Beim Autokauf entscheidet sich die große Mehrheit der Käufer für dezente Farben. Die Beweggründe sind vielfältig. Die gewählte Lackierung kann manchmal die Persönlichkeit des Fahrers widerspiegeln.
Sagen wir es gleich vorweg: Die Farben unserer Autos sind eher unauffällig. Das Unternehmen Axalta, das unter anderem auf Autolacke spezialisiert ist, veröffentlicht seit 1953 jährlich einen Bericht zu den beliebtesten Autofarben. Demnach führt Grau in Europa mit 26 Prozent, gefolgt von Weiß mit 25 Prozent und Schwarz mit 22 Prozent. Weltweit liegt Weiß mit 29 Prozent vorne vor Schwarz mit 23 Prozent und Grau mit 22 Prozent; 74 Prozent aller Fahrzeuge sind somit farblich neutral gehalten. Blau und Rot treten mit rund 6 beziehungsweise 7 Prozent eher selten auf. Silber hat zuletzt an Beliebtheit verloren und sank auf einen Anteil von 7 Prozent.
In Luxemburg sind Fahrzeuge noch häufiger grau als im europäischen Durchschnitt – laut den verfügbaren Daten (STATEC/SNCA) sind es konkret 34 Prozent aller Fahrzeuge. Es folgt Schwarz mit 22,5 Prozent. Weiß dagegen ist deutlich weniger gefragt als anderswo (15 bis 17 Prozent hierzulande, 25 Prozent in Europa und 29 Prozent weltweit). Warum die Autofahrer in Luxemburg eher zu Grau und Schwarz tendieren als zu Weiß oder kräftigen Farben, lässt sich kaum auf einen einzelnen Grund zurückführen. Zwei Erklärungen liegen jedoch auf der Hand. Zum einen die hohe Zahl an Firmenwagen. Die Leasinggesellschaften haben ein Interesse daran, dass der Wiederverkaufswert am Ende der ersten Laufzeit hoch ist. Daher wird darauf geachtet, dass die Mitarbeiter möglichst einen grauen oder schwarzen Wagen auswählen. Privatkäufer, die ebenfalls an den Wiederverkauf denken, handeln ähnlich. Ein schwarzes Auto lässt sich eben leichter verkaufen als ein knallgelbes. Zum anderen sind besondere Farben oft teurer und kosten einen Aufpreis zwischen 600 und 1.500 Euro.
Bei den kräftigen Tönen liegt Blau in Luxemburg mit 12,4 Prozent Anteil am Fahrzeugbestand vorne, gefolgt von Rot mit 7 Prozent. Danach kommen Grün mit 2,9 Prozent, Braun mit 1,6 Prozent, Gelb mit 1,1 Prozent und Orange mit 0,9 Prozent.
Bei den Neuzulassungen 2025 zeigt sich dasselbe Bild. Nur Grün legte bei den Neuwagen deutlich zu: von 3,3 Prozent im Jahr 2024 auf 4,7 Prozent 2025. Es ist die einzige kräftige Farbe, die stärker nachgefragt wurde.
Was sagt die Farbe über die Persönlichkeit aus?
Dass ein Zusammenhang zwischen der Autofarbe und der Persönlichkeit des Fahrers besteht, lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Zur Bedeutung der Farben gibt es allerdings durchaus interessante Literatur. Als meistzitierte Referenz gilt Leatrice Eiseman, Leiterin des Pantone Color Institute und Autorin von „The Color Answer Book“. Die Psychologin, die ihren Abschluss an der Antioch University machte, ordnet jeder Farbe bestimmte Eigenschaften zu. Für sie ist Schwarz die Farbe der Macht – die Farbe einer schwer zu beeinflussenden Person, die Eleganz und einen klassischen Stil schätzt. Nicht von ungefähr fahren Staatschefs und Politiker in schwarzen Wagen vor. Weiß verrät nach ihrer Lesart einen gewissen Perfektionismus, eine Vorliebe für das Reine, Klare und Direkte. Silber steht für eine Person, die Eleganz mit einem Hauch Glanz, futuristische Anmutung und den wahrgenommenen Wert des Metallic-Effekts mag. Rot verbindet sie mit Sinnlichkeit, Dynamik und großer Energie. Dies passt zu einer extrovertierten Person, die auffallen möchte. Dunklere Töne wie Bordeaux drücken diese Eigenschaften ebenfalls aus, aber etwas dezenter. Weitere Autoren sind sich einig: Blau legt eine ruhige Persönlichkeit nahe, der Verlässlichkeit, Vertrauen und Beständigkeit wichtig sind. Grün ist heute eine eher unabhängige, unkonventionelle Wahl von Menschen, die sich abheben wollen. Gelb strahlt Optimismus und Energie aus, Orange Begeisterung und Kreativität, Grau Reife und einen Sinn fürs Praktische.
Gibt es eine Korrelation zwischen Farbe und Unfallrisiko?
Bestimmte Farben werden regelmäßig mit einem erhöhten Unfallrisiko in Verbindung gebracht, doch der Nachweis gestaltet sich schwierig. Der populäre „Old Farmer’s Almanac“, ein 1792 gegründeter US-amerikanischer Jahresalmanach und die älteste ohne Unterbrechung erscheinende Zeitschrift Nordamerikas, hat sich der Frage angenommen. Die Publikation stützt sich auf mehr als 130.000 Schadensmeldungen und kommt zu dem Schluss, dass Fahrer schwarzer Autos statistisch häufiger in Unfälle und aggressive Fahrsituationen verwickelt sind.
Eine litauische Studie, die 2023 rund eine Million Gebrauchtwagen betrachtete, kam zu dem Ergebnis, dass Braun in Europa die Fahrzeugfarbe ist, die bei Unfällen am häufigsten vertreten ist. Es folgen Gelb und Rot. Als „sicherste“ Farben gelten demnach Grau (44,7 Prozent) und Weiß (44,5 Prozent). Allerdings gilt diese Studie methodisch nicht als solide.
Außerhalb Europas stellte eine akademische Studie der Monash University (Australien, 2007) fest, dass Weiß die sicherste Wahl ist und schwarze Autos einem bis zu 47 Prozent höheren Unfallrisiko ausgesetzt sein können. Unter normalen Bedingungen liege das Mehrrisiko rund 12 Prozent über Weiß. Wie wenig belastbar diese Ergebnisse sind, zeigt sich schon daran, dass sich die Studien nicht einmal auf die riskanteste Farbe einigen können: Für die einen ist es Braun, für die anderen Schwarz.
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