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Der jüngste Bericht des European Transport Safety Council (ETSC) ist eindeutig: Die Europäische Union hinkt ihrem Ziel hinterher, die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 zu halbieren. In Luxemburg stieg die Zahl der Todesopfer 2025 nach einem historischen Tiefstand wieder auf 29. Eine Analyse.

Der Befund des ETSC ist besorgniserregend. Seit 2019 ging die Zahl der Verkehrstoten in Europa nur um 15 Prozent zurück. Nötig gewesen wären 31 Prozent, um das Ziel für 2030 zu erreichen. 2025 starben in der EU 19.500 Menschen im Straßenverkehr, über 100.000 wurden schwer verletzt. Der Rückgang betrug gegenüber dem Vorjahr lediglich 2 Prozent. Bei diesem Tempo müsste die Zahl der Todesopfer künftig um rund 10 Prozent pro Jahr sinken, damit Europa sein Versprechen einlöst und die Zahl der Verkehrstoten halbiert.

Einzelne Länder zeigen jedoch, dass deutliche Fortschritte möglich sind. Polen verzeichnet seit 2019 ein Minus von 43 Prozent, Dänemark von 32 Prozent und Belgien von 31 Prozent. Norwegen und Schweden bleiben mit nur 19 Verkehrstoten je Million Einwohner die Spitzenreiter. Die meisten Mitgliedstaaten fallen dagegen zurück. Für Luxemburg lagen bei Redaktionsschluss des Berichts keine Zahlen vor, das Land taucht deshalb nicht auf. Die eigenen Statistiken des STATEC geben jedoch Aufschluss.

Luxemburg: gleich viele Unfälle, aber folgenschwerer

2024 hatte das Großherzogtum mit 18 Verkehrstoten den niedrigsten je gemessenen Wert erreicht – weit entfernt von den 132 Opfern der 1970er-Jahre. 2025 stieg die Zahl jedoch wieder deutlich: 29 Menschen kamen auf Luxemburgs Straßen ums Leben, elf mehr als im Vorjahr.

Zwar starben mehr Menschen, doch die Zahl der Unfälle blieb erstaunlich stabil. Die 1.126 Unfälle mit Personenschaden aus dem Jahr 2025 liegen im Schnitt der vergangenen vier Jahre (2022: 1.094, 2023: 1.001, 2024: 1.136) – und das bei stetig dichterem Verkehr. Nicht die Häufigkeit der Unfälle nahm also zu, sondern ihre Schwere. Insgesamt kamen 2025 laut Statistik 1.498 Menschen zu Schaden, darunter 335 Schwerverletzte (2024: 308) und 1.134 Leichtverletzte.

Wie überall in Europa trifft es vor allem die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Die Zahl der getöteten Fußgänger stieg von drei auf acht und hat sich damit fast verdreifacht. Auch Motorradfahrer bleiben stark gefährdet: neun von ihnen starben. Bei den Pkw-Insassen kamen zwölf Menschen ums Leben (2024: sechs). Ein Lichtblick bleibt: Kein Radfahrer kam ums Leben, bereits im zweiten Jahr in Folge.

Mehr Unfälle im Sommer als im Winter

Die Unfallursachen bleiben bemerkenswert konstant. Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit ist weiterhin der wichtigste Risikofaktor und spielt bei fast jedem vierten Unfall eine Rolle (24 Prozent). Es folgen Alkohol am Steuer (19 Prozent) und die Missachtung der Vorfahrt (15 Prozent). Alkohol bleibt ein hartnäckiges Problem: Bei jedem fünften Unfall war ein Beteiligter alkoholisiert – mehr als nach dem Tiefstand von 2024 (16 Prozent).

Nachts steigt die Gefahr erheblich. Bei mehr als der Hälfte der Unfälle zwischen 23 und 5 Uhr war Alkohol im Spiel. Zwischen Mitternacht und 1 Uhr erreicht dieser Anteil sogar 67 Prozent – also zwei von drei Unfällen. Am häufigsten stoßen zwei fahrende Fahrzeuge zusammen (50 Prozent), gefolgt vom Aufprall auf ein festes Hindernis (26 Prozent) und Unfällen mit Fußgängern (15 Prozent).

Ein weiteres Ergebnis widerspricht einer verbreiteten Annahme: Die meisten Unfälle passieren im Sommer. Die Spitzenwerte liegen im Mai (131) und im Juni (136), die niedrigsten im Dezember (56) und Februar (59). Ein Grund dafür ist, dass an schönen Tagen mehr Motorräder und Fahrräder unterwegs sind. Räumlich betrachtet passieren 56 Prozent der Unfälle in der Stadt, 35 Prozent auf dem Land und 9 Prozent auf der Autobahn.

Angesichts dieses Anstiegs fordert die Sécurité Routière, die Anstrengungen nicht nachzulassen. Sie kritisiert zudem, dass die Gesetzgebung bei E-Scootern zu locker sei. Der nationale Plan „Sécurité routière 2024–2028“, der auf der Vision-Zero-Strategie beruht, muss sich nun bewähren.

Esch an der Spitze, starker Anstieg im Norden und Osten

Esch an der Alzette bleibt mit 318 Unfällen im Jahr 2025 mit Abstand der unfallträchtigste Kanton, vor Luxemburg (241). Diese beiden großen Kantone blieben über zehn Jahre relativ stabil (plus 11 und plus 7 Prozent). Anderswo stieg die Zahl der Unfälle stark: Fünf Kantone verzeichnen zwischen den Zeiträumen 2013–2015 und 2023–2025 ein Plus von 60 bis 80 Prozent.

  • Esch an der Alzette: 318 (+11 %)
  • Luxemburg: 241 (+7 %)
  • Diekirch: 89 (+69 %)
  • Capellen: 82 (+12 %)
  • Grevenmacher: 80 (+18 %)
  • Mersch: 62 (+78 %)
  • Remich: 60 (+64 %)
  • Wiltz: 54 (+67 %)
  • Redingen: 49 (+69 %)
  • Clerf: 45 (− 11 %)
  • Echternach: 37 (− 10 %)
  • Vianden: 9 (+24 %)

Zweiräder: 50 Prozent mehr Unfälle in fünf Jahren

Der Aufschwung der Mikromobilität zeigt sich deutlich in den Statistiken: Unfälle mit motorisierten Zweirädern oder Fahrrädern nahmen in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent zu. Im Jahr 2025:

  • Motorisierte Zweiräder: 209 Unfälle, neun Tote – so viele wie 2024, aber deutlich mehr als 2023 (fünf Tote)
  • Radfahrer: 119 Unfälle, kein Toter, aber mehr Schwerverletzte
  • Elektrokleinstfahrzeuge (E-Scooter, Segways, Monowheels): 38 Unfälle, gegenüber lediglich elf im Jahr 2021

Motorradfahrer zahlen einen unverhältnismäßig hohen Preis: Sie stellen fast ein Drittel der Verkehrstoten (neun von 29), obwohl ihr Anteil am Verkehr weitaus geringer ist.

Quelle: STATEC – Großherzogliche Polizei (Infografik Nr. 05, 06/2026); European Transport Safety Council; La Sécurité Routière.