Zum Inhalt springen
Inscription

Newsletter

Einen Oldtimer zu besitzen, ist Leidenschaft. Es ist aber auch eine Verantwortung, insbesondere in Sachen Versicherung. Angesichts des mitunter hohen Fahrzeugwerts, seiner Seltenheit und seiner besonderen Nutzung reicht eine Standardversicherung nicht immer aus. AXA, Baloise und Foyer, drei bedeutende Akteure auf dem luxemburgischen Markt, bieten Kfz-Versicherungen speziell für Oldtimer an. Ein Überblick.

Oldtimer oder Youngtimer: Wovon ist die Rede?

Die erste Frage betrifft die Definition. Bei AXA ist die Unterscheidung klar: Als Youngtimer gelten Fahrzeuge, die älter als 15 Jahre sind und deren Wert 5.000 Euro übersteigt. Oldtimer sind Fahrzeuge, die vor 1980 gebaut wurden und auf mindestens 10.000 Euro geschätzt werden. Baloise setzt die Grenze bei 25 Jahren, also unterhalb der gesetzlichen Regelung. Um den offiziellen Status als historisches Fahrzeug zu erhalten, sieht das luxemburgische Gesetz ein Alter von mindestens 30 Jahren vor. Foyer nennt sein Angebot „Rétromobile“. Es steht bereits für Fahrzeuge ab einem Alter von 20 Jahren offen.

Bei allen drei Versicherern ist der behördliche Status als historisches Fahrzeug keine Voraussetzung für den Vertragsabschluss. „Wir sind flexibler als das Gesetz“, heißt es bei Baloise. Gleiches gilt bei Foyer: „Der Status als historisches Fahrzeug ist nicht notwendig. Unser Angebot gilt wirklich für Fahrzeuge, die älter als 20 Jahre alt sind“, erklären Lionel Colle, Head of Product Management, und Bastien Monserez, Kfz-Experte in der Abteilung Beschaffung und Begutachtung.

Verschiedene Deckungsarten

Bei allen drei Anbietern gilt: Die Oldtimerversicherung ist in mehrere Deckungsstufen unterteilt, ähnlich wie eine klassische Versicherung. AXA bietet drei Varianten an. Die Haftpflichtversicherung deckt Schäden ab, die Dritten zugefügt wurden. Die Mini-Kasko — sie ist besonders beliebt — ergänzt diese um den Schutz gegen Diebstahl, Brand, Glasbruch und Naturkatastrophen. Die Vollkasko schließlich bietet eine umfassende Absicherung. „Wir haben rund tausend Kunden im Bereich der Oldtimerversicherung“, sagt Johann Girost, Head of P&C Retail Underwriting and Actuarial bei AXA Luxembourg. Foyer hat nach eigenen Angaben mehrere Tausend Fahrzeuge versichert und verzeichnet rund 200 Neuabschlüsse pro Jahr. Es ist ein Nischenmarkt, aber einer, der stetig wächst.

Bei Baloise, das auf seine lange Tradition im Bereich Prestigefahrzeuge verweist, ist das Vorgehen ähnlich. Die Fahrzeugbewertung erfolgt entweder auf Basis eines mit dem Versicherer vereinbarten Gutachtens oder auf Erstrisikobasis, das heißt durch die vertragliche Festlegung eines Höchstbetrags. „Man kann jederzeit ein Gegengutachten anfordern“, präzisiert David Destappes, Head of Local Market bei Baloise.

Foyer arbeitet mit einem Wert, der gemeinsam mit dem Kunden festgelegt wird. „Unsere Tarifgestaltung basiert nicht auf einem Katalogwert aus der damaligen Zeit, der heute für diese Art von Fahrzeug wenig aussagekräftig ist“, heißt es dort. Der Kunde erhält also im Falle eines Totalschadens, Diebstahls oder Brands diesen vereinbarten Betrag, der anhand von professionellen Bewertungstabellen und Anzeigen überprüft wird. Der Versicherer bietet beim Versicherungsschutz die gleichen Wahlmöglichkeiten wie bei einem neueren Fahrzeug, von der einfachen Haftpflicht bis zur Vollkasko.

