Zum Inhalt springen
Inscription

Newsletter

Der Twingo ist zurück – und er ist zu 100 % elektrisch. Mit dieser neuen Generation namens E-Tech Electric will Renault die Elektromobilität für möglichst viele Menschen zugänglich machen. In Luxemburg startet der Kleinwagen bei 18.855 Euro in der Version Evolution und bei 20.596 Euro in der Ausstattung Techno. Der französische Hersteller hatte versprochen, die 20.000-Euro-Marke zu unterbieten: Auf dem Papier ist das geschafft. Der Twingo richtet sich an Stadtbewohner, junge Fahrer und Familien, die ein erschwingliches elektrisches Zweitfahrzeug suchen. Wir haben ihn auf die Probe gestellt, um zu prüfen, ob das Versprechen auch auf der Straße hält.

Ein Erbe, das bis 1992 zurückreicht

Die Geschichte des Twingo beginnt vor über dreißig Jahren. In drei Generationen wurde das Modell mehr als 4,1 Millionen Mal in 25 Ländern verkauft und prägte von Anfang an eine mutige Vision des Kleinwagens: fröhlich, farbenfroh, vielseitig. Seitdem ist das A-Segment erheblich geschrumpft – es macht nur noch 5 % des europäischen Marktes aus –, da die meisten Hersteller es aufgegeben haben, niedrige Preise, Umweltvorschriften und moderne Kundenerwartungen unter einen Hut zu bringen.

Renault hat darin eine Chance gesehen. Diese neue Generation wurde in nur hundert Wochen entwickelt, ein Rekord für den Konzern, dank einer neuartigen Organisation, die das französische Technocentre, das F&E-Zentrum ACDC in Shanghai und das Werk in Novo Mesto in Slowenien vereint. Der Hersteller gibt an, die Investitionen im Vergleich zu einer herkömmlichen Entwicklung halbiert zu haben, mit gezielten Einsparungen von 16 % bei den vorgelagerten Aktivitäten, 41 % bei der Entwicklung und 26 % bei der Industrialisierung. Ob sich dieser beschleunigte Ansatz langfristig in der Qualität des Endprodukts bewährt, bleibt abzuwarten.

Ein Design, das zu seiner Herkunft steht

Optisch ist die Verwandtschaft mit dem ursprünglichen Twingo unverkennbar: runde Formen, eine Van-artige Silhouette und ein verschmitzter Blick, unterstrichen durch bogenförmige Tagfahrlichter und einen Kühlergrill, der ein dezentes Lächeln zeichnet. Man mag diesen bewusst niedlichen Stilansatz oder eben nicht, aber er hat den Vorzug, mit nichts anderem verwechselbar zu sein. Sechs Farbtöne stehen zur Wahl: Rouge Absolu, Vert Absolu, Jaune Mango und Noir Étoile, ergänzt durch Blanc Glacier und Gris Schiste, die seit der Bestellfreigabe der Version Evolution verfügbar sind.

Im Innenraum sorgen das zylindrische Armaturenbrett und der horizontale Doppelbildschirm – 7 Zoll für die Instrumentenanzeige, 10 Zoll für das Multimediasystem – für ein überraschend modernes Ambiente in diesem Segment. Anspielungen auf die erste Generation finden sich überall, bis hin zum Originalslogan, der in die Gurte der Rücksitze eingeprägt ist. Farbliche Akzente der Karosserielackierung im Innenraum verleihen eine willkommene persönliche Note. Die Materialien bleiben die eines preisgünstigen Kleinwagens – das sei klar gesagt –, aber die Verarbeitung ist ordentlich und das Gesamtbild durchaus ansprechend. Was die Ablagen betrifft, bietet der Innenraum mehr als zehn offene Fächer mit insgesamt bis zu 19 Litern Volumen – schlicht und praktisch, genau das, was man von einem Auto für den Alltag erwartet.

