Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Motorradfahren ist hierzulande beliebt, vor allem in der Freizeit. Der Fahrzeugbestand ist insgesamt hochwertig und hat bereits ein gewisses Alter. E-Motorräder bleiben eine seltene Ausnahme.
Zum 1. Januar 2025 waren in Luxemburg 29.021 Motorräder, darunter auch Roller, zugelassen. Diese Zahl stammt von der Société nationale de circulation automobile (SNCA). Das entspricht einem Plus von 34 Prozent gegenüber 2018, als es noch 21.674 Fahrzeuge waren. Das Wachstum verlief gleichmäßig: Je nach Jahr kamen zwischen 500 und 1.300 Fahrzeuge hinzu. Seit 2023 verlangsamt sich diese Entwicklung leicht.
Rund 43 Motorräder entfallen auf 1.000 Einwohner. Damit positioniert sich das Großherzogtum im Mittelfeld der nord- und westeuropäischen Länder. Auf europäischer Ebene stechen Italien und Griechenland deutlich hervor. Das Zweirad dient hier im Alltag stärker zur alltäglichen Mobilität. Griechenland liegt mit 100 Motorrädern pro 1.000 Einwohner an der Spitze. In Deutschland und Österreich, wo das Motorrad ähnlich wie in Luxemburg viel in der Freizeit genutzt wird, kommen rund 46 Einheiten auf 1.000 Einwohner. In Luxemburg ist das Motorrad ähnlich verbreitet wie in den Nachbarländern.
Laut SNCA liegt das Durchschnittsalter bei 12,64 Jahren. Damit ist der Bestand vom Alter her auf einem ähnlichen Niveau wie in anderen europäischen Ländern, in denen das Motorrad ebenfalls in erster Linie in der Freizeit genutzt und von seinen Besitzern langfristig behalten wird.
Die durchschnittliche Motorleistung beträgt 51 kW, was rund 68 PS entspricht. Dies weist darauf hin, dass mittlere und höhere Hubraumklassen dominieren. Das ist nicht untypisch für ein Land mit höheren Einkommen. Hier wird das Motorrad eher aus Freude denn aus Notwendigkeit angeschafft.
Der Übergang zur Elektromobilität verläuft schleppend. Von den 29.021 zugelassenen Motorrädern fahren 28.789 mit Benzin oder Diesel, 3 sind Hybrid- und 229 reine Elektrofahrzeuge – das entspricht weniger als 0,8 Prozent des Gesamtbestands. Außerhalb Luxemburgs ist das nicht anders: Auf europäischer Ebene sind die Verkaufszahlen von Elektro-Zweirädern im Jahr 2024 zurückgegangen. Bei den Modellen, die 125 ccm oder mehr entsprechen, lag der Rückgang bei 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Staatliche Fördermittel gingen tendenziell zurück. Einschränkungen bei der Reichweite und die vergleichsweise hohen Preise der Elektromodelle erweisen sich als Hemmnisse.
Die Frage, ob Luxemburg „ein Motorradland“ ist, verdient eine differenzierte Antwort. Der Bestand wächst seit mindestens sieben Jahren kontinuierlich. Eine Entwicklung, die sich auch in Europa zeigt. Innerhalb von fünf Jahren verzeichnete der europäische Motorradmarkt ein Wachstum von rund 22 Prozent. Die Verkaufszahlen von motorisierten Zweirädern – die 50-ccm-Klasse ausgenommen – stiegen zwischen 2019 und 2024 in den fünf größten Märkten von 500.252 auf über 610.000 Einheiten. Mit rund 43 Motorrädern pro 1.000 Einwohner liegt Luxemburg oberhalb von Frankreich, aber unterhalb von Ländern, die auf eine lange Tradition im Motorradfahren zurückblicken. Die durchschnittliche Motorleistung und der Fakt, dass die Maschinen ein gewisses Alter besitzen, deuten darauf hin, dass das Motorrad hierzulande gerne in der Freizeit und weniger zu nützlichen Zwecken im Alltag gefahren wird. Das passt zu den sozioökonomischen Verhältnissen im Großherzogtum. Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Elektrifizierung in diesem Bereich beschleunigen wird. So wird das Verbrenner-Motorrad wohl auch in den kommenden Jahren stark präsent sein.
Das älteste Motorrad ist 106 Jahre alt
Laut den SNCA-Daten stammt das älteste in Luxemburg zugelassene Motorrad aus dem Jahr 1919. Es handelt sich um eine F.N. (Fabrique Nationale de Herstal, Belgien). F.N. ist weltweit vor allem für seine Waffenproduktion bekannt, besitzt jedoch auch eine reiche Geschichte im Zweiradbereich. Ab 1901 verkaufte die Marke ihr erstes Einzylinder-Motorrad. 1905 lancierte sie das weltweit erste Motorrad mit Vierzylinderreihenmotor – eine technische Meisterleistung für die damalige Zeit. Das Unternehmen erzielte bis in die 1960er Jahre bedeutende kommerzielle Erfolge in Europa und im Export, bevor die Motorradproduktion schrittweise zugunsten der Rüstungssparte aufgegeben wurde.
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