Mit 24 Oldtimern pro 1.000 Einwohner behauptet sich das Großherzogtum als das Land mit der größten Leidenschaft für alte Autos auf dem Kontinent. Ein Blick auf ein Phänomen, das weit mehr ist als eine Randerscheinung.
Luxemburg ist ein Autoland. Auf 1.000 Einwohner kommen laut den neuesten Eurostat-Daten 678 Fahrzeuge. Damit schafft es das Großherzogtum auf das europäische Podium, knapp hinter Italien (701 Fahrzeuge). An der Spitze steht der Nicht-EU-Mitgliedsstaat Liechtenstein mit 767. Im Durchschnitt stagniert der Wert auf dem europäischen Kontinent bei 560 Fahrzeugen. Doch jenseits dieser bekannten Fahrzeugdichte — die oft mit dem hohen Anteil an Firmenwagen und zahlreichen Grenzpendlern erklärt wird — fällt eine andere Zahl auf: Luxemburg ist Europameister bei den Oldtimern.
Über 30.000 Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind
Ende 2025 zählte Luxemburg 30.360 Fahrzeuge im Bestand, die älter als 30 Jahre sind. Davon tragen 18.468 offiziell den Status „historisches Fahrzeug“. Dieser Status, der seit 2016 gesetzlich geregelt ist, wird nicht mehr automatisch vergeben: Er erfordert, dass das Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt ist. Außerdem muss ein technisches Gutachten den Originalzustand bescheinigen.
Es handelt sich nicht ausschließlich um Autos. Unter diesen 18.468 historischen Fahrzeugen finden sich auch 5.287 Busse, Lkw, Traktoren und andere Nutzfahrzeuge, 2.708 Zwei- und Dreiräder sowie vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge, 553 Anhänger und 406 Kleintransporter. Ein rollendes Erbe von erstaunlicher Vielfalt für ein so kleines Gebiet.
Auf eine Bevölkerung von rund 660.000 Einwohnern umgerechnet, ergibt sich ein Verhältnis von 24,2 Oldtimern pro 1.000 Einwohner — eine Zahl, die Luxemburg laut den kombinierten Daten der Fédération Internationale des Véhicules Anciens (FIVA) und von Eurostat an die Spitze des Kontinents setzt.
Große Unterschiede in Europa
Im europäischen Vergleich ist dieses Ergebnis besonders aussagekräftig. Das Vereinigte Königreich, das für seine „Classic Cars“-Kultur bekannt ist, weist ein Verhältnis von 22,7 Oldtimern pro 1.000 Einwohner auf. Deutschland, das mit rund 1,2 Millionen historischen Fahrzeugen einen der größten Bestände des Kontinents hat, kommt aufgrund seiner 84 Millionen Einwohner nicht über 14,3 pro 1.000 hinaus.
Belgien und die Schweiz folgen mit vergleichbaren Werten von 12,8 bzw. 12,5 pro 1.000 Einwohner. Die Niederlande und Portugal liegen bei etwa 11, was von einer lebendigen Oldtimer-Kultur zeugt. Frankreich und Italien, die jeweils rund 400.000 historische Fahrzeuge verzeichnen, liegen bei 5,9 bzw. 6,8, bedingt durch ihre vergleichsweise höheren Bevölkerungszahlen. Am unteren Ende der Rangliste befinden sich mittel- und osteuropäische Länder, wo das Verhältnis zum Oldtimer ein anderes ist: Polen liegt bei 1,1 pro 1.000 Einwohner, Ungarn bei 3,1.
Volkswagen vor Citroën und Mercedes
Was die Marken betrifft, so halten die Daten der Société Nationale de Circulation Automobile (SNCA) einige Überraschungen bereit. Über alle historischen Fahrzeuge hinweg — Autos, Motorräder, Lkw, Traktoren — dominiert Volkswagen mit 1.095 Fahrzeugen deutlich vor Mercedes (815) und Citroën (773). Porsche folgt mit 699 Einheiten, dann BMW (645), Fiat (622), Deutz (619) und Fendt (609). Die beiden letztgenannten Marken, Spezialisten für Traktoren, erinnern daran, dass das rollende Erbe Luxemburgs auch in der Landwirtschaft wurzelt. Honda (553) und Renault (474) vervollständigen diese vielseitige Top Ten.
Beschränkt man sich nur auf Autos, rücken die Ergebnisse enger zusammen: Volkswagen bleibt an der Spitze (959), dicht gefolgt von Citroën (714), Mercedes (692), Porsche (671) und BMW (500). So teilen sich Käfer und 2CV in den Garagen den Platz mit 911ern und S-Klassen — ein Beweis dafür, dass die Leidenschaft für Oldtimer sich nicht auf bestimmte Klassen begrenzt.
De Dion-Bouton von 1895 ist der älteste Oldtimer
Unter diesen Tausenden von Oldtimern sticht ein Fahrzeug durch sein außergewöhnliches Alter hervor. Das älteste derzeit in Luxemburg zugelassene Auto ist ein De Dion-Bouton, dessen Erstzulassung auf den 17. März 1895 zurückgeht — vor genau 131 Jahren. Der französische Hersteller, 1883 gegründet, war im Jahr 1900 der größte Automobilhersteller der Welt.
Warum sticht Luxemburg hervor?
Keine offizielle Statistik erläutert, weshalb in Luxemburg die Begeisterung für Oldtimer so groß ist, doch können einige Faktoren die Gründe erklären. Die hohe Kaufkraft des Landes erleichtert den Erwerb und die Instandhaltung eines historischen Fahrzeugs. Das Auto ist tief im Alltag verankert: Luxemburg lebt seit Jahrzehnten mit und vom Auto. Die kurzen Entfernungen ermöglichen eine regelmäßige Nutzung von Oldtimern.
Weit mehr als eine Statistik
Die starke Präsenz von Oldtimern in Luxemburg ist keine bloße Zahlenspielerei. Sie zeugt von einer einzigartigen Identität: die eines Landes, in dem das Automobil über die alltägliche Mobilität hinaus ein Kulturgut ist, eine Verbindung zwischen Generationen, manchmal ein Familienerbe. Die Erhebungen der FIVA zeigen, dass überall in Europa der Besitz eines historischen Fahrzeugs stärker durch Emotionen und Fahrfreude motiviert ist als durch ein Anlageziel.