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Ganzjahresreifen gewinnen bei Autofahrern immer mehr an Beliebtheit. Zum dritten Jahr in Folge haben die europäischen Automobilclubs, darunter der ACL, 16 Modelle in der Dimension 185/65 R15 unter die Lupe genommen, eine bei Kleinwagen sehr verbreitete Größe. Das Ergebnis: Nur ein Reifen erhält die Note „gut“, acht sind nicht empfehlenswert.

Das Prinzip des Ganzjahresreifens klingt verlockend: nur ein Satz Reifen, kein saisonaler Wechsel, keine Einlagerung. Doch die Aufgabe ist eine Gratwanderung. Derselbe Reifen muss im Hochsommer auf 50 °C heißem Asphalt halten, bei -15 °C auf Schnee zupacken und sich im Frühling und Herbst gut verhalten, wenn die Straße nass ist und das Thermometer um den Nullpunkt pendelt. Und das alles bei langsamem Verschleiß und ohne den Verbrauch nach oben zu treiben. Ist dieses Gleichgewicht überhaupt erreichbar? Die Tests geben eine eindeutige Antwort.

Eine Feststellung im Vorfeld verdient Beachtung. In dieser 15-Zoll-Dimension bieten einige große Namen nicht ihre neuesten Modelle an. Bridgestone beschränkt sich auf den Weather Control A005-Evo, während der Nachfolger, der Turanza All Season 6, in den größeren Dimensionen bereits erhältlich ist. Bei Michelin ist es ähnlich: kein CrossClimate 3 in 15 Zoll, sondern nur der hier getestete CrossClimate 2. Anders gesagt: Wer einen Kleinwagen fährt, hat bei diesen Herstellern keinen Zugang zur neuesten verfügbaren Technik.

Die komplette Rangliste

Reifen

EU-Label Gesamt Sicherheit Trocken Nass Winter Umwelt

Continental AllSeasonContact 2

B/B/B 71 dB 2,3 2,1 2,2 2,0 2,3

2,6

Pirelli Cinturato All Season SF 3

C/A/B 71 dB 2,6 2,7 2,3 2,4 2,7

2,4

Michelin CrossClimate 2

C/B/B 69 dB

2,6 2,8 2,2 2,8 2,1

2,2

Vredestein Quatrac

C/B/B 70 dB

2,9 3,1 2,5 2,4 3,1

2,4

Hankook Kinergy 4S 2

C/B/B 71 dB

3,0 3,2 2,0 2,7 3,2

2,5

Goodyear Vector 4Seasons Gen-3

C/B/B 70 dB

3,1 3,4 3,4 2,2 1,8

2,5

Nokian Tyres Seasonproof 2

B/A/A 68 dB

3,1 3,2 3,2 1,8 2,8

3,0

GT Radial ClimateActive

C/B/B 69 dB

3,2 3,2 2,7 2,4 3,2

3,1

Nexen N’Blue 4Season 2

C/B/B 71 dB 3,6 3,6 3,6 2,9 2,9

3,0

Dunlop All Season 2

C/C/B 71 dB 3,7 3,7 3,7 3,0 1,7

2,9

Milever All Season Versat MC545

C/C/A 67 dB 4,0 4,0 4,0 3,5 2,9

3,4

Norauto 4 Seasons 2

C/B/B 71 dB 4,9 4,9 2,4 3,1 4,9

2,3

Bridgestone Weather Control A005-Evo

C/A/B 70 dB

5,3 5,3 3,5 1,9 5,3

2,5

Mastersteel All Weather 2

C/B/B 71 dB 5,3 5,3 3,2 2,9 5,3

3,2

Roadhog RGAS02

C/B/B 71 dB 5,4 5,4 2,8 3,1 5,4

3,2

Tomason Allseason

D/C/B 71 dB

5,5 5,5 3,3 3,3 5,5

3,1

So sind die Noten zu lesen: Das Bewertungssystem funktioniert wie Schulnoten, die kleinste Zahl ist die beste. Von 0,6 bis 1,5: sehr gut. Von 1,6 bis 2,5: gut. Von 2,6 bis 3,5: befriedigend. Von 3,6 bis 4,5: ausreichend. Von 4,6 bis 5,5: mangelhaft.

