Unauffällig auf der Straße, leistungsstark im Einsatz: Das „Command, Liaison and Reconnaissance Vehicle“ (CLRV) wird das Aufklärungsfahrzeug der luxemburgischen Armee. Es basiert auf der Plattform Eagle 5 und bündelt in 9,2 Tonnen modernste Militärtechnologie – konzipiert für Mobilität, Schutz und Kommunikation in feindlichem Gebiet.
C, L, R, V: Vier Buchstaben, die die Bestimmung dieses Fahrzeugs auf den Punkt bringen: Command, Liaison and Reconnaissance Vehicle. Also ein Führungs-, Verbindungs- und Aufklärungsfahrzeug. Eine nüchterne Bezeichnung für ein Fahrzeug, das nicht zum Angreifen gedacht ist, sondern zum Beobachten, Kommunizieren und Aufklären – und dabei jederzeit reaktionsfähig ist, wenn es die Lage erfordert. „Es ist kein Angriffs- oder Verteidigungsfahrzeug im eigentlichen Sinne. Wir haben eine Waffenstation, aber für einen Frontalangriff reicht das nicht aus“, erklärt Adjudant-Chef Tom, technisch Verantwortlicher. Die Hauptaufgabe: sich unauffällig im Einsatzgebiet bewegen, Informationen sammeln, die Verbindung zwischen den Einheiten aufrechterhalten und so lange wie möglich unerkannt bleiben. „Das Ziel ist, möglichst lange nicht entdeckt zu werden – und im Ernstfall ausgerüstet zu sein, um reagieren zu können“, ergänzt Adjudant-Major Lex, der ebenfalls für das CLRV zuständig ist.
80 Exemplare hat die luxemburgische Armee bestellt. Den Auftrag zur Integration erhielt Thales, das rund um die Eagle-5-Plattform sämtliche Bordsysteme zusammenführte: Funkgeräte, Störsender, Waffenstation und Einsatzausrüstung.
Robust und vielseitig
Das technische Herzstück des CLRV ist ein Cummings-Dieselmotor mit 6,7 Litern Hubraum, sechs Zylindern und einer Leistung von 285 PS bei einem Drehmoment von 970 Nm. Das Getriebe ist eine Sechsgang-Automatik mit Drehmomentwandler. Besonderes Augenmerk verdient jedoch der permanente Allradantrieb (4×4): In Kombination mit Differenzialsperren und einem Untersetzungsgetriebe kann das Fahrzeug praktisch jedes Gelände bewältigen – Schlamm, Sand, Schnee, steile Hänge.
Der Verbrauch schwankt stark je nach Umgebung: Während er auf der Straße bei rund 20 Litern auf 100 Kilometer liegt, kann er in schwierigem Gelände auf bis zu 40 Liter steigen. Die angegebene Reichweite beträgt rund 600 Kilometer auf der Straße. Wie hoch sie im Gelände ist, bleibt unbestimmt, denn zu viele Variablen beeinflussen hier die Reichweite. Schließlich wiegt das Fahrzeug 9,2 Tonnen in leerem Zustand und bis zu 11,5 Tonnen mit maximal zulässiger Beladung. Trotzdem bieten Leistung und Drehmoment des Motors eine erstaunliche Wendigkeit.
Ein Detail: Das Militärfahrzeug entspricht den NATO-Standards. Es ist daher mit einem Euro-3-Motor ausgestattet. Der Grund liegt in der „Single Fuel Policy“ der NATO: Die verbündeten Streitkräfte verwenden Kerosin, einen Kraftstoff, der mit den Partikelfiltern moderner Motoren nicht kompatibel ist. Eine militärische Vorgabe, die der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist.
CTIS: Räder lassen Luft ab
Eine der auffälligsten Innovationen an Bord ist das CTIS – Central Tire Inflation System. Damit kann der Fahrer die Reifen jederzeit direkt von seinem Sitz aus aufpumpen oder die Luft ablassen. Durch das Absenken des Drucks vergrößert sich die Auflagefläche am Boden, was die Traktion auf weichem Untergrund erheblich verbessert.
Das System nutzt den Druckluftkompressor des Fahrzeugs – denselben, der auch die Druckluftbremsen versorgt –, um die Reifen nach einer schwierigen Passage wieder aufzupumpen. „Dieses System findet man selbst bei zivilen Oberklassefahrzeugen nicht“, betont einer der Techniker. Die Vorführung beeindruckt: Die Reifen geben langsam nach, das Fahrzeug senkt sich sichtbar und nimmt nach dem Passieren des Hindernisses wieder seine übliche Höhe ein.
Kabine gleicht einer Festung
Die Kabine des CLRV ist vollständig gepanzert. Die Scheiben – darunter die Frontscheibe, deren Wert auf rund 10.000 Euro geschätzt wird – halten Handfeuerwaffen stand.
Auch das Türschließsystem ist darauf ausgelegt, die Passagiere zu schützen: Statt eines herkömmlichen Schlosses werden die Türen durch ein Bolzensystem gehalten, das der Druckwelle einer Minenexplosion standhält. Ein Dämpfer verhindert, dass die Tür in Schräglage unter ihrem Eigengewicht zufällt. „Wenn man auf eine Mine fährt, kann die Energie der Druckwelle eine normale Tür herausschleudern. Mit diesem System sind unsere Einsatzkräfte besser geschützt“, erläutert Adjudant-Major Lex. Auch die V-Form der Bodenwanne ist kein Zufall: Sie leitet die Druckwelle einer Explosion seitlich ab, anstatt sie frontal aufzunehmen, was für einen deutlich besseren Schutz der Besatzung sorgt.
