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Euro NCAP verschärft seine Prüfkriterien. Ein Auto, das heute mit fünf Sternen ausgezeichnet wird, würde sie nicht unbedingt auch in Zukunft erhalten. Als Beispiel lohnt sich ein Blick auf den BMW iX3: Er erreichte kürzlich die Bestnote von fünf Sternen, nach den ab 2028 geltenden Regeln wäre das jedoch nicht der Fall.

Seit Januar 2026 gelten neue Prüfkriterien bei den Euro-NCAP-Crashtests. Die europäische Organisation testet Autos auf ihre Sicherheit und hat nun ihre Methodik so umfassend verändert wie seit 2009 nicht mehr. Die jüngste Bewertung des BMW iX3, der fünf Sterne erhielt, zeigt dies exemplarisch.

Vier Testbereiche mit 80-Prozent-Ziel

Das neue Euro-NCAP-Bewertungssystem gliedert sich in vier Testbereiche, in denen maximal 100 Punkte erzielbar sind: sicheres Fahrverhalten (Safe Driving), Unfallvermeidung (Crash Avoidance), Insassenschutz (Crash Protection) und Sicherheit nach dem Unfall (Post Crash Safety). Aus den Einzelergebnissen ergibt sich die finale Sternebewertung. Die Grundregel lautet: Um fünf Sterne zu erlangen, muss ein Fahrzeug in jeder der vier Kategorien mindestens 80 Prozent der Punkte erreichen. Eine Ausnahme gibt es nicht.

Die 80-Prozent-Regel wird allerdings noch nicht vollständig angewandt. Auf Nachfrage von „Autotouring“ bestätigt Euro NCAP, dass derzeit eine Übergangsphase läuft. Diese betrifft aber nur zwei von vier Kategorien. „2026 gilt ein Schwellenwert von 60 Prozent bei Safe Driving und 70 Prozent bei Crash Avoidance. 2027 steigen diese Werte auf 70 Prozent bei Safe Driving und 80 Prozent bei Crash Avoidance. Ab 2028 gilt für alle Kategorien einheitlich ein Schwellenwert von 80 Prozent.“

In den Kategorien Crash Protection und Post Crash Safety müssen also bereits heute die 80 Prozent erreicht werden, damit eine Fünf-Sterne-Bewertung möglich wird. Nur in den Bereichen Safe Driving und Crash Avoidance gelten vorübergehend niedrigere Schwellenwerte. Dies gibt den Herstellern Zeit, ihre Modelle anzupassen, bevor ab 2028 die einheitliche Regel gilt.

Photo crash test Euro NCAP - BMW iX3

Was das Beispiel iX3 über die Änderungen verrät

Der in diesem Jahr veröffentlichte Test des BMW iX3 50 xDrive zeigt, was die Änderungen in der Praxis bedeuten. Das Fahrzeug erreicht 73 Prozent bei Safe Driving, 82 Prozent bei Crash Avoidance, 86 Prozent bei Crash Protection und 95 Prozent bei Post Crash Safety.

Nach dem Bewertungsschema von 2026 überschreitet das Auto in den Kategorien die geforderten 60, 70 bzw. 80 Prozent. Ergebnis: die Bestnote mit fünf Sternen. Ein Blick in die Kategorie Crash Protection zeigt jedoch: Der Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmer, also Fußgänger und Radfahrer, wird mit lediglich 64 Prozent bewertet, beim Beckenschutz liegt der Wert sogar nur bei 17 Prozent. Euro NCAP erklärt diese insgesamt hohe Bewertung damit, dass innerhalb einer Kategorie ein Ausgleich möglich ist: „Der niedrigere Wert beim Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmer musste durch andere Elemente innerhalb von Crash Protection ausgeglichen werden, um insgesamt den für den fünften Stern erforderlichen Wert von mindestens 80 Prozent zu erreichen.“ Das sehr gute Ergebnis beim Seitenaufprall sowie der solide Wert beim Frontalaufprall gleichen den Schwachpunkt beim Schutz von Fußgängern somit aus.

Der BMW iX3 wurde nicht nach dem alten, bis Ende 2025 gültigen Bewertungsschema getestet. Es lässt sich daher nicht sagen, ob seine Gesamtbewertung nach der früheren Methodik anders ausgefallen wäre. Euro NCAP versichert jedoch, dass durch die Änderungen gute Modelle nicht rückwirkend benachteiligt werden: „Das haben wir nicht gemacht und sind wohl aber den umgekehrten Weg bei der Entwicklung des neuen Bewertungsschemas gegangen. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ein Fahrzeug, das 2026 fünf Sterne erhält, sehr sicher auch nach dem Bewertungsschema von 2025 fünf Sterne erhalten hätte.“

Nach dem Bewertungsschema, das ab 2028 gelten wird, sähe das Ergebnis hingegen deutlich anders aus. Der Wert von 73 Prozent bei Safe Driving liegt zwar komfortabel über dem aktuell gültigen Schwellenwert von 60 Prozent, jedoch unter der Marke von 80 Prozent, die in zwei Jahren einheitlich gilt. Auf direkte Nachfrage fällt die Antwort von Euro NCAP eindeutig aus: „2028 würde dieses Fahrzeug den fünften Stern nicht erhalten, es sei denn, das heute optionale Spurhaltesystem würde zur Serienausstattung.“