Das Podium: drei Reifen, drei Profile

Continental AllSeasonContact 2 – Gesamtnote 2,3, das einzige „gut“ im Test
Das ist der Reifen des Gleichgewichts. Er erzielt in allen Sicherheitsdisziplinen gute Noten, ohne jemals nachzulassen. Auf trockener Straße liefert die Lenkung gute Rückmeldung, die Spur wird präzise gehalten und an der Grenze bleiben Reserven: Nach einem plötzlichen Ausweichmanöver findet das Auto schnell und sauber in seine Spur zurück. Auf nasser Straße überzeugt er beim Bremsen wie beim Handling, und beim Aquaplaning in Längsrichtung erreicht er sogar ein „sehr gut“, denn er reißt erst sehr spät ab. Im Winter erzielt er gute Bremswege auf Schnee und Eis, mit solider Traktion. Sein einziger Schwachpunkt: eine voraussichtliche Laufleistung von 41.300 Kilometern, gerade noch befriedigend, die ihm ein „gut“ in der Umweltbewertung verwehrt. Dafür ist sein Kraftstoffverbrauch der niedrigste im Test (5,4 l/100 km) und sein Gewicht von 7,2 Kilogramm bleibt moderat. Eine klare Kaufempfehlung.

Pirelli Cinturato All Season SF 3 – 2,6
Ihm fehlt nur wenig zur Note „gut“. Auf trockener Straße überzeugt er: korrekte Lenkung, präzise Spur und der kürzeste Bremsweg des Spitzentrios (40,1 Meter). Auf nasser Straße machen seine Qualitäten beim Aquaplaning und beim Handling ein nur durchschnittliches Bremsverhalten wett (34,9 Meter auf Asphalt). Das Podium kostet ihn der Winter: gut beim Bremsen auf Schnee und Eis, gut in der Traktion, aber nur befriedigend beim Handling auf Schnee, wo er Längs- und Querkräfte zu mittelmäßig kombiniert. Beim Umweltkapitel ist er dagegen ein guter Schüler, mit geschätzten 43.100 Kilometern, geringem Abrieb (57 mg/km/t) und moderatem Verbrauch. Sein Gewicht von 7,6 Kilogramm liegt leicht über dem Durchschnitt.

Michelin CrossClimate 2 – 2,6
Das umgekehrte Profil zum Pirelli. Er ist der Beste im Test bei der Umweltbewertung: der niedrigste gemessene Abrieb (48 mg/km/t), eine hohe Laufleistung (43.600 Kilometer) und der leichteste Reifen des gesamten Felds (6,6 Kilogramm, mehr als zehn Prozent unter dem Durchschnitt). Im Winter überzeugt er auf ganzer Linie: Präzision und Reserven auf Schnee bringen ihm ein klares „gut“ ein. Auf trockener Straße erzielt er den zweitkürzesten Bremsweg (39,6 Meter). Doch auf Nässe stolpert er: Bremsen und Handling nur befriedigend, mittelmäßiger Grip, durchwachsene Kombination der Kräfte, sodass sich das Auto auf der nassen Strecke nicht präzise platzieren lässt. Ob der CrossClimate 3 besser abgeschnitten hätte, lässt sich nicht sagen, denn er ist in dieser Größe nicht erhältlich.

Das Tabellenende: der Winter als Bruchlinie

Die drei Letzten der Rangliste teilen dieselbe strukturelle Schwäche: Auf winterlicher Straße sind sie überfordert, mit Noten zwischen 5,3 und 5,5. Und das ist genau die Jahreszeit, für die viele Autofahrer einen Ganzjahresreifen kaufen.

Mastersteel All Weather 2 – 5,3. Auf trockener und nasser Straße befriedigend, bricht er auf Schnee ein. Der Reifen schafft es nicht, Längs- und Querkräfte richtig zu kombinieren: Das Auto folgt der gewünschten Linie nur mit Mühe, untersteuert früh und übersteuert dann in der Kurve, und die Grenze ist schnell erreicht. Ein forderndes Verhalten, besonders heikel für einen unerfahrenen Fahrer. Paradoxerweise erzielt er den kürzesten Bremsweg auf trockener Straße im Test (39,5 Meter), ein Beleg dafür, dass eine einzige gute Leistung keinen guten Reifen ausmacht. Auf Nässe ist sein Aquaplaning in Querrichtung schwach (2,6 m/s²). Geschätzte Laufleistung: 34.600 Kilometer, nur befriedigend. Der Hersteller hat keine der angeforderten ISO-Zertifizierungen vorgelegt, ebenso keinen Nachweis über eine Teilnahme am UN Global Compact oder eine EcoVadis-Bewertung.

