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Eine Woche lang haben wir zwei Adventure-Tourer aus demselben Segment getestet: die vollelektrische Zero DSR/X und die Voge DS 900 X mit Verbrennungsmotor. Zwei diametral entgegengesetzte Fahrphilosophien.

Im Gegensatz zu E-Autos sind elektrische Motorräder etwas seltener anzutreffen. Und doch wächst das Angebot stetig. Neben diversen Start-ups bieten jetzt auch verschiedene etablierte Hersteller Strom-Bikes an. Auch wenn sich diese noch in der Entwicklungsphase befinden, lohnt sich ein Vergleich. Dazu möchte ich betonen, dass derartige Gegenüberstellungen neben Fakten natürlich auch subjektive Beurteilungen enthalten. Um eine möglichst neutrale Einschätzung zu geben, vergleichen wir zwei Motorräder aus dem gleichen Segment – Adventure Bikes –, die wir mehr als eine Woche lang unter verschiedenen Bedingungen ausgiebig getestet haben. Es handelt sich um die vollelektrische Zero DSR/X und die Voge DS 900 X mit Verbrennungsmotor. Abmessungen, Ergonomie, Gewicht, Motorleistung und Ausstattung sind bei beiden Motorrädern zwar nicht identisch, aber ähnlich.

Antrieb / Motor:

In Bezug auf die Motorleistung sind beide Modelle fast gleich, jedoch unterscheiden sich die Angaben zum Drehmoment deutlich. Während das E-Motorrad über sensationelle 229 Nm verfügt, die sofort verfügbar sind, beschränkt sich die Kraft beim thermischen Modell auf 95 Nm und das erst bei 6.000 U/min. Beim Start an der Ampel ist die Elektroversion klar im Vorteil. Interessanterweise fühlt sich die Kraftentfaltung beim Fahren nicht so unterschiedlich an, wie es die Zahlen auf dem Papier vermuten lassen. Beim E-Motor überträgt sich die enorme Kraft sehr geschmeidig und progressiv. Als Fahrer behält man auch beim Beschleunigen stets das Gefühl der Kontrolle. Allerdings fühlt sich dieser äußerst lineare Durchzug etwas emotionslos gegenüber der lebendigen Motorcharakteristik des Zweizylinders an – sicher eine Frage des Geschmacks. Das Gleiche gilt für die Kraftübertragung. Für „schaltfaule“ Fahrer eignet sich das Elektro-Motorrad hervorragend, denn es sind weder Kupplungs- noch Schalthebel vorhanden. Die Energie wird per Zahnriemen ans Hinterrad geleitet. Das hat den Vorteil, dass keine unangenehmen Lastwechsel zu spüren sind. Andererseits gehören das Kuppeln, Schalten und das Halten des Motors im optimalen Drehzahlbereich für viele zum Motorradfahren. Und präzise ausgeführt, trägt das zur Fahrfreude bei.

Fahrverhalten:

Reise-Enduros müssen leichte Offroad-Passagen bewältigen können. Daher lassen sich beide Motorräder allein schon konstruktiv bedingt recht leichtgängig bewegen. Zum einen durch die typische Fahrwerksgeometrie von Adventure-Bikes, zum anderen durch die breiten Lenker. Unterschiede gibt‘s trotzdem. Beim Kurveneinlenken brauchen Sie als Fahrer beim E-Motorrad mehr Kraft an der Lenkstange, um das Bike in Schräglage zu bringen. Obwohl der Akku möglichst tief eingebaut wurde und das E-Motorrad nur neun Kilogramm mehr auf die Waage bringt, scheint etwas mehr Gewicht weiter oben angesiedelt zu sein. Das macht sich beim Rangieren und Fahren bemerkbar. Das Zweirad mit Verbrennungsmotor lässt sich etwas leichter manövrieren. Als äußerst praktisch erweist sich hingegen der Rückwärtsgang beim E-Motorrad. Die Fahrwerksabstimmung von Gabel und hinterem Federbein ist in beiden Fällen gut angepasst. Der Bremsvorgang unterscheidet sich jedoch deutlich: Ähnlich wie beim E-Auto findet die Verzögerung beim elektrischen Motorrad je nach Fahrmodus fast ausschließlich über die Energierückgewinnung statt. Das Betätigen der Bremshebel ist in den meisten Fällen nicht mehr nötig. Die Rekuperation ermöglicht einen sehr gefühlvollen, geschmeidigen Übergang vom Beschleunigen zum Bremsen, ein rundum flüssiges Fahren stellt sich ein. Dem Puristen wird der traditionelle Bremsvorgang in Verbindung mit einem optimal „getimten“ Herunterschalten eventuell fehlen.

