasse zeigte sich der EV2 angenehm unkompliziert. Er fuhr ruhig und souverän, ohne sportlich wirken zu wollen. In den engen und teils unübersichtlichen Strassen der portugiesischen Hauptstadt spielte er seine Stärken aus, und auch auf Kopfsteinpflaster blieb das Fahrwerk gelassen. Im Innenraum blieb es angenehm leise, selbst als Regen und Abrollgeräusche draussen deutlich zunahmen. Auf der kurvigen Küstenstrasse wie auf der Autobahn vermittelte der EV2 bei jedem Wetter ein sicheres Fahrgefühl.
Die Beschleunigung erfolgte gleichmässig und kontrolliert. Zu sportlichen Ambitionen verleitet der EV2 nicht, Kias Ingenieure haben klar auf Alltagstauglichkeit und entspanntes Fahren gesetzt. Dazu passt das i-Pedal-System zur Energierückgewinnung, das bereits aus anderen Kia-Elektromodellen bekannt ist. Fahrer können die Rekuperation in vier Stufen einstellen, bis hin zum nahezu vollständigen Ein-Pedal-Fahren. In der Stadt funktionierte das in unserem Test harmonisch. Die Fahrerassistenzsysteme arbeiteten während der gesamten Fahrt dezent und nie aufdringlich.
Praktisch gedacht
Wie die anderen Modelle der EV-Familie steht der EV2 auf der E-GMP-Plattform von Hyundai und Kia. Die Batterie sitzt tief im Fahrzeugboden, davon profitieren Platzangebot und Fahrverhalten. Kia bietet zwei Batterien an. Die Standard-Range-Version mit 42,2 kWh kommt je nach Ausstattung auf 308 bis 317 Kilometer Reichweite nach WLTP, die Long-Range-Version mit 61 kWh auf bis zu 453 Kilometer. Beide nutzen eine 400-Volt-Architektur. Neben dem 11-kW-AC-Laden ist ab der Business-Plus-Ausstattung optional ein 22-kW-Bordlader erhältlich. Der Innenraum fällt überraschend variabel aus. Je nach Version gibt es neben dem klassischen Fünfsitzer auch einen Viersitzer mit verschiebbarer Rückbank. Das Kofferraumvolumen reicht dann von 321 bis 403 Litern, beim Fünfsitzer sind es 362 Liter.
Unter der Fronthaube befindet sich ab der Business-Plus-Ausstattung ein kleiner Frunk mit 15 Litern. Ausser dem Ladekabel oder kleineren Gegenständen passt dort allerdings nicht viel hinein. Dank der Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) kann der kleine Kia auch externe Geräte mit Strom versorgen. In Luxemburg gehört die 230-Volt-Steckdose im Innenraum zum optionalen 22-kW-Ladepaket. In Luxemburg startet der EV2 in der Essential-Ausstattung mit 42,2-kWh-Batterie bei 26.194 Euro. Die getestete Business-Plus-Version mit derselben Batterie kostet 32.286 Euro, die Long-Range-Versionen beginnen bei 32.770 Euro.
Unser Fazit
Der EV2 überzeugt mit seiner unkomplizierten Art. Er fährt sanft, ist alltagstauglich und setzt klar auf Komfort. Die Displaybedienung könnte stellenweise intuitiver sein und das Lenkrad etwas fingerfreundlicher. Als Begleiter für Alltag, Stadtverkehr und Pendelstrecken überzeugt der kleine Kia dagegen erstaunlich. Liebe auf den ersten Blick war es nicht, gerne gefahren sind wir ihn trotzdem.
Technische Daten
Kia EV2 Standard Range