Roadhog RGAS02 – 5,4. Dieselbe Diagnose, etwas ausgeprägter. Auf Schnee verliert der Reifen sehr früh den Grip und bietet an der Grenze keine Reserven. Er sammelt die letzten Plätze: die schlechteste Aquaplaning-Geschwindigkeit in Längsrichtung im Test (74,7 km/h), die schlechteste Querbeschleunigung auf Wasser (2,4 m/s²), den längsten Bremsweg auf Schnee (13,1 Meter) und die schwächste Traktion auf Schnee (215,9 dN). Geschätzte Laufleistung: 35.000 Kilometer. Auch hier wurde keine Umweltzertifizierung übermittelt.

Tomason Allseason – 5,5, Letzter der Rangliste. Der einzige Reifen im Test mit einem EU-Label in D für den Rollwiderstand. Auf Schnee ist präzises und sicheres Fahren einfach nicht möglich. Auf Nässe erzielt er die längsten Bremswege des Tests, auf Asphalt (38,3 Meter) wie auf Beton (44,5 Meter). Er ist außerdem der Reifen mit dem höchsten Außengeräusch (74,5 dB(A)). Sein gutes Bremsverhalten auf Eis genügt nicht, um die Bilanz zu retten. Geschätzte Laufleistung: 35.900 Kilometer.

Drei Erkenntnisse aus diesem Test

Erste Feststellung: Die Marke garantiert nichts.
Der auffälligste Fall ist der Bridgestone Weather Control A005-Evo, ein Produkt eines Premiumherstellers, das mit 5,3 abschließt. Auf Nässe ist er ausgezeichnet, mit 1,9 eine der besten Noten des Felds, einem Bremsweg von 32,6 Metern und sehr gutem Aquaplaning in Längsrichtung, und seine Umweltbilanz ist gut. Doch auf Schnee überzeugt er überhaupt nicht, und diese eine Schwachleistung genügt, um die Gesamtnote abstürzen zu lassen. Dem Norauto 4 Seasons 2 ergeht es genauso: gut auf trockener Straße (2,4), gute Umweltbilanz (2,3), aber ein als mangelhaft bewertetes Handling auf Schnee, das ihn auf 4,9 zurückwirft.

Zweite Feststellung: Zwei identische Reifen können unterschiedliche Noten erhalten.
Bei genauem Hinsehen fällt auf, dass der Mastersteel All Weather 2 und der Roadhog RGAS02 genau dasselbe Profil haben. Die Prüfung ergab: Beide kommen aus demselben Werk und haben denselben Aufbau, obwohl sie über unterschiedliche Marken vertrieben werden. Warum dann leicht abweichende Ergebnisse? Weil die Materiallieferanten von Charge zu Charge nicht zwingend dieselben sind. Die Unterschiede sind nicht spektakulär, aber sie existieren. Der Hersteller Sentury Tire teilt zudem mit, dass diese beiden Modelle im Herbst 2026 durch ihre Nachfolger ersetzt werden.

Dritte Feststellung: Das EU-Label sagt nicht alles

Der Nokian Seasonproof 2 weist eines der besten Labels im Test auf (B/A/A, 68 dB) und bestätigt das auf Nässe, wo er die beste Note des Felds erhält. Doch auf trockener Straße verliert er Punkte, weil ihm die Präzision fehlt, und seine voraussichtliche Laufleistung von 37.100 Kilometern begrenzt ihn beim Umweltkapitel. Umgekehrt gewinnt der Continental mit einem scheinbar weniger vorteilhaften Label die Gesamtwertung deutlich. Die Tests zeigen regelmäßig, dass das Label die tatsächliche Leistung auf nasser Straße nicht getreu wiedergibt.

