Pro Jahr kommt es geschätzt zu 1.200 Zusammenstößen mit Wildtieren auf Luxemburgs Straßen. Ein Überblick über die Risiken und die richtigen Reflexe.
Seit April 2020 veröffentlichen die luxemburgischen Behörden keine offiziellen Statistiken mehr über Wildunfälle. Nach unseren Schätzungen, die sich auf die zuvor von den Behörden mitgeteilten Zahlen stützen, ereignen sich jedes Jahr rund 1.200 derartige Unfälle auf den Straßen des Großherzogtums. Im Verhältnis zur Größe des Landes gehört Luxemburg damit zu den Ländern in Europa, in denen dieses Thema besondere Aufmerksamkeit verdient. Frankreich und Belgien veröffentlichen ebenfalls keine Zahlen mehr. Die kursierenden Schätzungen – etwa 40.000 Zusammenstöße pro Jahr in Frankreich und 5.500 in Belgien – beruhen auf älteren Erhebungen. Deutschland ist mit rund 265.000 Wildunfällen pro Jahr heute das einzige europäische Land, das über offizielle, detaillierte und öffentlich zugängliche Statistiken verfügt. In anderen Ländern werden viele Unfälle nicht erfasst, insbesondere wenn das Fahrzeug nicht schwer beschädigt ist.
Rehe besonders betroffen
In Luxemburg heißt es vonseiten der Behörden, dass sie nicht angeben können, welche Tierart besonders häufig Opfer von Wildunfällen wird. Mittels der Daten aus den Vorjahren lässt sich jedoch annehmen, dass das Reh, das Wildschwein und seltener auch der Hirsch zu den am häufigsten betroffenen Schalenwildarten zählen. Füchse, Dachse und Hasen werden ebenfalls häufig angefahren. In den Nachbarländern weisen die verfügbaren Daten das Reh als die am häufigsten betroffene Tierart aus. In Deutschland handelt es sich in 85 Prozent aller Unfälle, an denen Großwild beteiligt ist, um Zusammenstöße mit Rehen, erklärt der Deutsche Jagdverband (DJV). Auf das Wildschwein entfallen knapp 12 Prozent, auf Rot- und Damwild 3 Prozent. In Frankreich stellen Wildschweine, Hirsche und Rehe nach den Daten des „Office français de la biodiversité“ nahezu die Gesamtheit aller Kollisionen mit Schalenwild dar. Zwar ist das Wildschwein seltener betroffen, doch sind diese Unfälle aufgrund seiner Statur besonders gravierend. Im Durchschnitt wiegt ein ausgewachsener Keiler in Westeuropa zwischen 80 und 130 Kilogramm, gelegentlich auch mehr. In Deutschland, wo das Statistische Bundesamt (Destatis) die Daten zusammenführt, werden bei solchen Unfällen jedes Jahr zwischen 2.500 und 3.000 Menschen verletzt, 10 bis 13 kommen ums Leben. In Frankreich sind es jährlich zwischen 150 und 190 Verletzte sowie zwischen 7 und 11 Tote, wie Zahlen zeigen, die die Gendarmerie nationale für den Zeitraum 2019–2021 an die Senatskommission übermittelte.
Wann ist das Risiko am höchsten?
Das Risiko ist zu bestimmten Zeiten erhöht, vor allem in der Dämmerung und bei Dunkelheit. 80 Prozent der Wildunfälle ereignen sich zwischen 17 und 8 Uhr. In dieser Zeit sind die Tiere aktiv. Außerdem kommt es während der saisonalen Wanderung im Herbst und Frühjahr vermehrt zu Unfällen. Und schließlich trägt die Jagd das ganze Jahr über dazu bei, dass Tiere hastig Straßen überqueren.
Die häufigsten Ursachen aufseiten der Fahrer sind überhöhte Geschwindigkeit, mangelnde Aufmerksamkeit trotz Schildern, die vor Wildwechsel warnen, und Ablenkung. Wer mit 100 km/h unterwegs ist, hat einen Bremsweg von fast 80 Metern. Bei einem Tempo von über 80 km/h ist ein Zusammenstoß mit einem Tier in 60 Metern Abstand kaum noch zu vermeiden.
Die richtigen Reflexe am Steuer
Befindet sich ein Tier auf der Fahrbahn, gilt es, kräftig zu bremsen, zu hupen und von Fern- auf Abblendlicht zu wechseln, um das Tier nicht zu blenden und um zu vermeiden, dass es erstarrt stehen bleibt. Lässt sich der Zusammenstoß nicht vermeiden, ist es besser, das Lenkrad gerade zu halten und weiter zu bremsen statt auszuweichen. Solche Fahrmanöver können zu einem schweren Unfall führen, wenn das Auto gegen einen Baum am Straßenrand oder gegen ein entgegenkommendes Fahrzeug prallt.
Nach dem Aufprall: Sicherheit hat oberste Priorität
Kommt es zu einem Unfall, sind diese Schritte wichtig: für Sicherheit sorgen (Warnblinker, Warnweste, Warndreieck), den Rettungsdienst unter 112 und die Polizei unter 113 verständigen, das Tier niemals berühren oder bewegen – die luxemburgische Gesetzgebung verbietet es und das Mitnehmen kann zu Strafverfahren wegen Wilderei führen – und anschließend die Schäden fotografisch dokumentieren. Der Pannendienst des ACL ist unter der Nummer 26 000 erreichbar. Die Fleegestatioun fir wëll Déieren ist die zuständige Einrichtung im Großherzogtum für verletzte Tiere.
Mehr zum Thema Wildunfälle im Workshop
Der ACL bietet einen interaktiven Workshop zu Wildunfällen und dem richtigen Verhalten bei einem Zusammenstoß an. Die Inhalte: wichtige Zahlen, Risikofaktoren, Prävention im Alltag, Verhaltensweisen im Fall einer Kollision sowie Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmenden.
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