Im Oktober feiert der Corsa GSE auf dem Pariser Autosalon seine Weltpremiere. Er ist der stärkste Corsa der Baureihengeschichte: 281 PS, 5,5 Sekunden von null auf 100 km/h und erstmals ein Elektromotor.
Als „Hot Hatch“ bezeichnen Fachleute einen Kleinwagen, der die Fahrleistungen eines Sportwagens erreicht. Dazu gehören ein eigens abgestimmtes Fahrwerk und eine stärkere Bremsanlage. Der VW Golf GTI begründete die Gattung in den siebziger Jahren. In den 2010er-Jahren verschwand sie fast vollständig, weil die Abgasnormen strenger wurden und die Kundschaft zum SUV wechselte. Opel wagt nun den Neuanfang.
Sportlich seit 1988
Einen schnellen Kleinwagen baut Opel nicht zum ersten Mal. Den Corsa verkaufen die Rüsselsheimer seit 1982, gebaut wird er von Anfang an in Saragossa in Spanien. Inzwischen läuft die sechste Generation, und in Deutschland und Großbritannien führt sie ihr Segment an. „Für unseren GSE gab es keine bessere Grundlage“, sagte Helen Walter, Produktmanagerin der Baureihe, bei der Vorstellung auf dem Kurs von Pachfurth in Österreich. Die sportliche Linie beginnt 1988 mit dem GSi, kurz für Grand Sport injection: 820 Kilogramm, 100 PS, 188 km/h. Die Fachpresse verglich den Wagen damals mit einem Motorrad. Es folgten der GSi 16V von 1993 mit 109 PS und der Corsa C GSi von 2001, der als erster Serien-Corsa die 200 km/h überschritt. Ab 2007 trugen die Topmodelle das Kürzel OPC für Opel Performance Center: zunächst 192 PS, dann 210 PS und 230 km/h in der Nürburgring Edition von 2010, schließlich 207 PS im Corsa E OPC von 2015. Danach herrschte zehn Jahre Ruhe. 2025 besann sich Opel auf seine sportlichen Wurzeln und verband ausgerechnet SUV und Fahrleistung: Der Mokka GSE eröffnete die Familie Grand Sport Electric. Der Corsa folgt als zweites Modell und als erster Kompaktwagen mit Heckklappe, also als elektrisierender Hot Hatch.
Technik vom Mokka GSE, leichter verpackt
Der Corsa GSE übernimmt den Antriebsstrang des SUV. Motor, Wechselrichter, Batterie und Hochvoltleitungen stammen unverändert vom Mokka GSE Rally aus dem Motorsport. 207 kW, also 281 PS, und 345 Nm wirken allein auf die Vorderachse. Weil der Corsa leichter ausfällt als der Mokka, beschleunigt er in 5,5 statt 5,9 Sekunden auf 100 km/h. Das entspricht 181 PS pro Tonne. Schneller war kein Opel-Serienmodell, auch die Nürburgring Edition mit ihren 6,8 Sekunden nicht. Bei 180 km/h riegelt die Elektronik dagegen ab, die OPC-Modelle liefen noch 230 km/h. Diese Grenze setzten die Entwickler bewusst, mechanisch nötig ist sie nicht. Die drei Fahrmodi teilen die Leistung wirklich auf: 190 PS in Eco, 231 PS in Normal, 281 PS in Sport.
Entscheidend ist ein anderes Bauteil. Der GSE fährt mit einem Torsen-Sperrdifferenzial mit Lamellen, das es im Corsa noch nie gab. Ohne es ließe sich dieses Drehmoment vorn nicht umsetzen. Dazu senkten die Ingenieure die Karosserie um 25 Millimeter ab, verbreiterten die Spur vorn um 54 und hinten um 20 Millimeter und verbauten eigene Stabilisatoren sowie hydraulische Anschlagdämpfer. Eine Alcon-Bremsanlage mit Vierkolbensätteln und Michelin-Pilot-Sport-4S-Reifen vervollständigen das Paket.
