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Komfort, Schutzwirkung und Auslösezeit: Fünf Fahrtrainer der Maison du Motard haben mehrere Wochen lang Airbag-Westen für Motorradfahrer getestet. Modelle der Hersteller Bering, Dainese, Alpinestars und Helite traten gegeneinander an.

Noch vor nicht allzu langer Zeit nutzten vor allem Rennfahrer und besonders vorsichtige Biker Airbag-Westen. Heute sind sie weiter verbreitet: Die Preise sind gesunken, die Systeme haben sich verbessert und europäische Zertifizierungen regeln nun streng das Schutzniveau. Bleibt die Frage, welches Modell empfehlenswert ist. Um dies zu beantworten, haben wir fünf Tester gebeten, fünf Exemplare zu bewerten. Das Testverfahren sah folgendermaßen aus: Sie sollten die Westen an mindestens sieben Tagen auf verschiedenen Strecken – Stadt, Autobahn, kurvenreiche Straßen, schlechter Untergrund – tragen und sie im Anschluss nach einheitlichen Kriterien bewerten.

Unsere Auswahl konzentrierte sich bewusst auf die beliebtesten Modelle der luxemburgischen Motorrad-Community und ausschließlich auf Westen, die in Geschäften hier im Land erhältlich sind. Die fünf ausgewählten „Kandidaten“ decken ein breites Spektrum ab: die Bering Protect Air Evo für unter 350 Euro, das einzige Modell mit Reißleine im Test; die Dainese Smart Air, eine vernetzte Premium-Weste; die Alpinestars Tech-Air 3 V2 und Tech-Air 5 Plasma, zwei verschiedene Produkte von einem Hersteller, und die Helite E-Turtle 2, die auf GPS-Integration setzt. Alle Westen schützen bei klassischen Unfällen, aber nur bei einigen wird der Airbag ausgelöst, wenn ein Dritter auf das stehende Motorrad prallt, zum Beispiel an einer Ampel oder im Stau.

Bering Protect Air Evo – Unkomplizierter Einstieg

Mit 345 Euro ist die Bering die günstigste Weste im Test. Das Prinzip ist einfach: Eine Art Reißleine verbindet die Weste mit dem Motorrad. Bei einem Sturz löst der Mechanismus innerhalb von 100 Millisekunden aus. Der Fahrer muss weder darauf achten, ob eine Batterie geladen ist, noch eine App installieren oder ein Abonnement abschließen. Allerdings muss er das Band in Kauf nehmen: Drei Metallösen zur Befestigung können den Tank beschädigen und der Wechsel von einem Motorrad zum anderen ist etwas umständlich.

Was die geschützten Körperbereiche anbelangt, braucht sich die Bering nicht zu verstecken: Sie deckt Brustkorb, Rücken, Wirbelsäule, Bauchraum, Halswirbelsäule und Steißbein ab. Daher erhält sie in dieser Kategorie die Höchstnote: 5 von 5 Punkten. Auch in Sachen Komfort schneidet sie so gut ab: Die Softshell-Weste ist angenehm zu tragen, leicht (1.278 g) und unauffällig. Vier von fünf Punkten gibt es jeweils für ihr geringes Gewicht und ihren Preis. Der einzige Minuspunkt: Damit der Airbag auslöst, muss der Fahrer in Bewegung geraten. Bei einem Aufprall – etwa, wenn ein Auto das stehende Motorrad anrempelt – reagiert die Weste nicht.

Gewichtete Endnote: 17,0/20. Die große Überraschung im Test: Das günstigste Modell setzt sich an die Spitze dank seiner Stärke in nahezu allen Testkategorien.

Dainese Smart Air – Vernetzt und reaktionsschnell

Die Dainese Smart Air weist die kürzeste Auslösezeit unter den Testkandidaten auf: 45 Millisekunden. Dafür gibt es 5 von 5 Punkten. Sie ist ab 10 km/h betriebsbereit und wird über eine Drucktaste aktiviert – im Gegensatz zu den Alpinestars-Modellen, die automatisch aktiviert sind, sobald der Reißverschluss geschlossen ist. Nach der Aktivierung führt die Weste eine Funktionskontrolle durch und dann kann es losgehen. Als CE-zertifizierte Weste der Stufe 2 schützt sie auch bei Aufprallsituationen im Stand.

