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In Andalusien stellte Leapmotor kürzlich den B03X, seinen SUV aus dem B-Segment, für Testfahrten bereit. Ein Anlass für Francesco Giacalone, globaler Leiter für Produkt, Marketing und Kommunikation bei Leapmotor International, vor der europäischen Presse über die enormen Wachstumszahlen und die Strategie der chinesischen Marke zu sprechen. Dabei stellte er sich auch der Kritik der Testfahrer.

Eine Modellpalette, die vom Kleinwagen im A-Segment bis zum großen SUV reicht, fünf Weltmodelle in zwei Jahren und alle drei Monate eine Premiere: Leapmotor hält den im Mai 2024 angekündigten Takt. Zu diesem Zeitpunkt gründeten Stellantis und der chinesische Hersteller ihr Joint Venture für den Vertrieb außerhalb Chinas. Der B03X, der nun in Andalusien präsentiert wurde, kommt als jüngstes Mitglied hinzu. Er greift die Mitbewerber im B-Segment an, das 20 Prozent des europäischen Marktes ausmacht.

Von 1.037 auf eine Million Autos

Die Zahlen, die Francesco Giacalone präsentierte, zeigen das Tempo auf. 2019 lieferte Leapmotor 1.037 Autos aus, 2020 waren es 8.050, 2021 dann 43.748, 2022 schon 111.168, 2023 folgten 144.155, 2024 waren es 293.724 und 2025 schließlich 596.555. In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 verzeichnete der Autobauer 560.883 Verkäufe, ein Jahr zuvor waren es 329.027. Das entspricht einem Wachstum von 70 Prozent. Im Juli verkaufte die Marke 101.267 Autos, im August 103.129. Insgesamt hat Leapmotor damit mehr als 1,75 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Die für 2026 angepeilte Million, die der Präsident der Gruppe angekündigt hatte, werde man erreichen.

Das Auslandsgeschäft trägt inzwischen rund 17 Prozent zu diesen Mengen bei. Leapmotor ist auf fünf Kontinenten, in mehr als 50 Märkten und an über 1.100 Verkaufs- und Servicestandorten außerhalb Chinas vertreten. Mit dem Tempo dieser Expansion kommt man kaum mit, selbst der Manager hat seine Schwierigkeiten. Vor 18 Monaten war die Marke gerade einmal in neun oder zehn europäischen Ländern präsent.

Leapmotor setzt auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Frage nach der Positionierung der Marke kommt in jeder Gesprächsrunde auf. Die Antwort von Giacalone ist stets dieselbe. Die Ursprungsidee sei gewesen, einem breiten Publikum den Zugang zu bester chinesischer Elektrotechnologie zu ermöglichen und das zu einem Preis, den jene bereit sind zu zahlen, die für den Wechsel zum Elektroauto kein Vermögen ausgeben möchten. Während viele andere chinesische Hersteller mit Hightech werben, setze Leapmotor auf leichten Zugang, einfach zu nutzende Technologie und außerhalb Chinas dank des Stellantis-Netzwerks auf unkomplizierte Wartung.

Eine Low-Cost-Marke entferne Technologie aus dem Auto, um einen bestimmten Preis zu erreichen, argumentierte er. Bei Leapmotor hingegen sei die Ausstattung schon im Einstiegsbereich umfassend. Stattdessen senke man die Margen und vereinfache Prozesse. „Wir wollen nicht die günstigste Marke sein, sondern die mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis“, fasste es der Manager zusammen.

Fünf Weltmodelle im Überblick

Fünf Weltmodelle bilden derzeit das Angebot. Der T03 ist der Kleinwagen im A-Segment, der C10 der SUV im D-Segment. Er ist elektrisch und als Hybrid mit Range Extender verfügbar. Der B10, ein SUV im C-Segment, wird als erstes Auto präsentiert, das ein chinesisches Team mithilfe der Entwicklung von Stellantis konstruiert und in Serie gebracht hat. Auch er ist in beiden Antriebsarten erhältlich. Beim B05 handelt es sich um einen fünftürigen Kompaktwagen, der B03X besetzt als jüngstes Modell das B-Segment. Außerhalb Europas kommen der C16 hinzu, der in Brasilien und im Nahen Osten verkauft wird, sowie der D19, ein großer SUV für China und den Nahen Osten. Ob er nach Europa kommt, hängt von den Stückzahlen ab. Die Schweiz hat bereits Interesse angemeldet.

Produktionsstart in Saragossa

Im Oktober beginnt die europäische Produktion in Figueruelas bei Saragossa, zunächst mit dem B10 für Links- und Rechtslenkermärkte. Derzeit arbeitet die Marke an der Qualitätssicherung und fährt die Taktzahl hoch. Die B-Plattform nun im spanischen Werk anzusiedeln, öffnet die Türen für weitere Modelle. Als zweites Werk könnte jenes von Stellantis in Madrid hinzukommen, sofern die finanziellen Bedingungen stimmen.

Die Entscheidung dürfte vor allem wirtschaftlich motiviert sein. Wenn mehr als 40 Prozent der Wertschöpfung einzelner Modelle in Europa stattfindet, werden Maluszahlungen vermieden und in einigen Märkten Bonuszahlungen möglich. Als Importeur zahlt die Marke 30,7 Prozent Zoll. Die Kosten für den Seetransport aus China sind von rund 100 auf 150 Dollar pro Kubikmeter gestiegen. Zudem hat sich Leapmotor ein erstklassiges Netzwerk an Lieferanten aufgebaut, die nach chinesischen Spezifikationen arbeiten können. Die Produktion ist in Europa teurer als in China, doch „wir würden die Produktion hier nicht starten, wenn wir einen Verlust erwarten würden“. Diese Regionalisierung wird auch in Malaysia, wo die Produktion angelaufen ist, und in Brasilien, wo dies in Planung ist, verfolgt.