Ein überraschendes Detail: Die Motorhaube des Twingo lässt sich nicht öffnen – zumindest nicht vom Nutzer. Renault hat die radikale Entscheidung getroffen, den Zugang zum Motorraum zu versperren. Die Logik ist einleuchtend: Bei einem elektrischen Antriebsstrang gibt es schlicht nichts mehr, woran man unter der Haube basteln könnte. Die laufende Wartung erfolgt im Werkstattnetz, und für die einzige Handlung, die der Fahrer selbst vornehmen kann – das Nachfüllen der Scheibenwaschflüssigkeit –, wurde an der Fahrzeugfront eine eigene Klappe vorgesehen, versteckt unter einer der drei Blindlufteinlässe auf der Haube.

Was unter dem Boden steckt

Der Antriebsstrang besteht aus einem 60 kW (rund 82 PS) starken elektrischen Synchronmotor mit 175 Nm Drehmoment, gespeist von einer 27,5-kWh-LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat). Eine Premiere für die Renault Group, die damit auf eine Chemie auf Basis reichlich vorhandener Materialien wie Eisen und Phosphat setzt. Die angegebene Reichweite beträgt 263 km im WLTP-Zyklus – unter realen Bedingungen sollte man eher mit 180 bis 220 km rechnen. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 130 km/h begrenzt, der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 12,1 Sekunden und das Gewicht beginnt bei 1.200 kg in der Version Evolution.

Serienmäßig wird mit 6,6 kW AC geladen, was eine Vollladung von 10 auf 100 % in etwas über vier Stunden ermöglicht. Das optionale Paket „Advanced Charge“, in Luxemburg für 474 Euro erhältlich, fügt ein bidirektionales 11-kW-AC-Ladegerät hinzu, das diese Zeit auf 2 Stunden 35 Minuten verkürzt, sowie ein 50-kW-DC-Ladegerät, mit dem an einer Schnellladestation in 30 Minuten von 10 auf 80 % geladen werden kann. Dieses Paket eröffnet zudem die V2L-Funktion (Vehicle-to-Load), mit der ein 220-V-Gerät mit bis zu 3.700 W aus der Fahrzeugbatterie versorgt werden kann.

Zwei Ausstattungslinien bilden das Angebot. Die Version Evolution bietet bereits den 10-Zoll-Multimedia-Bildschirm mit Smartphone-Spiegelung, die automatische Notbremsung, die Fahrerüberwachung, verschiebbare Rücksitze und eine manuelle Klimaanlage. Die Techno ergänzt das OpenR-Link-System mit integriertem Google – eine Premiere im A-Segment –, eine automatische Klimaanlage, einen adaptiven Tempomaten mit Stop & Go, die One-Pedal-Fahrfunktion, eine Rückfahrkamera, die schlüssellose Zugangskarte und ein Arkamys-Audiosystem mit sechs Lautsprechern. In der Techno-Ausstattung enthält Google Maps einen elektrischen Routenplaner, der die Ladestopps optimiert, während die Lösung Mobilize Charge Pass Zugang zu über einer Million Ladepunkten in Europa bietet.

Auf der Straße: lebendig in der Stadt

Am Steuer ist der erste Eindruck eindeutig: Das ist ein guter kleiner Stadtwagen, und er ergibt Sinn. Der Sprint von 0 auf 50 km/h in 3,85 Sekunden reicht für den Stadtverkehr völlig aus, und der Wendekreis von 9,87 Metern macht das Rangieren besonders leicht. Die Wendigkeit ist klar eine seiner größten Stärken. Die Vorderachse, die er sich mit dem Renault 5 und 4 E-Tech Electric teilt, flößt Vertrauen ein. Die Verbundlenkerachse hinten, abgeleitet vom Captur, erledigt ihre Aufgabe ohne sportlichen Anspruch; die Federung ist akzeptabel, mehr aber auch nicht. Die für den Elektroantrieb typische Laufruhe sorgt im Alltag für spürbaren Komfort. Die One-Pedal-Funktion, verfügbar in der Version Techno, erweist sich als besonders angenehm im Stau und beim Anfahren von Kreisverkehren – sie ermöglicht es, bis zum vollständigen Stillstand zu verzögern, ohne das Bremspedal zu betätigen.