Die Minuspunkte: Die Akkulaufzeit von zwölf Stunden ist die kürzeste im Test – ein echter Nachteil, der sich auf die Bewertung auswirkt (1 von 5 Punkten). Wenn der Akku nachlässt, vibriert die Weste ununterbrochen. Der Schutz ist solide, der Halsbereich wird allerdings nicht abgedeckt. Der Verkaufspreis von 649 Euro zuzüglich 119 Euro für eine Kartusche, wenn der Airbag einmal ausgelöst hat, führen zu 2 von 5 Punkten in dieser Kategorie. Das geringe Gewicht von 1.480 Gramm (4 von 5 Punkten) und die Qualität der App-Oberfläche retten die Gesamtnote.

Gewichtete Endnote: 13,9/20. Die reaktionsschnellste Weste im Test, aber deutlich abgestraft durch die unzureichende Akkulaufzeit.

Alpinestars Tech-Air 3 V2 – Luft nach oben

Der Test der Alpinestars Tech-Air 3 V2 begann mit einer schlechten Beratung. Der Verkäufer kannte weder den Lieferzustand der Weste – der Akku muss vor der ersten Nutzung manuell angeschlossen werden – noch wusste er, dass es notwendig ist, magnetische Knöpfe zu schließen, damit sich das System einschaltet. Ihm war auch nicht bekannt, dass die Weste alle zwei Jahre oder nach dreimaligem Auslösen zum Hersteller geschickt werden muss. Das sind wichtige Informationen für den Nutzer.

Im praktischen Test dann ein weiteres unerfreuliches Erlebnis: Bei einer Ausfahrt aktivierte sich die Weste trotz voller Akkuladung und korrektem Verschließen nicht – am Tag nach einem Software-Update. Solche Fehlfunktionen sind lästig. Dennoch sprechen folgende Pluspunkte für das Modell: Die automatische Aktivierung beim Schließen des Reißverschlusses ist sehr komfortabel, die Weste schützt bei einem Aufprall im Stand und für die Akkulaufzeit von 40 Stunden gibt es 4 von 5 Punkten. Der Verkaufspreis von 579,95 Euro (+ 99,95 Euro für die Kartusche) sind 3 von 5 Punkten wert.

Gewichtete Endnote: 12,4/20. Eine Weste mit Potenzial, doch lässt sie Punkte liegen wegen der unzureichenden Beratung beim Kauf und einem Fall, in dem sie nicht gleich funktionierte.

Alpinestars Tech-Air 5 Plasma — Alltagstaugliche Spitzenklasse

Mit 34 Fahrten auf insgesamt 967 Kilometern und einer Rennstrecken-Session im Norden des Landes ist die Alpinestars Tech-Air 5 Plasma die am meisten beanspruchte Weste im Test und zugleich die, die kaum Schwächen zeigt. Wie ihr kleiner Bruder, die Tech-Air 3, wird sie automatisch beim Schließen des Reißverschlusses aktiviert. Sie bietet drei verschiedene Modi (Straße, Rennen, Off-road) und schützt auch beim Aufprall im Stand.

Unser Tester gab ihr in vier Kategorien 5 von 5 Punkten. Sie schützt viele Körperbereiche (Brustkorb, Rücken, Halswirbelsäule, Schlüsselbeine), die Belüftung ist bemerkenswert gut, der Komfort ausgezeichnet. Der Verkaufspreis von 749,95 Euro (+ 119,95 Euro für die Kartusche) kostet sie allerdings Punkte (Bewertung: 2 von 5 Punkten). Die Auslösezeit von 200 bis 400 Millisekunden ist die längste im Test (2 von 5 Punkten). Das sind die einzigen zwei Schwachstellen eines ansonsten tadellosen Produkts.

Gewichtete Endnote: 16,0/20. Technisch gesehen das Spitzenmodell im Test, im Endergebnis knapp hinter der Bering.

