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Wenige Tage nach der Premiere auf dem Pariser Autosalon stand der neue Citroën 2CV ein Wochenende lang bei Ice-Watch in Bastogne. Als Limousine wie als Kastenente sorgte die knallbunte Elektro-Ente dort für Aufsehen.

„Siehst du, da fühlt man sich wie ein Kind!“, sagt Pierre Leclercq strahlend und bedient dabei die kleine Lüftungsklappe unter der Windschutzscheibe. Er und sein Designteam bei Citroën haben das Auto entworfen, einen 2CV für das 21. Jahrhundert. Seine Weltpremiere feierte er am 11. Oktober 2026 auf dem Mondial de l’Automobile in Paris. Danach reiste die neue Ente vom Messegelände an der Porte de Versailles an die Place Général McAuliffe in Bastogne. Dort war sie vom 23. bis 25. Oktober zu sehen.

Noch nie war eine Studie so schnell von ihrer Pariser Premiere ins Herz der Ardennen gelangt. Das liegt vor allem daran, dass Pierre Leclercq, Designchef der Marke mit dem Doppelwinkel, ein Kind der Region ist.

Gemeinsam mit einem weiteren Sohn der Stadt, Jean-Pierre Lutgen, Geschäftsführer des Uhrenherstellers Ice-Watch, organisierte er die Präsentation. Sie war im Übrigen prachtvoll, denn die Autos standen zwischen großformatigen Werken zeitgenössischer Kunst. Fahrzeuge und Gemälde traten in einen ungewohnten, spannenden Dialog und setzten sich gegenseitig in Szene.

Klein, kleiner, TPV

„Vor anderthalb Jahren hatten wir im Studio etwas Luft. Da habe ich die Idee eingebracht, dieses Auto zu bauen und in Serie zu bringen“, erzählt Pierre Leclercq. Die Wurzeln der Ente reichen bis vor den Zweiten Weltkrieg zurück. 1936 startete das Projekt TPV, kurz für „Toute Petite Voiture“, also „ganz kleines Auto“. „Wir sind von einem Modell des TPV ausgegangen und haben ein kompaktes Auto entworfen, zehn Zentimeter kürzer als der ursprüngliche 2CV.“

Vorstellung Citroën 2CV in Bastogne

Auf dem geglätteten Beton, vor weißen Wänden voller lebendiger, bunter Kunstwerke, machte die neue Ente richtig etwas her. In der Lackierung Infra Red, einem Orangerot mit rosa Schimmer, war sie ein echter Hingucker. Gegenüber antwortete ihr eine Wildschweinskulptur in denselben Tönen. „Ich möchte, dass das die Einführungsfarbe wird“, kündigt Pierre Leclercq an. Seine Kreation soll in der heute recht tristen Autolandschaft auffallen.

„Die Silhouette musste wiedererkennbar bleiben, mit der langen, abfallenden Motorhaube und dem schwebenden Dach, dessen Stoff bis zur hinteren Stoßstange reicht“, betont der Designer. All das findet sich beim kleinen Neuling wieder, obwohl das Original aus einer ganz anderen Zeit stammt. Die Studie entstand schnell, auch dank der ständigen Unterstützung von Citroën-Chef Xavier Chardon und der Verantwortlichen des Stellantis-Konzerns.

Abfallend und gerippt

„Die Leute kennen die Ente“, sagt Leclercq. Das Vorbild durfte nicht verraten werden, und trotzdem musste es nach vorn gehen. „Ausgerechnet an der Front haben wir uns die Zähne ausgebissen“, gesteht der Designer aus Bastogne. „Wie beim Original reicht die V-förmige Motorhaube bis ganz nach unten und ist zweigeteilt. Die Rundscheinwerfer haben wir in die Kotflügel versenkt, die oben ausgeschnitten sind.“ Die Scheinwerfer arbeiten jetzt mit LED-Technik. Auch die Sicken auf der Motorhaube gehen auf den ursprünglichen TPV zurück.

Mit der Technik von einst, einem kleinen luftgekühlten Zweizylinder-Benziner, hat das neue Modell natürlich nichts mehr gemein. Als Basis für den kleinen Batteriestromer experimentierten die Designer mit den Plattformen der elektrischen Versionen von Citroën C3 und Fiat 600. Heutige Elektromotoren liefern viel Leistung und vor allem viel Drehmoment. Deshalb wuchsen die Reifen auf stattliche 18 Zoll.

