Mit dem RS 5 geht Audi einen bislang beispiellosen Schritt: Es ist das erste RS-Modell mit Plug-in-Hybridantrieb. Erhältlich ist er als Limousine und als Avant, was bei Audi für die Kombiversion steht. Alltagstauglichkeit für die Familie trifft hier auf Höchstleistungen. Wir haben die Herstellerangaben des RS 5 Avant, der auf eine Systemleistung von 639 PS kommt, unter die Lupe genommen.
Der zu Jahresbeginn vorgestellte RS 5 kombiniert einen 2,9-Liter-V6-Biturbo mit einem 130-kW-Elektromotor. Die Systemleistung liegt bei 470 kW (639 PS), das Drehmoment bei 825 Nm. Ausgestattet ist er mit einem quattro-Antrieb samt Dynamic Torque Control, das erstmals in einem Serienfahrzeug zum Einsatz kommt. Der in Neckarsulm produzierte RS 5 ist in zwei Karosserievarianten erhältlich: als Kombi, bei Audi seit den 1970er Jahren als Avant bezeichnet, und als Limousine. Die Technik ist identisch, es unterscheiden sich lediglich der Kofferraum und die Gestaltung des Hecks.
Design und Ergonomie
Der RS 5 ist neun Zentimeter breiter als ein klassischer A5 Avant. Er hat verbreiterte Kotflügel, einen Singleframe-Kühlergrill mit Wabenmuster und mattierte, ovale Auspuffendrohre. Die abgedunkelten Matrix-LED-Scheinwerfer, die optional erhältlich sind, erinnern mit ihren Rechtecken an eine Zielflagge. Im Innenraum wirkt das Ambiente dank Sportsitzen, serienmäßiger Massagefunktion und 14,5-Zoll-MMI-Display gehoben. Der Kofferraum fasst 361 Liter und ist auf 1.302 Liter erweiterbar. Damit fällt er kleiner aus als beim klassischen A5 Avant. Die Batterie unter dem Fahrzeugboden raubt ihm etwas Volumen. Auch ein für das Ladekabel vorgesehener Stauraum fehlt.
Der V6-TFSI leistet 375 kW (510 PS) und 600 Nm, ergänzt durch einen 130-kW-Elektromotor (177 PS) mit 460 Nm, der von einer Lithium-Ionen-Batterie mit 25,9 kWh brutto (22 kWh netto) versorgt wird. Der quattro-Antrieb kombiniert ein selbstsperrendes Mittendifferenzial mit Grundsperrmoment und eine Drehmomentvektorisierung an der Hinterachse. Das Drehmoment kann bis zu einer Differenz von 2.000 Nm innerhalb von 15 Millisekunden zwischen den Rädern verteilt werden. Das Fahrzeug verfügt darüber hinaus über ein Achtgang-tiptronic-Getriebe und serienmäßige RS-Stahlbremsen. Es beschleunigt in 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 250 km/h (285 km/h mit Audi-Sport-Paket).
Beim Laden etwas im Rückstand
Beim AC-Laden liegt die Höchstleistung bei 11 kW. Eine vollständige Ladung dauert somit zweieinhalb Stunden. Diese Dauer lässt sich 2026 kaum noch rechtfertigen, da deutlich günstigere Modelle des Konzerns bereits mit 50 kW laden. Zwei Modi stehen zur Verfügung: EV für rein elektrisches Fahren und Hybrid. Per Schieberegler lässt sich hier ein Wunschladestand festlegen, um beispielsweise für das Fahren im Stadtverkehr eine elektrische Reserve aufzusparen. Im Dynamic-Modus sinkt der Ladestand nie unter 20 Prozent, sodass ausreichend Energie für die Boostfunktion zur Verfügung steht. In den Modi RS Sport und RS Torque Rear sind es 90 Prozent.
Bemerkenswerte Agilität
Auf der Straße macht das elektromechanische Torque Vectoring den entscheidenden Unterschied: Der Wagen ist für sein Gewicht erstaunlich agil und zeigt sich ausgewogen, sobald es nicht mehr um pure Performance geht. Auf der Rennstrecke ermöglicht er lange, kontrollierte Drifts – ein Fahrerlebnis, das ein Kombi RS Avant seit 30 Jahren nicht mehr geboten hat. Der Übergang zwischen Elektromotor und V6 verläuft geschmeidig. Die Boostfunktion setzt selbst im rein elektrischen Betrieb die volle Leistung frei. Auch die Bremsen beeindrucken. Im Vergleich zum vorherigen RS 4 verkürzt sich der Bremsweg um 11 Prozent, mit den optional erhältlichen Keramikbremsen ohne Fading. Der RS 5 ist vielfältig: vom leisen Elektrobetrieb bis zum kompromisslosen Rennstreckenmodus. Und selbst auf schlecht ausgebauten Straßen bietet dieses schwere Auto überraschenderweise hohen Fahrkomfort. Mit einer elektrischen Reichweite von bis zu 86 Kilometern in der Stadt nach WLTP ist der RS 5 alltagstauglich.
Thema Nummer eins bleibt aber das Gewicht: 2.370 Kilogramm Leergewicht sind es beim Avant. Das sorgte für einige Kritiken, ebenso wie bei anderen leistungsstarken PHEV in diesem Segment. Auch wer vom Fahrverhalten überzeugt ist, ertappt sich bei dem Gedanken, dass der Wagen mit 500 Kilogramm weniger noch besser wäre. Auch das Kofferraumvolumen fällt wegen der Batterie vergleichsweise klein aus: 361 Liter gegenüber 495 Litern beim klassischen A5 Avant und kein eigener Stauraum für das Ladekabel. Das Auto klingt selbst im Sport-Modus verhalten und leicht künstlich. Im Gegenzug verändert das Hinterachsdifferenzial grundlegend die fahrdynamische Ausrichtung, der Übergang zwischen den Antriebsarten zählt zu den gelungensten im Segment und die Vielseitigkeit – vom Elektro- bis zum Rennstreckenmodus – ist für einen RS bislang beispiellos.
Die Audi-Sport-DNA bleibt erhalten
Mit dem RS 5 Avant geht Audi Sport eine mutige Wette ein: Der Hersteller integriert Plug-in-Hybridtechnik, bleibt der DNA des RS aber dennoch treu. Auf dem Papier müsste sich der Wagen schwer und behäbig anfühlen. Auf der Straße wirkt er jedoch leichter und agiler, als es die Zahlen vermuten lassen. Das Profil: eine familientaugliche Reiselimousine, die mit einer Fingerbewegung in einen furchteinflößenden Rennstreckenmodus wechselt.
Technische Daten
Audi RS 5 Avant
Points forts
- elektromechanisches Torque Vectoring und die daraus resultierende Agilität
- geschmeidiger Übergang zwischen Elektromotor und V6
- Vielseitigkeit im Alltag, vom leisen Elektro- bis zum Streckenmodus
Points faibles
- Leergewicht: 2.370 kg beim Avant
- durch die Batterie verringertes Kofferraumvolumen (361 l gegenüber 495 l beim A5 Avant)
- auf 11 kW begrenzte AC-Ladeleistung