Von insgesamt 781 Fahrern haben es nur zwei Frauen in die Formel 1 geschafft. Die Fashion-Business-und-Innovation-Studentin Laetitia Biewesch will Stereotype aufbrechen, Fahrerinnen stärken, sie sichtbarer machen und ihnen Chancen für Sponsoring und Partnerschaften eröffnen.
Historisch betrachtet dominieren Männer den Motorsport. An der Formel-1-Weltmeisterschaft 2026 etwa nehmen ausschließlich Männer teil, insgesamt 22 Fahrer. Nur zwei Frauen haben sich für einen Grand Prix qualifiziert und sind auch gestartet: Maria Teresa de Filippis (1958, 1959) und Lella Lombardi (1974–1976). Wie Laetitia Biewesch feststellt, machen sie damit nur 0,26 Prozent der 781 Fahrer aus, die seit der Gründung der Formel 1 im Jahr 1950 an der Meisterschaft teilgenommen haben.
Motorsport sei jedoch einer der wenigen Sportarten, in denen Männer und Frauen unter gleichen Bedingungen gegeneinander antreten könnten, sagt Biewesch. Frauen stellten 41 Prozent der weltweiten Formel-1-Fangemeinde, fügt sie hinzu, wobei die 16- bis 24-Jährigen die am schnellsten wachsende Gruppe seien. Frauen und Mädchen interessieren sich offensichtlich für Motorsport. Was hält sie also vom Fahrersitz fern?
Es fehlt an Ressourcen und Sichtbarkeit
„Die Herausforderungen sind systembedingt“, sagt Biewesch, die an der Amsterdam Fashion Academy Fashion Business & Innovation studiert. Biewesch ist schon seit ihrer Jugend Motorsport-Fan und untersucht, wie sich Mode nutzen lässt, um junge Fahrerinnen zu stärken und zu unterstützen. Fahrerinnen fehlt es oft an finanziellen Mitteln und Sponsoring-Möglichkeiten – deshalb werden sie zu wenig wahrgenommen.
In ihrer Abschlussarbeit will Biewesch genau diese Lücke schließen. Im Rahmen ihres Studiums hat sie für ihre Marketingagentur Empower Her Drive einen strategischen Marketingrahmen entwickelt. „Er wird erzählerische Mode- und Motorsport-Kampagnen mit jungen, leidenschaftlichen und entschlossenen Rennfahrerinnen schaffen“, erklärt sie. „Das Ziel ist es, sie stärker sichtbar zu machen, sie zu stärken und ihnen zu helfen, Chancen für Finanzierung, Sponsoring und Partnerschaften zu schaffen.“
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„Meine Recherche hat gezeigt, dass Marken oft mehr in männliche Fahrer investieren, weil sie ihnen ein größeres langfristiges Potenzial zutrauen“, fügt Biewesch hinzu. Weil Fahrerinnen so selten vorkommen, entsteht eine Art Teufelskreis: Gibt es weniger Kampagnen mit Frauen, fehlen auch Daten zu Wirkung und kommerziellem Erfolg – genau die Kennzahlen, mit denen die Marketingteams von Sponsoren und anderen Unternehmen das Budget für eine neue Kampagne rechtfertigen. Keine Kampagnen bedeuten keine Kennzahlen, und keine Kennzahlen bedeuten wiederum keine Kampagnen. Ein Teufelskreis.
Fahrerinnen sichtbarer zu machen, ist deshalb entscheidend, um Frauen im Motorsport stärker einzubinden. „Mit meinem Ansatz will ich Fahrerinnen als markenreife, professionelle Athletinnen positionieren, die wirklich entschlossen sind und alles daransetzen, das Spitzenniveau im Motorsport zu erreichen“, sagt Biewesch.
