Roadtrip im Youngtimer: 2.300 km im MX-5
Vila Real de Santo António, ganz im Süden Portugals. Vor mir der Guadiana, jenseits des Flusses bereits Spanien – und 2.251 Kilometer bis nach Luxemburg. Kein komfortabler, klimatisierter SUV voller Fahrerassistenzsysteme wartet auf diese Reise. Mein Gefährt ist ein Mazda MX-5 10th Anniversary von 1999, mit 140 PS, manuellem Sechsganggetriebe und allem, was die Automobilwelt Ende der 1990er-Jahre für nötig hielt. Sprich, nicht besonders viel! Das Ziel ist einfach, diesen MX-5, der gerade einige Zeit in Portugal verbracht und dort unter anderem eine Karosserie-Instandsetzung erhalten hat, zurück nach Luxemburg zu bringen. Doch mehr als 2.000 Kilometer mit einem 26 Jahre alten Auto lassen sich nicht aus dem Stegreif bewältigen.
Bereits vor der Abfahrt auf das Unvorhergesehene vorbereitet
Blindes Losfahren kommt nicht infrage. Der ACL in Luxemburg bietet dafür den „Urlaubs-Check“ an, der vor einer langen Fahrt die wichtigsten Sicherheits- und Zuverlässigkeitspunkte eines Fahrzeugs prüft. Diesem Vorbild folgend lasse ich während meines Portugal-Aufenthalts einen ähnlichen Check an der Mazda durchführen. Bremsen, Federung, Beleuchtung, Reifen – nichts bleibt ungeprüft. Und das war nicht umsonst, die Inspektion fördert eine defekte Stabilisator-Koppelstange zutage, die ich vor der Abfahrt austauschen lasse. Ein kleiner Eingriff, der den Wert solcher präventiven Kontrollen deutlich macht, ein Problem entdeckt man besser entspannt in der Werkstatt als irgendwo zwischen Sevilla und Burgos. In Luxemburg verfolgt der Urlaubs-Check des ACL Diagnostic Center genau dieses Ziel und prüft unter anderem Batterie, Reifen, Federung, Scheibenwischer, Beleuchtung und Flüssigkeitsstände. Einige einfache Kontrollen kann zudem jeder selbst durchführen, Reifendruck und -zustand (das Reserverad nicht vergessen, sofern vorhanden), Öl-, Kühlmittel-, Brems- und Scheibenwaschmittelstand. Auch an die vorgeschriebene Ausrüstung der durchquerten Länder, an die Fahrzeugpapiere und die Versicherung sollte man denken, ebenso an ein paar einfache Dinge – Wasser, Snacks, Handyladegerät, warme Kleidung oder eine Decke.
Schließlich bleibt ein entscheidender Punkt, die Pannenhilfe im Ausland. Als ACL-Mitglied profitiere ich vom europäischen Schutzbrief, der bei einer Panne oder einem Unfall greift und je nach Situation die Weiterfahrt oder den Rücktransport von Fahrzeug und Insassen ermöglicht. Denn einen Roadtrip vorzubereiten bedeutet nicht nur, eine Panne zu vermeiden. Es bedeutet auch, sich zu überlegen, was zu tun ist, falls sie doch eintritt.
Kleiner Wagen, große Überraschung
Die ersten Kilometer führen durch Andalusien, bevor es durch Spanien hinauf nach Burgos geht. Die erste Überraschung lieferte dabei der MX-5 selbst. Ich befürchtete einen holprigen, auf der Autobahn ermüdenden Wagen. Das Gegenteil war der Fall. Die Federung schluckte Unebenheiten sauber, die Stabilität überzeugte, und das Hardtop schien der Karosserie sogar spürbar mehr Steifigkeit zu verleihen. Die hydraulische Lenkung blieb ein Genuss an Präzision und Rückmeldung, während die Schaltung des Sechsganggetriebes daran erinnerte, warum sich der MX-5 diesen Ruf erarbeitet hat. Bei 335 Kilometern die erste Tankfüllung, 6,7 Liter auf 100 Kilometer. Nicht schlecht für einen Benziner von 1999. Bei 770 Kilometern, nahe Burgos, ergab die zweite Berechnung etwa 7,4 Liter auf 100 Kilometer. Ich war etwas schneller gefahren, die Quittung folgte prompt!
Genau dort ereignete sich auch die einzige echte mechanische Laune der Reise. Nach einem längeren Stopp, bei noch heißem Motor, sprang die Mazda nur auf drei Zylindern an. Eine ermüdete Zündspule stand im Verdacht. Wenige Minuten Abkühlung später liefen wieder alle vier Zylinder. Die Reise konnte weitergehen.
