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Der deutsche Autobauer bringt eine elektrische Version seines kompakten Fünftürers: den ID. Polo. Seine Größe und Wendigkeit machen ihn ideal für den Stadtverkehr, während Komfort und hochwertige Ausstattung ihn auch auf längeren Fahrten überzeugen lassen. Wir fuhren ihn auf österreichischen Straßen.

„Kleine, gute Autos zu bauen ist schwierig“, sagte Volkswagen-Sprecher Martin Huber bei der Präsentation des neuen elektrischen ID. Polo. Bei großen Autos ist reichlich Platz vorhanden, das Gewicht spielt eine geringere Rolle, Luxusausstattung lässt sich leicht integrieren, und der Kunde zahlt bereitwillig einen höheren Preis. Ein Kompaktwagen dagegen, der Platzbedarf, Präzision und Effizienz gleichermaßen erfüllt, stellt eine echte Herausforderung dar. Genau dieser Herausforderung hat sich Volkswagen mit seinem neuesten Elektromodell gestellt.

Ein „echter“ Volkswagen

Der neue ID. Polo vereint alle Elemente eines „echten“ Volkswagen und trägt Züge der „Pure Positive“-Designsprache der Marke. Von außen betrachtet wirkt die Silhouette zeitlos, klassisch und sofort als Volkswagen erkennbar, sie hat sich über die Jahre kaum verändert. Vorne sitzt ein durchgehendes Lichtband mit beleuchtetem Logo in der Mitte, die Scheinwerfer schwingen leicht nach oben und verleihen dem Auto einen freundlichen Ausdruck, hinten fallen die „Whiskyglas“-Rückleuchten auf. Die vorderen Türen behalten klassische Griffe, die hinteren verstecken ihre Türgriffe. Die Räder sitzen weit außen an den Karosserieecken, was dem Auto Stabilität verleiht. Trotz seiner Kompaktheit wirkt der ID. Polo erstaunlich hoch, er vermittelt den Eindruck eines größeren, selbstbewussteren Autos, obwohl er nur 1530 Millimeter misst.

Diese Höhe setzt sich im Innenraum fort. Wie in Mary Poppins‘ Zaubertasche wirkt der Innenraum größer, als es die Außenmaße vermuten lassen. Obwohl der ID. Polo im B-Segment antritt, bietet er reichlich Platz. Die Rücksitze sind bequem und lassen viel Kopffreiheit, während Fahrer- und Beifahrersitz mit demselben weichen, kuscheligen Material bezogen sind und sogar über eine Massagefunktion verfügen, ein deutlicher Vorteil auf längeren Fahrten und ein Detail aus höheren Fahrzeugklassen. Fahrer und Beifahrer können dabei zwischen mehreren Massageprogrammen wählen.

Dieser weiche Bezugsstoff findet sich auch an der Mittelkonsole, wo das Knie des Beifahrers ruht, am Armaturenbrett und an den Türinnenseiten. Die Türverkleidungen fallen dabei recht hoch aus, heben die Fensterbrüstung an und schaffen so ein geborgenes Gefühl im Innenraum.

Weil im Elektrofahrzeug weder Kraftstofftank noch Auspuffanlage benötigt werden, fällt der Kofferraum mit 441 Litern außergewöhnlich groß aus. Mehrere Koffer passen mühelos hinein, und bei Bedarf lässt sich durch Anheben des Kofferraumbodens ein zusätzliches „Kellerfach“ erschließen. Das kommt sowohl Alltagsfahrten, etwa zum Einkaufen oder beim Abholen der Kinder samt Fußballtaschen, als auch längeren Fahrten wie dem Familienurlaub zugute. Eine WLTP-Reichweite von bis zu 454 Kilometern macht solche Fahrten problemlos möglich.

Fahrverhalten: wendig und spritzig

Für den Fahrer ist alles auf intuitive Bedienung ausgelegt. Der Sitz gleitet beim Ein- und Aussteigen automatisch einige Zentimeter nach vorn oder hinten und erleichtert so den Zugang zum Fahrzeug. Das eckige Lenkrad erschien uns etwas zu groß, allerdings gibt der ungewöhnlich breite Abstand zwischen den Lenkradspeichen den Blick auf das 10-Zoll-Display frei. Auch die Anzeige selbst lässt sich gut ablesen: Wahlweise erscheint ein rundes Tacho- und Leistungsdisplay als Hauptanzeige, oder es wird die Navigation eingeblendet. Auch eine „Retro“-Anzeige steht zur Wahl. Ergänzend zu den Ansagen des Navigationssystems leuchtet zwischen Armaturenbrett und Windschutzscheibe ein schmales blaues Lichtband auf und zeigt die Abbiegerichtung an, ein cleveres Detail.

Der Hebel rechts vom Lenkrad übernimmt die Gangwahl (Wechsel zwischen R/N/D und dem B-Modus), an den man sich erst gewöhnen muss. Dafür bleibt die Mittelkonsole angenehm aufgeräumt: ein Becherhalter, ein Lautstärkeregler und Ablageflächen für Smartphone oder Schlüssel.