Gutachten ist entscheidend

Das Gutachten ist zweifellos der wichtigste Punkt beim Versicherungsabschluss. Bei AXA kommt ein vom Versicherer beauftragter Sachverständiger kostenlos vor Ort. Er erstellt ein vollständiges Dossier mit Fotos, technischen Daten und Angaben zum allgemeinen Zustand. So bestimmt er den genauen Wert. Dieses Dokument dient im Schadensfall als Referenz. AXA und Baloise empfehlen, es alle fünf Jahre zu aktualisieren, da sich der Markt für Oldtimer erheblich verändern kann.

Bei Foyer läuft der Prozess etwas anders ab. Der Kunde kann sein Fahrzeug am Firmensitz vorzeigen, mit oder ohne vorheriges Gutachten. Vor Ort bewertet ein Team aus oldtimerbegeisterten Experten das Fahrzeug nach seinem Zustand und klassifiziert es in eine von vier Stufen. Auch die Classic-Data-Tabellen und professionelle Anzeigen werden einbezogen. „Es kommt nicht selten vor, dass unsere Sachverständigen halb unter einem Auto liegen oder den Kopf in den Motor stecken“, heißt es dazu. Besitzt der Kunde mehrere Fahrzeuge, kommt ein Experte der Versicherung direkt zu ihm. Foyer empfiehlt eine Neubewertung alle zwei Jahre, um eventuelle Restaurierungen und die Marktentwicklung berücksichtigen zu können.

Nutzung, Kilometer und Unterbringung

Eine gute Nachricht für Liebhaber: Es gibt kaum Beschränkungen. Die drei Versicherer begrenzen die jährliche Kilometerleistung auf 7.000 Kilometer, eine Schwelle, die in der Praxis selten erreicht wird. Auf diese Weise wollen die Versicherer dafür sorgen, dass sich die Prämie an der Nutzung orientiert. Baloise bietet zusätzlich einen entsprechend angepassten Tarif mit 15.000 Kilometern pro Jahr an.

In der Regel ist nicht vorgeschrieben, dass der Oldtimer in einer geschlossenen Garage abgestellt wird. Baloise gewährt in diesem Fall aber einen Preisnachlass. Foyer verzichtet auf Vorgaben. Das Unternehmen geht davon aus, dass Kunden in der Regel alles Notwendige unternehmen, um ihren Wagen zu schützen. Bei Fahrzeugen mit einem sehr hohem Wert von beispielsweise 100.000 oder 200.000 Euro können zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen empfohlen werden. „Die Besitzer sorgen für Sicherheit“, fasst ein Experte zusammen und erzählt, dass er manchmal in Privatgaragen steht, die Showrooms gleichen.

Eine kleine Bedingung stellen die Versicherer jedoch häufig: Das versicherte Fahrzeug darf nicht das einzige Auto des Kunden sein. Das dient der Risikostreuung.

Rallyes und Wettbewerbe: nur bedingt versicherbar

Die Frage nach dem Versicherungsschutz bei Automobilveranstaltungen kommt regelmäßig auf. Bei allen drei Versicherern gilt: Ausfahrten und Treffen sind abgedeckt, aber Wettbewerbe mit Zeitmessung nicht. „Alles, was mit Zeitmessung verbunden ist, ist ausgeschlossen“, bestätigen Lionel Colle und Bastien Monserez von Foyer. „Mal eine Runde auf dem Nürburgring drehen? Das ist vielleicht keine gute Idee“, ergänzt Johann Girost von AXA.

Baloise geht etwas weiter und präzisiert, dass eine Ausfahrt auf einer Rennstrecke — wie ein Tag in Spa-Francorchamps — haftpflichtversichert sein kann, gegebenenfalls auch gegen Aufpreis mit Sachschadenabdeckung, sofern es sich nicht um einen Wettkampf handelt. Foyer ist in diesem Punkt vorsichtiger: Nach einigen schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit schließt der Versicherer diese Art von Risiko aus und verweist auf die spezifischen Versicherungen, die direkt von den Rennstrecken angeboten werden.