Pierre Leclercq zeigt auf die Weißwandreifen mit Doppelwinkeln und Michelin-Schriftzug im Retrostil. „Für dieses Auto haben wir mit dem Zulieferer vereinbart, dass wir das alte Logo verwenden dürfen.“ Ebenfalls retro sind die frei stehenden Stoßstangen. Heute sind sie meist in Front- und Heckschürze integriert. „Man hat vergessen, dass sie das Auto schützen sollen“, erinnert der Designer. „Heute muss man beim kleinsten Rempler gleich in die Lackiererei oder zum Karosseriebauer. Mit unseren echten Stoßstangen werden uns die Pariser lieben, und die Versicherungen auch!“

Weniger ist mehr

Der Einstieg gelingt leicht, sobald das Rolldach zurückgeschoben ist. Innen „gibt es außer der Metallstruktur nichts“, sagt Pierre Leclercq. „Genau das wollten wir. Je weniger drin ist, desto besser! So können wir mit den Farben spielen.“ Die herausnehmbaren Sitzbänke tragen gelb-weißes Schottenkaro. Das Einspeichenlenkrad und der Wählhebel (hier für vorwärts und rückwärts) sind beige wie früher das Bakelit.

Das kleine Auto steckt voller witziger Details, etwa einer Schildkröte auf dem Bremspedal und einem Hasen auf dem Gaspedal. Auf einem kleinen Bildschirm zeigt das Infotainmentsystem Comiczeichnungen des Lütticher Zeichners Jean-Luc Delvaux. „Das möchte ich in der Serie sehen“, sagt Leclercq. Wie die Sitzbank lassen sich auch das Radioën-Audiogerät und der kleine Korb herausnehmen. Fehlt nur noch die karierte Decke fürs Picknick im Grünen …

Es war fast selbstverständlich. Wer Ente sagt, sagt auch Kastenente. Als Überraschung präsentierte Citroën am Montagmorgen, dem 11. Oktober, in Paris die vorher nicht angekündigte Nutzfahrzeugversion. „Wir behalten das Auto bis zur Tür und setzen hinten einen Kasten drauf, mit möglichst großer Öffnung“, fasst Pierre Leclercq zusammen. Zur voll besetzten Eröffnungsfeier in Bastogne am Freitag, dem 23. Oktober, meint er: „Hätte ich Bestellformulare dabeigehabt, hätte ich Hunderte verkauft!“

Kleiner Preis

Der 2CV gehört zu den meistgesammelten Oldtimern und wird von vielen noch im Alltag gefahren. Das ist zwar nicht repräsentativ, doch in Bastogne begrüßte ein großer Sammlerclub die Neuauflage des Modells, das eher ungewollt zum Mythos wurde. Mit 3,76 Metern Länge fällt die Ente von 2026 unter die europäische E-Car-Regelung. Sie soll nicht mehr als eine Tonne wiegen, für ein Batterieauto ein Fliegengewicht, und 150 Kilometer weit fahren. Das reicht für den Alltag in der Region.

Bei der Zielgruppe denkt Pierre Leclercq an „die Nostalgiker der Ente, das schwierigste Publikum, und auch an junge Leute von 18 bis 20 Jahren“. Der Einsatz in der Stadt liegt nahe. Der Designer aus Bastogne hat aber „alle Ambitionen, auch auf dem Land, für Zweitwohnsitze und so weiter“. Die Ente des 21. Jahrhunderts soll 2028 auf den Markt kommen. Neben ihrem Charme spricht der Preis für sie. „Wir starten bei 15.000 Euro.“ Damit bleibt die Ente ihren Grundprinzipien treu. Sie ist ein Auto fürs Volk, pfiffig, leicht und fröhlich.

Pierre Leclercq, ein Kind aus Bastogne

Pierre Leclercq wurde 1972 in Bastogne geboren, nur einen Katzensprung vom Großherzogtum entfernt. 1998 schloss er sein Studium am ArtCenter College of Design im kalifornischen Pasadena ab. Seine Laufbahn begann bei Ghia, dem Designstudio von Ford in Italien. Im Jahr 2000 wechselte er zur BMW Group. Dort arbeitete er für BMW, MINI und Rolls-Royce, bevor er 2011 die Designleitung von BMW M übernahm, der Hochleistungssparte der Marke. Danach führte ihn seine Karriere ins Ausland, ab 2013 zu Great Wall Motors in China, ab 2017 zu Kia in Südkorea. Am 1. November 2018 wurde er Designchef von Citroën. Unter seiner Führung entstanden die neuen Modelle C3, C3 Aircross und Basalt, der neue Ami, C4 und C4 X sowie der neue C5 Aircross. Hinzu kamen die Studien OLI und ELO und schließlich die beiden 2CV-Studien, als Limousine und als Kastenente, die auf dem Pariser Autosalon 2026 debütierten. Wenige Wochen später, am 2. November 2026, wechselte er als Designchef zu Opel und Vauxhall, zwei weiteren Marken des Stellantis-Konzerns.