B05 - C10 - T03

Großes Platzangebot im B03X

Das neueste Modell, der B03X, ist der erste Leapmotor mit Frontantrieb. Dadurch bietet der hintere Bereich viel Platz. Der Kofferraum fasst 510 Liter, ein Spitzenwert in dieser Klasse. Bei umgeklappten Sitzen sind es 1.605 Liter. Im Fond stehen 947 Millimeter Beinfreiheit zur Verfügung. Mit zehn Metern Wendekreis lässt sich das Auto in der Stadt gut manövrieren.

Die homologierte Reichweite liegt bei 382 Kilometern im gemischten Zyklus bei einem Verbrauch von 15,7 kWh/100 km. Bei der Testfahrt in Andalusien lag der Verbrauch des Wagens zwischen 12 und 14 kWh. Diese Differenz begründete der Manager damit, dass die Marke in den Homologationszyklen systematisch vorsichtig vorgehe. Gerne würde er mehr solcher Autos mit dieser Serienausstattung und zu diesem Preis auf dem Markt sehen, sagte er.

Batteriegröße, Lenkung und Traktion in der Kritik

Giacalone ging auf Kritikpunkte, die nach den Testfahrten zur Sprache kamen, einzeln ein. Über die knapp bemessene Batterie – einige Wettbewerber bieten mehr als 400 Kilometer Reichweite – habe man intern diskutiert. Drei oder vier Kilowattstunden mehr bei rund 80 Dollar je Kilowattstunde hätten den B03X auf das Preisniveau des B05 gehoben. Die Marke habe es daher vorgezogen, bei der Positionierung des Modells zu bleiben. Die sehr flache Ladekurve erlaubt es nach seinen Worten, in kürzerer Zeit mehr Energie nachzuladen als bei manchen Konkurrenten. Ein bewusster Kompromiss, ebenso wie der Verzicht auf Zusatzoptionen.

Auf die Lenkung angesprochen, die mehrere Testfahrer als zu weich und zu unpräzise empfanden, antwortete er offen. „Auch wir haben es wahrgenommen und ich schäme mich nicht, das zuzugeben. Wir haben es beim Testen festgestellt und werden es korrigieren“, erklärte der Manager. Als Grund nannte er die Software. Die Justierung des B05, die in vielen Abstimmungen mit Stellantis entwickelt wurde, wird auf den B03X übertragen. „Der B05 liegt bei Spurtreue, Rückmeldung und Lenkpräzision auf einem anderen Niveau“, sagte er und verteidigte anschließend die Arbeit an den Komponenten. „Bei Fahrwerk und Federungsabstimmung haben wir im Vergleich zur chinesischen Version gute Arbeit geleistet.“ Das neue Designzentrum in München soll dazu beitragen, dass die Erwartungen der Europäer an die chinesischen Teams weitergegeben werden.

Thema war auch, dass bei den Testfahrten die Vorderräder an mehreren Autos beim Beschleunigen durchdrehten. Auch hier soll nachgebessert werden. „Wir können die Beschleunigungsparameter überarbeiten. Wir liegen bei 8,7 Sekunden. Wir könnten bei 9,5 liegen und weniger Leistung auf einmal freigeben“, sagte Giacalone. „Wenn es von der Traktionskontrolle kommt, ist es wieder ein Softwarethema. Unsere Ingenieure stellen die Parameter in wenigen Wochen neu ein. Es geht also nicht um bauliche Änderungen.“ Vor den Journalisten schloss er mit dem Satz: „Der Punkt ist notiert. Wir werden das überprüfen und daran arbeiten.“

B05 als Wegbereiter

Der fünftürige Kompaktwagen B05, der ebenfalls auf unsere Straßen kommt, stellt einen Wendepunkt für die Marke dar. Dieses chinesische Auto ist kein SUV, ein Segment, das die etablierten Hersteller hart verteidigen. Er holte fünf Sterne im Euro-NCAP-Test und bewirbt sich um den Titel Auto des Jahres 2027. Die Tests der Jury beginnen am 19. September. 7.000 Fahrzeuge dieses Modells wurden im Juli und August bestellt. Das macht den B05 zum zweiterfolgreichsten Modell der Palette zum Bestellstart. Leapmotor bewertet diese Nachfrage als ermutigend und wegbereitend für den B03X.

Konkurrenz durch Stellantis?

Bleibt das heikle Thema der Kannibalisierung unter den Konzernmarken, schließlich wird Leapmotor über das Stellantis-Netz vertrieben. Leapmotor verweist auf die Erfahrungswerte von rund 150.000 Verkäufen außerhalb Chinas. Die Zahlen zeigten, dass neun von zehn Kunden kein anderes Auto aus dem Konzern gekauft hätten und stattdessen zu einem anderen chinesischen Hersteller gegangen wären. Einer von zehn habe tatsächlich mit einem Stellantis-Auto geliebäugelt. Leapmotor stellt sich daher als Volumenlieferant für den Konzern dar und als Mittel, Kunden zu halten, die sich sonst für ein Auto eines Mitbewerbers entscheiden würden. Wie es weitergeht, zeigt sich auf dem Pariser Autosalon, wo der D19 ausgestellt sein wird.