Der Fall des BMW iX3 macht zwei Punkte beim neuen Bewertungsverfahren deutlich. Zum einen der Ausgleich innerhalb einer Kategorie, der es ermöglicht, eine Schwachstelle wie hier den Fußgängerschutz wettzumachen, solange andere Testergebnisse hoch genug ausfallen. Mit dem Ergebnis, dass dieser Schwachpunkt in der Gesamtnote nicht weiter auffällt. Zum anderen die schrittweise steigenden Anforderungen, wenn es um die Fahrerüberwachung und die Assistenzsysteme geht. Das Ziel ist klar: Hersteller sollen dazu bewegt werden, Assistenzsysteme, die heute häufig höherwertigen Ausstattungslinien vorbehalten oder gegen Aufpreis erhältlich sind, serienmäßig einzubauen.

Ein Signal, keine Sanktion

Bei der schrittweisen Verschärfung geht es jedoch nicht darum, bereits auf dem Markt befindliche Fahrzeuge rückwirkend zu bestrafen. Vielmehr erhalten Hersteller einen klaren Fahrplan und ausreichend Zeit, um sich anzupassen. Genau das ist der Sinn des „Soft Landing“: den Wandel zu begleiten, statt ihn von heute auf morgen vorzuschreiben.

Damit stellt sich eine praktische Frage für Besitzer bereits bewerteter Fahrzeuge: Bleibt die Bewertung unverändert bestehen oder wird sie mit den nach und nach steigenden Schwellenwerten angepasst? Auf direkte Nachfrage äußert sich Euro NCAP eindeutig: „Wir werden Modelle aus den Jahren 2026/2027 weder neu bewerten noch erneut testen. Die 2026 vergebenen Bewertungen sind maximal neun Jahre gültig. Wir überprüfen jährlich nur, ob das Fahrzeug weiterhin die Anforderungen des Jahres erfüllt, in dem es bewertet wurde.“ Auch ein Facelift, in der Regel eine rein optische Überarbeitung, führt nicht zu einer Neubewertung. Die 2026 an den BMW iX3 vergebene Note bleibt somit bis 2035 unverändert bestehen, unabhängig davon, dass die Schwellenwerte innerhalb dieser Zeit steigen.

Für Autofahrer bleibt die Gesamtbewertung ein verlässlicher Anhaltspunkt. Die Prüfkriterien werden jedoch von Jahr zu Jahr anspruchsvoller, bis 2028 die endgültigen Regeln greifen. Bis dahin können zwei Fahrzeuge mit derselben Sterneanzahl je nach Testjahr unterschiedliche Sicherheitsprofile aufweisen. Daher ist es sinnvoll, nicht nur auf die Sterneanzahl, sondern auch auf die Ergebnisse innerhalb der Kategorien zu achten.

Was wird in welcher Kategorie geprüft?

Safe Driving: Wie gut überwacht das Auto den Fahrer?

Diese Kategorie umfasst keine Crashtests. Es wird geprüft, ob das Fahrzeug den Fahrer und die Insassen richtig überwacht: korrekte Nutzung des Sicherheitsgurts, Erkennung eines im Fahrzeug vergessenen Kindes, Erkennung von Müdigkeit oder Ablenkung des Fahrers, Vorhandensein physischer Bedienelemente wie Tasten oder Hebel anstelle rein touchbasierter Bedienelemente für wichtige Funktionen sowie die einwandfreie Funktion von Fahrerassistenzsystemen wie Verkehrszeichenerkennung, adaptivem Tempomat und Spurhalteassistent.

Crash Avoidance: Verhindert das Fahrzeug Unfälle?

Hier wird überprüft, ob ein Fahrzeug eine Kollision verhindert. Dazu zählen die automatische Notbremsung vor einem anderen Auto, einem Motorradfahrer, einem Fußgänger oder einem Radfahrer, der Notfall-Spurhalteassistent, Systeme, die eine Kollision bei niedriger Geschwindigkeit (zum Beispiel beim Einparken und Rangieren) verhindern, sowie das Türwarnsystem zum Schutz vor „Dooring“. Es verhindert, dass eine Tür geöffnet wird, wenn von hinten ein Radfahrer naht.

Crash Protection: Was passiert im Moment des Aufpralls?

In diesem Testbereich werden Crashtests durchgeführt. Es steht der physische Schutz der Insassen bei Frontal-, Seiten- und Heckaufprall im Fokus, ebenso wie der Schutz von Fußgängern und Radfahrern an Kopf, Becken und Beinen, wenn sie vom Auto erfasst werden. Zudem wird geprüft, ob sich Kindersitze korrekt befestigen lassen.

Post Crash Safety: Was geschieht nach dem Unfall?

In dieser Kategorie wird bewertet, ob das Fahrzeug den Einsatz der Rettungskräfte erleichtert: automatischer Notruf (eCall), an die Feuerwehr übermitteltes Rettungsdatenblatt, automatische Aktivierung der Warnblinkanlage sowie die einfache Befreiung der Insassen einschließlich der automatischen Abschaltung der Hochvoltanlage bei Elektrofahrzeugen.