Im Schadensfall zählt Klarheit

Die drei Versicherer betonen, dass die Schadensregulierung sehr einfach sei. Im Falle eines Totalschadens ist der festgelegte Wert maßgebend, abzüglich des Restwerts. „Wenn wir vor einem Jahr festgelegt haben, dass das Auto 100.000 Euro wert ist, erhält der Kunde diesen Betrag“, heißt es unisono. Daher ist es wichtig, das Gutachten aktuell zu halten.

Für Reparaturen verfügt Baloise über ein internes Expertenteam, das sich insbesondere in Belgien weiterbildet, einem Land mit ausgeprägter Oldtimerkultur. Foyer arbeitet mit einem spezialisierten Partner für die Pannenhilfe zusammen, der auch diese Fälle übernehmen kann. Gleiches gilt bei AXA.

Besonderer Fall: Sammler

Bei mehreren Fahrzeugen passen die drei Unternehmen ihre Konditionen an. „Jemand, der eine Sammlung von zehn Fahrzeugen besitzt, versichert sich anders als jemand, der nur eines besitzt“, betont David Destappes von Baloise.

Bei AXA werden die Prämien nicht automatisch addiert, weil es unmöglich ist, gleichzeitig mehrere Autos zu fahren. Foyer gewährt einen gestaffelten Rabatt ab zwei Fahrzeugen. Für sehr große Sammlungen kann ein individueller Tarif mit spezifischen Bedingungen wie der „exklusiven Nutzung“ ausgehandelt werden. „Es gibt Grenzen“, betonen die beiden Experten von Foyer.

Das kostet die Oldtimerversicherung

Um eine konkrete Vorstellung zu haben, was eine Oldtimerversicherung kostet, haben wir ein Angebot* für einen MGB Cabriolet aus dem Jahr 1975 mit einem geschätzten Wert von 17.000 Euro angefordert. Bei AXA würde die Versicherung dieses Modells etwa 30 Euro monatlich in der Mini-Kasko kosten. Die reine Haftpflichtversicherung liegt bei rund 20 Euro monatlich, die Vollkasko zwischen 70 und 80 Euro.

Foyer hat dieselbe Berechnung durchgeführt. Das Ergebnis: etwa 70 bis 75 Euro pro Monat für eine umfassende Absicherung — Haftpflicht, Sachschäden, Diebstahl, Brand, Glasbruch, Pannenhilfe, Ersatzfahrzeug und Rechtsschutz. Entscheidet man sich für ein weniger umfangreiches Paket — ohne die Sachschadenabdeckung — sinkt der Betrag auf unter 440 Euro jährlich, also etwa 35 Euro pro Monat.

Bei Baloise variieren die Tarife je nach Fahrerprofil, angegebener Kilometerleistung und dem durch das Gutachten ermittelten Wert. „Wenn Sie mehrere haben, ist es sogar günstiger“, sagt David Destappes. Er beziffert die Kosten für die Vollkasko auf rund 35 Euro und für eine einfachere Tarifvariante auf 12 Euro monatlich.

Für alle drei Anbieter gilt: Die Versicherung eines Oldtimers ist erschwinglich und reicht von wenigen Dutzend Euro pro Monat bis zu einigen Hundert für besonders exklusive Fahrzeuge.

Die Unternehmen sind sich einer Sache bewusst: Oldtimer besitzen einen starken emotionalen Wert. Zugleich handelt es sich um einen völlig anderen Markt als bei „modernen“ Autos. Daher betonen die drei Versicherer: Ein aktuelles Gutachten und ein Vertrag, der den passenden Schutz bietet, machen im Schadensfall den entscheidenden Unterschied.

Abschließend haben Baloise und Foyer angekündigt, über die Weiterentwicklung ihrer Angebote für Oldtimer nachzudenken.

____
* Die Preise dienen lediglich der Orientierung und hauptsächlich als Beispiel in diesem Artikel.