Unter den militärischen Sonderausstattungen verdient das NBC-Schutzsystem (nuklear, biologisch, chemisch) besondere Erwähnung. Überdruck in der Kabine verhindert, dass Schadstoffe von außen eindringen. So muss die Besatzung keine Schutzmasken tragen. Der Druckaufbau ist beim Aktivieren des Ventils hörbar. Eine Sprechanlage ermöglicht zudem die Kommunikation mit der Außenwelt, ohne die Türen öffnen zu müssen – eine wertvolle Vorsichtsmaßnahme in Risikogebieten.
Funkgeräte und Störsender: Elektronische Kriegsführung an Bord
Das CLRV beeindruckt nicht nur mechanisch: Seine elektronische Ausstattung macht es zu einem schlagkräftigen Instrument. Das Fahrzeug verfügt über nicht weniger als acht Antennen, die von außen sichtbar sind. Einige dienen der Funkkommunikation, andere dem Störsystem.
Der am Heck des Fahrzeugs montierte Störsender ist vollständig programmierbar. Er kann gezielt bestimmte Frequenzen neutralisieren – etwa die eines ferngesteuerten Geräts, eines Fernzünders oder eines anderen gegnerischen Systems –, ohne dabei die internen Kommunikationswege der Besatzung zu beeinträchtigen. „Man kann festlegen, dass Frequenz X gestört wird. Wenn man weiß, dass das ferngesteuerte Gerät auf Frequenz Z operiert, blockiert man sie und neutralisiert es ohne einen direkten Kampfakt“, erklärt Adjudant-Major Lex.
Die theoretische Funkreichweite des Fahrzeugs liegt bei über 30 Kilometern. In der Praxis beeinflussen Gelände, Wetter und Bodenfeuchtigkeit diese Distanz erheblich: In einem Tal sind bereits wenige Kilometer schwer zu erreichen. Im Inneren bündeln zwei Multifunktionsbildschirme alle Informationen: Position der verbündeten Fahrzeuge, taktische Nachrichtenübermittlung, Videobilder – und bei GPS-Störung übernimmt ein Trägheitsnavigationssystem, um die Besatzung zu leiten.
Vier Soldaten an Bord
Das CLRV bietet Platz für vier Soldaten: einen Fahrer, einen Fahrzeugkommandanten, einen Beobachter und einen Schützen. Letzterer bedient die Waffenstation vom hinteren Fahrzeugteil aus. Die Einsatzregel ist klar: Es fährt niemand allein. „Allein ist man tot“, fasst Adjudant-Chef Tom nüchtern zusammen. Das Fahrzeug operiert stets im Verbund zu zweit oder als Zug, wobei sich die Teams gegenseitig sichern.
Der hintere Laderaum, der über drei unabhängige Öffnungen zugänglich ist – eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren Generationen –, bietet Platz für Material, Munition, Wasser und Verpflegung. Ein Lkw-Führerschein ist erforderlich, um das CLRV fahren zu dürfen: Es ist als Lastkraftwagen zugelassen. Die Einarbeitung verläuft erstaunlich schnell. „Wenn man es gewohnt ist, einen Lkw zu fahren, und man die Besonderheiten des Fahrzeugs in wenigen Stunden erklärt bekommt, ist man einsatzbereit“, betont der Unteroffizier.
Über eine Million Euro pro Exemplar
Der Preis des CLRV liegt ohne Bordausrüstung bei über einer Million Euro. Eine Summe, die überraschen mag, die sich aber durch die Konzeption erklärt: Jede Komponente wurde auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen Minen, leichte Waffen und elektromagnetische Störstrahlung getestet. Panzerungsuntersuchungen, Explosionsversuche und Analysen zur elektromagnetischen Verträglichkeit verursachen erhebliche Kosten, die auf eine weitaus geringere Stückzahl umgelegt werden als in der zivilen Industrie.
Die Wartung hingegen bleibt verhältnismäßig überschaubar: eine Inspektion alle 20.000 Kilometer oder einmal im Jahr. Die üblichen Arbeiten – Ölwechsel, Überprüfung der Stoßdämpfer, Reinigung des NBC-Systems – erfordern keine Spezialkenntnisse. Die Erfahrungsberichte der Partnerländer, die dasselbe Fahrgestell nutzen – Deutschland und die Schweiz –, fallen durchweg positiv aus.
„Das ist eigentlich kein Fahrzeug, sondern ein System“, versichern die beiden Soldaten. Das ist vielleicht der Satz, der das CLRV am besten zusammenfasst. Jedes Detail – die V-Form der Bodenwanne, die Programmierung des Störsenders, das CTIS-System, die drei Laderaumöffnungen – entspringt einer taktischen Überlegung. Hier ist nichts dem Zufall überlassen. Und genau diese Stimmigkeit macht das Fahrzeug zu mehr als einem reinen Transportmittel.