Verbrauch und Reichweite:

Das Benzin-Bike verbraucht je nach Fahrweise um die 5,5 l/100 km bei einer Reichweite von etwas mehr als 300 Kilometern. Zero gibt für die E-Maschine im Stadtverkehr 288 Kilometer an. Bei gemäßigten Geschwindigkeiten kamen wir um die 180 Kilometer weit, was bei Mix-Fahrten von Stadt-Landstraße und Autobahngeschwindigkeiten bis maximal 100 km/h mit den Angaben des Herstellers übereinstimmt. Sollten Sie sportlicher unterwegs sein oder konstant 130 km/h auf der Autobahn fahren, schmilzt die Reichweite regelrecht dahin. Die 17,3-kWh-Hochvoltbatterie lässt sich über einen Typ-2-Stecker in etwa einer Stunde wieder aufladen.

Anschaffung und Kosten:

Beide Motorräder sind von Hause aus sehr gut ausgestattet. Bei der Anschaffung erleichtert die Basisversion des E-Motorrads Ihr Konto um 23.340 Euro, beim Verbrenner sind es 10.599 Euro – ein substanzieller Preisunterschied. Für das elektrische Gefährt sprechen hingegen die sehr geringen Unterhaltskosten.

Fazit:

Das Batterie-Fahrzeug erweist sich als äußerst praktisch und leicht in der Handhabung: Kuppeln und Schalten entfallen und die Bremsbetätigung wird auf ein Minimum reduziert. Das Motorrad lässt sich über den Beschleunigungsgriff steuern, wie wir es auch beim E-Auto mit dem One-Pedal-Mode kennen. Dieses Konzept eignet sich bestens für den Stadtverkehr oder für die alltägliche Strecke zum Arbeitsplatz und verlangt dem Fahrer wenig ab. Auch Tourenfahren ist mit der vorhandenen Batteriekapazität möglich. Außerdem gleitet die Zero DSR/X fast geräuschlos dahin und das emissionsarm. Wem jedoch der emotionale Aspekt und das authentische Fahren mit Kupplung und Schaltung beim Motorrad wichtig sind, wird eher zum Benziner tendieren: Der Charme einer nicht linearen Kraftentfaltung eines Viertaktmotors, das angenehme Ansauggeräusch, die Vibrationen, erzeugt durch das mechanische Zusammenspiel, haben eben auch etwas für sich.

Wie Sie dem Vergleich entnehmen können, handelt es sich um grundverschiedene Konzepte des Motorradfahrens. Das dürfte Ihnen die Entscheidung je nach persönlicher Präferenz erleichtern. Wie gesagt, ohne zu urteilen: Es ist eine Frage des Geschmacks.

 

Kriterium Elektromotorrad (Zero DSR/X) Verbrennermotorrad (Voge DS 900 X)
Drehmoment 229 Nm, ab dem Stand verfügbar 95 Nm, ab 6.000 U/min
Kraftübertragung ohne Kupplung und Schaltung, Zahnriemen Kupplung und Getriebe
Motorcharakteristik lineare und progressive Kraftentfaltung lebendige, nicht lineare Kraftentfaltung
Bremsverhalten überwiegend Rekuperation klassische mechanische Bremsung
Handling in Kurven höherer Kraftaufwand am Lenker leichter in Schräglage zu bringen
Besonderheit integrierter Rückwärtsgang
Verbrauch / Kapazität Batterie 17,3 kWh rund 5,5 l/100 km
Reichweite rund 180 km (Mix) bis 288 km (Stadt) etwas mehr als 300 km
Laden / Tanken rund eine Stunde an Typ-2-Stecker Tanken an der Zapfsäule
Basispreis 23.340 € 10.599 €
Unterhaltskosten sehr gering verbrennertypisch
Geräuschkulisse nahezu geräuschlos Ansauggeräusch, mechanische Vibrationen