Klischees trotzen
Viele Autowerbungen, etwa aus den 1970er-Jahren, stellen Frauen als unselbstständig dar, zeigen sie als unterwürfig oder unterstellen ihnen, schlechte Autofahrerinnen zu sein, wie Biewesch in ihrer Recherche zeigt. Das verstärkt sexistische Vorurteile. Eine Mini-Werbung aus dem Jahr 1971 etwa stellt die Automatikschaltung – und die Tatsache, dass der Wagen dabei nicht abwürgen kann – als Verkaufsargument heraus. Dazu zeigt die Anzeige eine junge, ängstlich wirkende Frau mit großen Augen, klobigen Ringen und langen, lackierten Fingernägeln, versehen mit dem Slogan „For simple driving“ (Für einfaches Fahren). In anderen Beispielen dient die Frau in der Werbung lediglich als dekoratives Element.
Diese sexistischen Einstellungen beschränken sich nicht auf Medien und Werbung, betont Biewesch. So seien de Filippis und Lombardi – die einzigen zwei Frauen, die in der Formel 1 angetreten sind – auf der Strecke diskriminiert worden und hätten sexistische Kommentare zu hören bekommen.
Um dem entgegenzuwirken, setzt sich Biewesch für „Fem-Vertising“ ein, eine Form der Werbung, die traditionelle Frauenklischees hinterfragt und Frauen stärkt. „Gesellschaftlicher Wandel entsteht aus vier Säulen: Empathie, Bedeutung, Emotion und Inklusion. Es geht wirklich darum, die Bedürfnisse von Frauen authentisch zu verstehen, sie als Führungspersönlichkeiten darzustellen, Herz und Verstand gleichermaßen anzusprechen und ihre Identität und ihre Ziele widerzuspiegeln.“
„Bei der Kampagne, die ich in den nächsten Monaten drehen werde, zeige ich die Fahrerin zum Beispiel als professionelle, hart arbeitende Athletin“, sagt Biewesch. „Ich werde sie nicht objektivieren oder sexualisieren. Es geht darum, zu zeigen, wie hart sie auch abseits der Strecke arbeiten. Es ist wirklich wichtig, sie in ihrem eigenen Bereich zu zeigen, mit ihrer Leidenschaft und Professionalität, und ihnen modisch eine eigene Rennfahrer-Identität zu geben.“
Wie viel Mitspracherecht haben Fahrerinnen also, wenn sie in einer Marketingkampagne auftreten?
Dazu merkt Biewesch an, dass Werbekampagnen auch als Einkommensquelle dienen können, und verweist auf ein Interview mit der Fahrerin Chloe Grant. Die Fahrerin Katrina Ee stimmt dem zu, würde eine sexualisierte oder objektivierende Darstellung aber ablehnen.
Trotzdem lassen sich Weiblichkeit und Motorsport durchaus vereinbaren. „Beide sagten, dass sie ihre weibliche Seite gerne zum Ausdruck bringen, sei es durch ihre Kleidung oder ihr Make-up“, fügt Biewesch hinzu. Auch Kooperationen zwischen der F1 Academy, einer reinen Frauen-Rennserie auf Formel-4-Niveau, und der Make-up-Marke Charlotte Tilbury oder Hello Kitty tragen dazu bei, Klischees darüber infrage zu stellen, wer in den Motorsport gehört.
Einstiegshürden senken, Chancen schaffen
Werbekampagnen zeigen Fahrerinnen als professionelle Spitzensportlerinnen und geben ihnen die Möglichkeit, eine eigene Marke aufzubauen. Darüber hinaus eröffnen Initiativen wie die F1 Academy Frauen den Zugang zur Welt des Motorsports.
Doch es muss noch mehr passieren, findet Biewesch. Motorsport kostet viel Geld, deshalb müssen die Hürden sinken, damit mehr Frauen und Mädchen einsteigen können. Stipendien könnten dabei helfen, sagt sie. Initiativen wie das kostenlose Kart-Fahren für Frauen, das der ACL anlässlich des Internationalen Frauentags anbietet, geben Frauen zudem einen ersten Einblick in den Sport.
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