Helite E-Turtle 2 – Mit GPS-Integration

Die Helite E-Turtle 2 ist technisch gesehen die Ausnahme im Test: Sie verfügt über ein GPS-Modul, das mit mehreren Satelliten verbunden ist, um so die Sturzerkennung zu optimieren. Der Tester nutzte sie während einer Fahrt von Differdingen bis in die Cevennen: über 700 Kilometer unter verschiedensten Fahrbedingungen einschließlich Bergstraßen. Dabei löste sie kein einziges Mal unbeabsichtigt aus. Der Nutzer kann die Kartusche einfach selbst wechseln. Die Weste muss erst zum Hersteller geschickt werden, wenn sie zum dritten Mal ausgelöst wurde.

Ihr größter Schwachpunkt ist die Belüftung: Ab 30 Grad ist es unangenehm, sie zu tragen. Das Einschaltsignal (Kontrollleuchte) bewertet unser Tester als unzureichend. Eine Einschränkung beim Schutz im Stand: Ohne den optionalen Gabelsensor kann die Helite keinen externen Aufprall erkennen, wenn der Fahrer dabei nicht in Bewegung gerät. Stark abgestraft wird sie bei den objektiven Kriterien: Für ihr Gewicht von 1.900 Gramm, die auf etwa 20 Stunden geschätzte Akkulaufzeit und den Preis von 730 Euro erhält sie jeweils 2 von 5 Punkten. Die Auslösezeit von 100 Millisekunden (4 von 5 Punkten) lässt die Endnote wieder etwas steigen.

Gewichtete Endnote: 12,2/20. Überzeugende GPS-Technologie, aber in zahlreichen Testkategorien abgestraft.

Unser Urteil

Die Bering Protect Air Evo erzielt das beste Ergebnis im Test und setzt sich mit 17 von 20 Punkten an die Spitze. Ihr Kabelsystem, das eigentlich als überholt gilt, erweist sich bei den objektiven Kriterien als vorteilhaft: Der Fahrer muss nicht auf den Akkuladestand achten, die Weste funktioniert zeitlich unbegrenzt, der Preis ist vergleichsweise günstig und das Gewicht niedrig. Die Alpinestars Tech-Air 5 Plasma folgt dicht dahinter (16 von 20 Punkten) und bleibt technisch gesehen das stärkste Modell im Test. Sie überzeugt mit ihren Fahrmodi und der automatischen Aktivierung über den Reißverschluss. Zudem funktionierte sie auf über 960 Kilometern einwandfrei. Je nach Budget sind das die zwei naheliegendsten Optionen.

Dahinter liegt die Dainese Smart Air (13,9 von 20 Punkten). Allein die kurze Akkulaufzeit – ein echter Störfaktor im Alltag – ist zu bemängeln. Die Alpinestars Tech-Air 3 V2 (12,4 von 20 Punkten) kommt auf den vorletzten Platz. In einem Fall funktionierte sie nicht. Zudem war die Beratung des Verkaufspersonals unzureichend. Die Helite E-Turtle 2 (12,2 von 20 Punkten) wird Letzte im Test. Zwar überzeugt die GPS-Technologie, in vielen anderen Testkategorien schwächelt sie allerdings.

Wer sich für eine Airbag-Weste interessiert, sollte überlegen, wie wichtig ihm der Schutz im Stand ist. Bei den Alpinestars-Westen und der Dainese ist dieses Unfallszenario abgedeckt. Die Bering mit Auslösegurt reagiert nicht, wenn der Fahrer nicht in Bewegung gerät. Die Helite benötigt einen optional erhältlichen Gabelsensor. Wer oft im dichten Verkehr unterwegs ist, für den kann dieser Schutzumfang ein entscheidendes Kriterium sein.

Unabhängig vom Testergebnis gilt: Die beste Airbag-Weste ist die, die stets getragen wird. Und eine gute Nachricht: Unser Test zeigt, dass die Modelle, die im luxemburgischen Handel erhältlich sind, insgesamt ein hohes Qualitätsniveau aufweisen. In diesen Schutz zu investieren, ist immer die richtige Entscheidung.

Test von ACL-Testern über mehrere Wochen durchgeführt. Testablauf: mindestens sieben Tage Nutzung unter realen Bedingungen, verschiedene Strecken, standardisiertes Bewertungsschema mit unterschiedlich gewichteten Kategorien. Verkaufspreise, ohne Berücksichtigung eines eventuellen Rabatts für ACL-Mitglieder.

Dieser Test wurde mit Unterstützung von AXA Luxembourg durchgeführt.