Fahrwerk überzeugt
Die Arbeit am Fahrwerk zahlte sich aus: Beim Herausbeschleunigen aus der Kurve und beim Bremsen verhielt sich der GSE völlig anders als der Rest der Baureihe. Unter starkem Zug forderte die Vorderachse etwas Aufmerksamkeit. Trotzdem blieb der Wagen deutlich stabiler und handlicher als seine sportlichen Vorfahren.
Das Interieur bekennt sich zu den achtziger Jahren. Der Sitzbezug trägt ein Karomuster in Schwarz, Grau und Gelb, wie es der Corsa A GSi hatte. „Wir wollten die Geschichte wirklich ins Auto holen“, erklärt Helen Walter. Als ihr liebstes Detail nennt sie die leuchtend gelben Gurte: „Sie schnallen sich an und merken sofort: Das ist ein besonderes Auto.“ Neu ist der Corsa allerdings nicht. Armaturenbrett, der 10 Zoll große Bildschirm und die Bedienung stammen aus dem Jahr 2019. Über den aktiven Sportklang aus Rüsselsheim werden die Meinungen auseinandergehen, denn er entsteht rein künstlich. Abschalten lässt er sich.
Nachgeladen in 27 Minuten
Die 54 kWh große Batterie, davon 51 nutzbar, kennt man aus dem Corsa Long Range. Der Normverbrauch steigt allerdings auf 16,0 bis 17,0 kWh/100 km. Damit sinkt die WLTP-Reichweite auf 374 Kilometer mit den aufpreisfreien Hankook-ECO-Reifen und auf 354 Kilometer mit den Michelin. Mehr als 300 Kilometer würden bei sportlicher Fahrweise kaum gelingen. An der dreiphasigen Wallbox mit 11 kW dauert das Laden drei Stunden und zehn Minuten, an der Haushaltssteckdose mehr als 20 Stunden. Am Schnelllader vergehen 27 Minuten bis 80 Prozent, mehr als 100 kW nimmt der Corsa nicht an. Serienmäßig versorgt er über die V2L-Funktion auch externe Geräte mit Strom.
Antriebe bleiben frei wählbar
Innerhalb der Baureihe bleibt der GSE ein Sonderfall, denn Opel bietet den Corsa weiterhin mit mehreren Antrieben an: den 1.2-Turbo-Benziner mit 100 PS ab 22.046 Euro, Hybride mit 110 und 145 PS sowie Elektroversionen mit 136 und 156 PS ab 32.770 Euro, letztere mit 429 Kilometern Reichweite. Mit 45.437 Euro inklusive Mehrwertsteuer kostet der GSE mehr als das Doppelte des Einstiegsbenziners. Dafür fährt er vollständig ausgestattet vor: Navigation, 180-Grad-Rückfahrkamera, adaptiver Abstandsregler, Sitz- und Lenkradheizung.
PACHFURTH, DIE TESTSTRECKE DES MOKKA GSE RALLY
Opel lud die internationale Presse ins Driving-Camp Pachfurth in Niederösterreich, wo die Journalisten den Corsa GSE erstmals fahren durften. Der Ort passt: Auf dieser Teststrecke entwickelten die Motorsportingenieure der Marke den Mokka GSE Rally, und das Serienmodell übernimmt große Teile seiner Hochvoltkomponenten samt Motor und Batterie. Ein Sprecher von Opel betonte zur Eröffnung ein zweites Argument: Die Region deckt ihren Strombedarf fast vollständig aus erneuerbaren Quellen, und von der Strecke aus sieht man die Windräder. Damit wollte der Hersteller zeigen, dass elektrische Fahrleistung und saubere Stromerzeugung zusammenpassen. Vor Ort standen außerdem der Mokka GSE Rally, der in dieser Saison im ADAC Rally Cup startet, und ein Formel-E-Rennwagen. In diese Serie steigt die Marke in der kommenden Saison mit dem neuseeländischen Fahrer Mitch Evans ein.
TECHNISCHE DATEN:
Corsa GSE Electric 54kWh
Points forts
- Beschleunigung und Traktion
- Sperrdifferenzial und Bremsanlage
- gelbe Sicherheitsgurte
Points faibles
- abgeregelte Höchstgeschwindigkeit
- in die Jahre gekommenes Cockpit
- kleiner Kofferraum mit 267 Litern