Ein Wort noch zur Streuung der Ergebnisse. Zwischen dem Ersten (2,3) und dem Letzten (5,5) ist der Abstand erheblich, und er entscheidet sich im Wesentlichen bei der Fahrsicherheit. Beim Umweltkapitel liegen die 16 Reifen dagegen sehr dicht zusammen, zwischen 2,2 und 3,4. Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Ganzjahresreifen bemisst sich langfristig also nicht am Geldbeutel, sondern in Metern Bremsweg und in Sicherheitsreserven an der Grenze.

Fazit

Dieser Test bestätigt, dass der Kompromiss Ganzjahresreifen schwer zu erreichen bleibt. Nur ein Modell von 16 erreicht ein überzeugendes Gleichgewicht, zwei weitere kommen ihm nahe, und die Hälfte des Felds ist nicht empfehlenswert. Die Botschaft ist klar: Ein Reifen, der in einer Disziplin glänzt und in einer anderen einbricht, ist kein guter Ganzjahresreifen.

Das ist kein Urteil über die ganze Kategorie. Wer überwiegend auf Landstraßen und nur gelegentlich auf der Autobahn unterwegs ist und keinen Wert auf höchste Lenkpräzision legt, fährt mit einem gut gewählten Ganzjahresreifen bestens. Wer dagegen viele lange Autobahnfahrten macht, oft schwer beladen oder bei hohen Temperaturen unterwegs ist, etwa bei der Fahrt in den Sommerurlaub, ist mit dem klassischen Duo aus Sommer- und Winterreifen sicherer.

Einige Grundregeln lohnt es sich in Erinnerung zu rufen

– Montieren Sie immer vier identische Reifen.
– Prüfen Sie regelmäßig den Luftdruck und erhöhen Sie ihn bei schwerer Beladung nach den Angaben des Herstellers.
– Beim Ganzjahresreifen wie beim Winterreifen gilt: Ersetzen Sie ihn, bevor das Profil unter 4 Millimeter fällt, um Reserven gegen Aquaplaning zu behalten.
– Greifen Sie zu den neuesten Modellen, die von den letzten technischen Entwicklungen profitieren. – Prüfen Sie schließlich die DOT-Nummer: Kaufen Sie keinen neuen Reifen, der vor mehr als drei Jahren hergestellt wurde, und versuchen Sie, vier Reifen mit demselben Produktionsdatum zu erhalten.

Und vor allem: Verlassen Sie sich nicht auf den Namen auf der Flanke und nicht auf ein scheinbar identisches Profil. Wie dieser Test zeigt, entscheidet das Detail.

Methodik:

Die Tests wurden mit einem Skoda Fabia durchgeführt, mit dem vom Hersteller empfohlenen Luftdruck (2,5 bar an allen vier Rädern). Jeder Reifen wurde vor den Messungen über rund 400 Kilometer eingefahren, und Referenzreifen liefen parallel mit, um wechselnde Bedingungen auszugleichen.

Die Bewertung beruht auf zwei Säulen. Die Fahrsicherheit macht 70 % der Gesamtnote aus, aufgeteilt auf nasse Straße (45 %), trockene Straße (35 %) und winterliche Straße (20 %). Die Umweltbilanz zählt 30 %, mit der voraussichtlichen Laufleistung (40 %), dem Abrieb (20 %), der Energieeffizienz (20 %), dem Geräusch (10 %) und der Nachhaltigkeit (10 %).

Die Messungen fanden unter bewusst kontrastreichen Bedingungen statt: auf trockener Straße bei 28 bis 36 °C Lufttemperatur und einem bis 55 °C aufgeheizten Belag; auf nasser Straße bei 11 bis 20 °C; auf Schnee bei -9 bis -6 °C; und auf Eis mit einem Untergrund zwischen -2 und -1 °C. Auf dem Programm standen unter anderem: ABS-Bremsung aus 100 km/h auf trockener und aus 80 km/h auf nasser Straße, Aquaplaning in Längsrichtung (8 mm Wasser) und in Querrichtung (5 mm), Handling auf nasser und schneebedeckter Strecke, Traktion und Bremsen auf Schnee, Bremsen auf Eis sowie ein Abriebprüfstand, der knapp 4.000 Kilometer simuliert und mit Messungen im realen Verkehr abgeglichen wird.