Allerdings machen sich die 82 PS bemerkbar, sobald man das Stadtgebiet verlässt. Man fährt hier eindeutig ein Stadtauto und keine Reiselimousine – und mehr sollte man auch nicht erwarten.

Grenzen, die man kennen sollte

Der Twingo E-Tech Electric ist nicht für lange Strecken konzipiert. Er kann die Autobahn befahren, doch die Reichweite schmilzt bei höherem Tempo schnell dahin. Dass die DC-Schnellladung als Option statt serienmäßig angeboten wird, ist bedauerlich für ein Fahrzeug, das sich als Botschafter der erschwinglichen Elektromobilität versteht. Die vereinfachte Hinterachse und die begrenzte Leistung beschränken den Fahrspaß auf ein entschieden städtisches Register. Das Fehlen einer automatischen Klimaanlage und der schlüssellosen Zugangskarte in der Version Evolution erinnert an die Kompromisse, die mit dem Einstiegspreis einhergehen. Schließlich werden großgewachsene Passagiere (ab ca. 1,85 m) feststellen, dass die Kopffreiheit im Fond an ihre Grenzen stößt – eine konkrete Erinnerung daran, dass der Twingo ein kompakter Kleinwagen von 3,79 m bleibt.

Der Preis unter 20.000 Euro in Verbindung mit einer Serienausstattung über dem Segmentdurchschnitt ist das Hauptargument – und es ist ein starkes. Dann die Modularität, und hier zeigt sich Cleverness: Die einzeln um 17 cm verschiebbaren Rücksitze erlauben die Wahl zwischen mehr Beinfreiheit oder einem größeren Kofferraum, je nach aktuellem Bedarf. Die Lehne des Beifahrersitzes lässt sich in der Version Techno umklappen und bietet so 2 Meter Ladelänge, während die umgeklappten Rücksitzlehnen über 1.000 Liter Ladevolumen freigeben. All das in einem Format von 3,79 m: schlicht und praktisch im besten Sinne. Der Technologiegehalt schließlich beeindruckt in dieser Preisklasse: OpenR-Link-System mit integriertem Google, 24 Fahrassistenzsysteme im Katalog und bidirektionales Laden.

Ein stimmiges Gesamtpaket

Der Twingo E-Tech Electric kann nicht alles – und er erhebt auch nicht diesen Anspruch. Seine Grenzen sind bekannt: bescheidene Reichweite, zurückhaltende Leistung, einige Zugeständnisse in der Basisausstattung. Doch in seinem Revier – dem täglichen Stadt- und Umlandverkehr – bietet er ein stimmiges, durchdachtes Gesamtpaket, dem in dieser Preisklasse nur schwer etwas vorzuwerfen ist. Angesichts einer dünnen und oft teureren Konkurrenz im elektrischen A-Segment positioniert sich Renault gut. Wenn der Hersteller seine Zeitpläne und Stückzahlen einhält, hat dieser Twingo die Argumente, um zu überzeugen.

Was uns gefällt / was uns nicht gefällt:

Was uns gefällt:

  • Das Design
  • Der Preis
  • Ein stimmiges Gesamtpaket

Was uns nicht gefällt:

  • Der Parkassistent – überflüssig für ein Auto dieser Größe
  • Wir hätten uns einen „Boost“-Modus für etwas mehr Leistung gewünscht

Technische Daten:

  • Leistung: 60 kW / 80 PS
  • Drehmoment: 175 Nm
  • Batteriekapazität: 27,5 kWh (LFP)
  • WLTP-Verbrauch: 12,2 kWh/100 km (Homologation läuft)
  • WLTP-Reichweite: bis zu 263 km
  • Beschleunigung 0–50 km/h: 3,85 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
  • Gewicht: ab 1.200 kg
  • Grundpreis in Luxemburg: 18.855 € (Version Evolution)