Schlafen im MX-5? Keine gute Idee …
Bei etwa 929 Kilometern meldete sich die Müdigkeit. Zeit zum Schlafen … im MX-5. Keine gute Idee! Die Trennwand hinter den Sitzen verhindert ein wirkliches Zurücklehnen der Rückenlehne. Trotz mitgebrachtem Kissen verbrachte ich rund drei Stunden mehr oder weniger verrenkt im Innenraum. Beim Aufwachen erinnerte sich mein Rücken noch lange an die Erfahrung. Der folgende Tag zeigte zudem deutlich, was 25 Jahre automobile Entwicklung gebracht haben. Der Lärm bei 120 oder 130 km/h wurde ermüdend. Ohne Tempomat musste das Gaspedal ständig konstant gehalten werden. Und als die Temperatur in Frankreich stieg, verwandelte die fehlende Klimaanlage jeden Stau in eine Sauna-Sitzung. Eine Chambre d’hôte nahe Tours für die zweite Nacht setzte die Zähler glücklicherweise wieder auf null. Eine richtige Nacht Schlaf, eine kleine Joggingrunde am Morgen, und es blieben noch rund 600 Kilometer bis nach Luxemburg.
160,6 Liter für die Fahrt durch Europa
Am Ziel angekommen, verdient die Bilanz Respekt. Der MX-5 legte 2.251 Kilometer zurück und verbrauchte dabei 160,6 Liter Benzin, im Schnitt also rund 7,1 Liter auf 100 Kilometer. Die einzelnen Etappen schwankten grob zwischen 6,7 und 7,5 Liter auf 100 Kilometer, ein Beleg dafür, wie stark das Tempo den Verbrauch auf der Autobahn beeinflusst. Doch damit stellt sich eine andere Frage, war es aus ökologischer Sicht überhaupt vertretbar, mit einem 26 Jahre alten Benziner quer durch Europa zu fahren? Die verbrannten 160,6 Liter entsprechen etwa 374 Kilogramm CO₂, oder 166 g/km. Ein Direktflug von Faro nach Luxemburg hätte auf den ersten Blick deutlich besser abgeschnitten, mit rund 158 Kilogramm CO₂ pro Passagier. Verloren also? Nicht so schnell. Denn wäre ich geflogen, hätte auch der MX-5 noch nach Luxemburg zurückgebracht werden müssen!
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Hätte das Flugzeug am Ende mehr Schaden angerichtet?
Die Mazda hätte also auf einen Autotransporter verladen werden müssen. Geht man von einem Lkw aus, der etwa 30 bis 35 Liter auf 100 Kilometer verbraucht und sechs bis acht Fahrzeuge transportiert, lässt sich der auf den MX-5 entfallende Emissionsanteil auf 225 bis 350 Kilogramm CO₂ schätzen. Addiert zu den 158 Kilogramm des Flugs, käme die Kombination aus Flug und Fahrzeugtransport damit auf rund 383 bis 508 Kilogramm CO₂, gegenüber etwa 374 Kilogramm bei der direkten Rückfahrt der Mazda auf der Straße. Bei zwei Insassen wird die Rechnung noch interessanter, die Emissionen des MX-5 blieben nahezu unverändert, also rund 187 Kilogramm pro Person, während die Alternative zwei Flugtickets erfordert hätte. Auch beim Geldbeutel gab es eine Überraschung. Die Reise kostete mich etwa 650 Euro, Treibstoff, Maut, Verpflegung und Übernachtung eingeschlossen. Zum Vergleich, ein Autotransport über diese Distanz kann in der Größenordnung von 750 bis 1.000 Euro liegen, wozu noch das Flugticket hinzukommt.
Daraus lässt sich freilich nicht schließen, ein Benziner von 1999 sei ökologisch dem Flugzeug vorzuziehen. Die Ergebnisse hängen vom Fahrzeug, der Anzahl der Insassen, dem gewählten Flug, der Auslastung des Lkw und den zugrunde gelegten Annahmen ab. Sie machen jedoch etwas deutlich, das in Mobilitätsdebatten oft vergessen wird, wer zwei Lösungen vergleichen will, muss zunächst dieselbe erbrachte Leistung vergleichen. In meinem Fall musste vom Süden Portugals nach Luxemburg nicht nur ein Passagier transportiert werden … sondern auch dessen Auto.
Vernünftig oder nicht?
Ist ein 26 Jahre alter MX-5 das ideale Auto für eine Fahrt durch Europa? Nein. Er ist laut. Er hat weder Klimaanlage noch Tempomat. Und, glauben Sie mir, an eine Übernachtung darin sollte man besser gar nicht erst denken! Doch nach 2.251 Kilometern hat er vor allem daran erinnert, dass ein einfaches, leichtes und gut gewartetes Auto noch immer eine großartige Reisemaschine sein kann. Und dieses Abenteuer hat zudem zwei Dinge bestätigt. Erstens, dass sich vor einer langen Fahrt ein paar Kontrollen und eine solide Schutzbrief-Absicherung durchaus lohnen. Zweitens, dass es bei Mobilität und Umweltbilanz manchmal nötig ist, etwas weiter zu blicken als bis zur ersten naheliegenden Antwort.
Denn die Lösung, die auf dem Papier am vernünftigsten wirkt, ist nicht immer auch diejenige, die es bleibt, wenn man alle Kilometer – und alle Faktoren – zusammenzählt.