Der ADAC hat in Zusammenarbeit mit dem ACL und dem dänischen FDM die Stromverluste beim AC-Laden von fünf aktuellen E-Autos untersucht. Sie testeten das Laden an einer Haushaltssteckdose mit 2,3 kW, an einer Wallbox mit einer reduzierten Leistung von 4,1 kW und an einer Wallbox mit einer maximalen Leistung von 11 oder 22 kW.
Langsam laden, um die Batterie zu schonen oder den Überschuss der eigenen Photovoltaikanlage zu nutzen: Für viele Autofahrer scheint das eine Selbstverständlichkeit zu sein. Eine aktuelle Studie des ADAC, durchgeführt mit dem ACL und dem dänischen Automobilclub FDM, zeigt jedoch, dass langsames Laden nicht immer mit Energieeffizienz gleichzusetzen ist.
Gemessen wurden die Stromverluste beim Laden von fünf aktuellen Elektroautos: Mercedes CLA 350 EQ, Volkswagen ID.7 Tourer, Volvo EX30, Renault R5 E-Tech und Tesla Model Y. Das Ergebnis ist eindeutig: Je höher die Ladeleistung, desto geringer die Verluste.
Besonders deutlich fallen die Energieverluste beim Laden über eine einfache Haushaltssteckdose aus. Je nach Modell verschwinden zwischen 12,7 und 24,2 Prozent der Energie, die am Zähler gemessen wurde, bevor sie die Batterie erreicht. Der Mercedes CLA 350 EQ kommt auf Verluste von über 24 Prozent, das Tesla Model Y auf 12,7 Prozent. Dieser Unterschied erklärt sich teilweise durch eine technische Einschränkung: An der Haushaltssteckdose kann der Mercedes CLA 350 EQ nur mit 8 A laden. Bei den anderen getesteten Modellen sind es 10 A. Das verlängert die Ladedauer und erhöht die Ladeverluste.
Tabelle 1 – Verluste nach Lademodus
| Szenario | Leistung | Beobachtete Verluste |
| Haushaltssteckdose | 2,3 kW | 12,7 bis 24,2 % |
| Wallbox reduziert (PV) | 4,1 kW | 8,0 bis 12,8 % |
| Wallbox maximal | 11 bis 22 kW | 5,1 bis 7,0 % |
Tabelle 2 – Ergebnisse nach Fahrzeug
| Fahrzeug | 2,3 kW | 4,1 kW | 11/22 kW |
| Mercedes CLA 350 EQ | 24,2 % | 12,8 % | 6,9 % |
| VW ID.7 Tourer | 15,3 % | 10,6 % | 6,9 % |
| Volvo EX30 | 14,2 % | 9,1 % | 7,0 % (6,7 % bei 22 kW) |
| Renault R5 E‑Tech | 13,7 % | 8,0 % | 5,1 % |
| Tesla Model Y | 12,7 % | 9,4 % | 6,1 % |
Doch wieso kommt es überhaupt zu Ladeverlusten? Bestimmte Fahrzeugkomponenten verbrauchen während des Ladevorgangs Strom. Je länger dieser dauert, desto stärker schlagen diese fixen Verbräuche zu Buche. Zudem arbeiten die elektronischen Systeme zur Stromumwandlung effizienter, wenn sie mit höherer Leistung laufen.
Besitzer einer Photovoltaikanlage können jedoch beruhigt sein. Im Testszenario, bei dem eine Ladung mit Solarstromüberschuss über eine auf rund 4 kW begrenzte Wallbox simuliert wird, liegen die Verluste zwischen 8 und 12,8 Prozent. Der ADAC hält diesen Wert für akzeptabel, da der verwendete Strom oft direkt im eigenen Haushalt erzeugt wird.
Bei maximaler Ladeleistung werden die besten Ergebnisse erzielt. Lädt man das Fahrzeug bei 11 kW oder 22 kW, liegt der Ladeverlust zwischen 5,1 und 7 Prozent. Der Renault R5 E-Tech sticht mit nur 5,1 Prozent Ladeverlust bei 11 kW hervor.
Die Studie räumt außerdem mit einem verbreiteten Irrglauben auf: Ein eingebautes 22-kW-Ladegerät sorgt nicht automatisch für einen großen Effizienzgewinn. Beim Volvo EX30, das einzige Fahrzeug mit dieser Konfiguration im Test, fallen die Verluste im Vergleich zu einem Ladevorgang mit 11 kW nur geringfügig niedriger aus.
Die Ergebnisse decken sich mit unabhängigen Messungen des Programms Green NCAP, das über alle bislang getesteten Elektrofahrzeuge hinweg durchschnittliche Ladeverluste von 7,1 Prozent ermittelt hat. In der ADAC-Studie waren es im Durchschnitt 6,4 Prozent, also eine geringe Abweichung.
Für Autofahrer lautet die Empfehlung: Die Haushaltssteckdose sollte eine Behelfs- oder Notfalllösung bleiben. Für den regelmäßigen Gebrauch ist die Wallbox nicht nur sicherer, sondern auch deutlich effizienter. Besitzer von PV-Anlagen sollten sich nicht davor scheuen, mit überschüssigem Strom zu laden, auch wenn dabei etwas mehr Verluste entstehen.