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Interview mit Lucien Franck, Präsident des Komitees für historische Fahrzeuge beim Automobil-Club Luxemburg

Für einen Leser, der mit dem Thema nicht vertraut ist: Wie definieren Sie ein historisches Fahrzeug?

Lucien Franck

Zunächst gibt es den gesetzlichen Rahmen: Das Gesetz sieht vor, dass ein Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt und im Originalzustand sein muss. Dann unterscheidet man zwischen Vorkriegs- und Nachkriegsfahrzeugen. Aber innerhalb der großen Familie der historischen Fahrzeuge muss man noch weiter differenzieren. Da gibt es das historische Auto als Kulturgut und in Serie produziert, das seltene Auto – in limitierter Anzahl hergestellt –, das eher in den Bereich der Sammlerfahrzeuge fällt, und schließlich die Fahrzeuge, die durch große Rennsiege Geschichte geschrieben haben, etwa bei den 24 Stunden von Le Mans oder der Mille Miglia. Auch die Sammler selbst sind sehr unterschiedlich: Manche kommen aus dem Motorsport, andere sind reine Liebhaber. Und heute sehen wir auch junge Menschen, die aus Freude am Hobby in diese Welt einsteigen – mit einem Budget zwischen 10.000 und 20.000 Euro, mit dem sich je nach Zustand bereits ein schöner Oldtimer finden lässt.

Luxemburg soll eines der Länder mit den meisten Oldtimern pro Einwohner sein. Überrascht Sie das?

Lucien Franck

Nicht wirklich. Die Luxemburger begeistern sich für Autos, das ist Fakt. Ich war lange Mitglied der Internationalen Kommission der FIA für historische Sport- und Straßenfahrzeuge und konnte die Situation in ganz Europa beobachten. In Luxemburg wird die Zahl der zugelassenen Oldtimer auf 15.000 bis 16.000 geschätzt. Angeblich stehen ebenso viele noch in Garagen, werden restauriert oder warten auf ihre Zulassung. Im europäischen Vergleich ist die Qualität der historischen Fahrzeuge in luxemburgischem Eigentum sehr hoch. Wer hier einen Oldtimer besitzt, pflegt ihn wirklich sehr gut. Es ist eine Frage der Leidenschaft.

Gibt es Trends auf dem luxemburgischen Markt? Dominieren bestimmte Automarken je nach Herkunftsland?

Lucien Franck

Ich persönlich bin ja Fan italienischer Wagen. Und tatsächlich gibt es viele italienische Autos in Luxemburg. Auch die englischen Marken haben hier eine lange Tradition. Wenn ich mich recht erinnere, war der allererste Oldtimer-Club des Landes englischen Fahrzeugen gewidmet. Ich würde sagen, dass diese beiden Herkunftsländer gegenüber anderen dominieren. Und das Interessante ist, dass man in beiden Kategorien schöne Exemplare zu vernünftigen Preisen findet: einen Triumph Spitfire zwischen 8.000 und 15.000 Euro, einen Fiat 500 oder einen Fiat 850 Spider für etwa 10.000 bis 15.000 Euro.

Apropos: Ist der Unterhalt eines Oldtimers wirklich finanziell machbar?

Lucien Franck

Das hängt vom Fahrzeug ab. Junge Menschen, die starten, sind oft sehr gut informiert: Sie entscheiden sich für kleine Autos wie den Fiat 500 oder den 2CV, die im Unterhalt moderat sind. Sie wissen, dass bei einem großen Wagen die Rechnung schnell in die Höhe schießen kann, sobald ein Problem auftritt.

Werden die heutigen Autos mit ihrem sehr einheitlichen Design eines Tages zu ikonischen Oldtimern?

Lucien Franck

Ich persönlich glaube das nicht. Bei den Autos, die heute Oldtimer sind, genügte es, das Emblem zu entfernen, und trotzdem war sofort ersichtlich, um welche Marke es sich handelte. Heute können Sie das Auto nicht mehr zuordnen, wenn Sie das Logo entfernen. Auch teilen sich mehrere Marken die Technik. Übrigens wird bei der FIA ernsthaft darüber nachgedacht, ein Stichdatum festzulegen – also zu bestimmen, dass Fahrzeuge ab einem bestimmten Baujahr nicht mehr als historisch im traditionellen Sinne gelten können. Die 30-Jahres-Regel wird sich wohl weiterentwickeln müssen.

Und zum Schluss: Welcher wäre Ihr Traumwagen, wenn Sie nur einen Oldtimer wählen könnten?

Lucien Franck

Ah, das ist die schwierigste Frage überhaupt! Für mich sind die schönsten Autos, die je gebaut wurden, die von Ende der 50er bis in die 70er Jahre – sowohl vom Design als auch von der Technik her. Und ich bleibe den Italienern treu. Ich selbst besitze einen Fiat Abarth 600, ein Auto, das viele Rennen gewonnen hat, was mir gefällt, da ich selbst Motorsport betrieben habe. Ich habe auch einen Fiat Balilla von 1935, einen Vorkriegswagen. Aber wenn ich die Mittel für einen weiteren hätte, wäre es ein Ferrari 250 oder warum nicht ein Ferrari Dino? Für mich sind das die schönsten Designs, die je geschaffen wurden. Wenn man bei diesen Wagen die Motorhaube öffnet und einen perfekten Acht- oder Zwölfzylinder entdeckt, ist das einfach fabelhaft.