Fahrwerk und Lenkpräzision stammen erkennbar aus höheren Fahrzeugklassen, während das One-Box-Bremssystem den Wagen besonders reaktionsfreudig macht. Die Beschleunigung fiel zügig und geschmeidig aus, und der Wagen ließ sich mühelos manövrieren. Mehrere Fahrmodi (darunter Eco und Sport) stehen zur Wahl und sorgten für spürbar unterschiedliche Fahreindrücke. Der Wechsel in den B-Modus, der die Rekuperation verstärkt, sobald der Fuß vom Gaspedal geht, fiel dagegen recht abrupt aus und verlangte erhöhte Aufmerksamkeit.

Bei unserem Test auf der Autobahn überraschte uns die Geräuschdämmung des ID. Polo positiv: Die Fahrt blieb ruhig und geschmeidig, von vorbeifahrenden Autos und Lkw war kaum etwas zu hören. Die Warnmeldungen der Fahrerassistenzsysteme fielen dezent aus, besonders gefiel uns die Anordnung der Totwinkelwarnung an der Innenseite der Außenspiegel statt direkt am Spiegelglas. Auch der adaptive Tempomat überzeugte.

Tasten feiern ihr Comeback

Volkswagen holt Tasten zurück ins Design: Die Klimabedienelemente unterhalb der Lüftungsdüsen tragen Streifen aus feinen, erhabenen Silbernoppen, die das haptische Erlebnis verstärken. Diese Rückkehr von Touchscreen zu physischen Tasten kam gut an, wenngleich das Gebläse etwas laut ausfiel. Auch die Tasten am Lenkrad erlauben eine einfache Bedienung verschiedener Funktionen, etwa der Radiolautstärke.

Der 13-Zoll-Infotainmentbildschirm lässt sich leicht bedienen und navigieren, wobei uns ein paar kleinere Aussetzer auffielen: Fehlermeldungen erschienen im Fahrerdisplay, und die Karte verschwand gelegentlich vom Hauptbildschirm. Besonders gefiel uns die Anzeige des voraussichtlichen Ladestands am Zielort, praktisch für die Fahrtplanung.

Hervorragende Energieeffizienz für den Alltag

Nach fünf Stunden Fahrt durch die Stadt, auf Autobahnen und kurvigen Landstraßen legten wir 220 Kilometer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 43 km/h zurück und hatten noch 40 Prozent Batteriekapazität übrig; das Display zeigte eine Restreichweite von 158 Kilometern an. (Unser Testwagen war die Ausstattungsvariante Life and style mit einer 52-kWh-Batterie in Kombination mit dem 155-kW-Motor; wir saßen zu zweit im Auto und nutzten die Klimaanlage den Großteil der Fahrt über.)

Das ergab einen Energieverbrauch von 12,8 Kilowattstunden je 100 Kilometer und unterstreicht die Effizienz des APP290-Elektromotors im ID. Polo. Auf Basis des ID. Polo und seiner MEB+-Plattform mit Frontantrieb baute Volkswagen zudem das effizienteste seriennahe Elektroauto der Welt. Das aerodynamische Konzeptfahrzeug „Mission Efficiency“ erreichte auf einer 1278 Kilometer langen Fahrt von Wolfsburg nach Wien einen realen Verbrauch von 7,51 Kilowattstunden je 100 Kilometer.

„Der neue Mission Efficiency zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial im Antriebssystem unseres neuen ID. Polo steckt. Entwickelt für alle MEB+-Modelle mit Frontantrieb, ist das System extrem leicht und sehr effizient und damit der ideale Antrieb für unser Rekordfahrzeug“, sagte Kai Grünitz, im Vorstand zuständig für die technische Entwicklung der Marke Volkswagen und des Markenkerns. Das Volkswagen-Team zeige damit, so Grünitz weiter, „dass sich das effizienteste Auto der Welt auch mit bezahlbarer, großserientauglicher Produktionstechnik bauen lässt“.

Fazit

Der neue elektrische ID. Polo von Volkswagen erfüllt alle Anforderungen an ein Alltagsauto und eignet sich zugleich für längere Fahrten. Seine hohe Effizienz, gehobene Komfortoptionen wie Massagesitze oder das Harman-Kardon-Soundsystem, die intuitive Bedienung und der geräumige Innenraum machen ihn zu einem echten, für alle zugänglichen Volkswagen.

TECHNISCHE DATEN

ID Polo

Antrieb
MEB+, Frontantrieb
Reichweite (WLTP, km)
bis zu 454
Batteriegrößen (netto, kWh)
37 und 52
Leistung mit 37-kWh-Batterie (kW / PS)
85/116 und 99/135
Leistung mit 52-kWh-Batterie (kW / PS)
155/211
DC-Ladeleistung, max. (kW)
90 (bei 37 kWh) und 105 (bei 52 kWh)
Höchstgeschwindigkeit (km/h)
160 (bei 85 kW, 99 kW und 155 kW)
Länge / Breite / Höhe / Radstand (mm)
4053 / 1816 / 1530 / 2600

Points forts

  • wendigkeit
  • tasten
  • komfort

Points faibles

  • schalthebel für R/N/D und B-Modus
  • eckiges Lenkrad