Als zweites Modell von Alpines elektrischem „Dream Garage“ nach dem Kleinwagen A290 will der A390 den Geist der A110 in einen 4,61 m langen Fünfsitzer übertragen. Drei Motoren, Allradantrieb und ein patentiertes aktives Torque Vectoring: Die Marke aus Dieppe spricht von einem „Rennwagen im Anzug“. Erste Eindrücke.
Seit 1955 steht der Name Alpine für Bergstraßen, Leichtigkeit und einen gewissen Fahrspaß auf französische Art. Nachdem die A110 2018 wiederbelebt wurde, geht die Marke aus Dieppe mit dem A390 einen Schritt weiter, einem vollelektrischen Sport-Fastback mit fünf Sitzen. Erklärtes Ziel ist es, die DNA der A110 in ein Familienformat zu übertragen. Auf dem Papier weckt das Programm Interesse, mit drei Elektromotoren, Allradantrieb und einem patentierten aktiven Torque Vectoring. Bleibt zu prüfen, ob sich das Versprechen bestätigt.
Ein Design, das das A110-Erbe bekennt
Mit 4,61 m Länge, 1,89 m Breite und nur 1,53 m Höhe zeigt der A390 eine flache Silhouette, fernab klassischer SUV. Das Profil verweist auf die A110, mit abfallender Dachlinie, einer Heckscheibe im „Helmvisier“-Stil und kompakten Glasflächen.
An der Front lehnt sich die Lichtsignatur „Cosmic Dust“, bestehend aus Dreieck-Clustern, an die Studie Alpenglow und an den in der Langstrecke eingesetzten Hypersportwagen A424 an. Die modellierte Haubenlippe trägt zur Führung der Luftströmungen bei. Am Heck ist das ausgeschriebene, hinterleuchtete Alpine-Logo von fragmentierten Dreiecken eingefasst, und ein in den Heckscheibenfuß integrierter Spoiler vervollständigt die Aerodynamikarbeit, ergänzt um einen um 8° geneigten Diffusor. Kenner entdecken die Silhouette der ursprünglichen A110, versteckt in einer Ecke der Windschutzscheibe. Sechs Farbtöne stehen im Katalog, darunter das Bleu Alpine Vision und ein mattes Gris Tonnerre, das der Ausstattung Atelier vorbehalten ist. Die Räder messen je nach Version 20 oder 21 Zoll, mit den Designs „Cristal“ und „Snowflake“.
Ein fahrerorientierter Innenraum
An Bord gibt sich die Gestaltung sportlich und sorgfältig. Der Fahrerplatz ist zum Fahrer ausgerichtet, mit zwei hochauflösenden Bildschirmen, einem 12,3-Zoll-Kombiinstrument und einem vertikalen 12-Zoll-Zentralbildschirm, auf Basis von Android Automotive mit integrierten Google-Diensten.
Das unten abgeflachte Lenkrad aus blauem Nappaleder übernimmt Codes aus der Formel 1, mit einer roten „OV“-Taste für die Overtake-Funktion, einen temporären Leistungsschub, und einem blauen „RCH“-Drehrad zur Einstellung der Rekuperationsstufe bis hin zum One-Pedal-Modus. Die hohe Mittelkonsole erinnert an jene der A110 und erhält die markentypische RND-Fahrstufenwahl. Die Alpine-Sportsitze sind elektrisch verstellbar und beheizbar; die Version GTS erhält Schalensitze von Sabelt aus Nappaleder mit Massagefunktion und bietet optional Schalen aus geschmiedetem Karbon. Der Innenraum verbindet Alcantara, Leder und Aluminium, mit einem serienmäßigen Devialet-Soundsystem mit 13 Lautsprechern.
Beim Platzangebot bietet der A390 fünf Sitze und einen Kofferraum von 532 Litern, ergänzt um einen optional erhältlichen doppelten Ladeboden. Die fünf Türen erleichtern den Zugang, auch wenn das Platzangebot im Fond begrenzt bleibt.
Drei Motoren und eine französische Batterie
Unter dem Boden sitzt eine Batterie mit 89 kWh nutzbarer Kapazität in NMC-Zellchemie, in Frankreich von Verkor gefertigt. Die WLTP-Reichweite erreicht bis zu 555 km mit 20-Zoll-Rädern und rund 520 km mit 21 Zoll. Beim Gleichstromladen erreicht die Spitzenleistung 150 kW beim GT und 190 kW bei der GTS, die in weniger als 25 Minuten von 15 auf 80 % lädt. Eine Wärmepumpe ist bei allen Versionen serienmäßig.
Die Marke hat eine Architektur mit drei Elektromotoren gewählt, einer vorn und zwei hinten, jeder einem Rad zugeordnet, woraus ein permanenter Allradantrieb resultiert, eine Premiere für Alpine. Die Version GT leistet 400 PS (295 kW) und absolviert den Sprint von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden. Die GTS steigert die Leistung auf 470 PS (345 kW) und 824 Nm, für 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden, also die Zeit der A110 R. Die Höchstgeschwindigkeit ist beim GT auf 200 km/h und bei der GTS auf 220 km/h abgeregelt. Das Gewicht erreicht 2.121 kg, ein hoher Wert, den die Marke nach eigenen Angaben durch ihre Torque-Vectoring-Technik ausgleicht.
Auf der Straße: das Torque Vectoring im Einsatz
Das zentrale Element ist das Alpine Active Torque Vectoring. Dieses patentierte System verteilt das Drehmoment innerhalb weniger Millisekunden zwischen den beiden Hinterrädern. In der Kurve erhält das kurvenäußere Rad mehr Drehmoment, was das Eindrehen fördert und dem Fahrzeug eine angesichts seiner Größe unerwartete Agilität verleiht. Den Testfahrern der Marke zufolge bleibt das Verhalten sehr natürlich, mit der Möglichkeit, das Fahrzeug ohne Gegenlenken ins Driften zu bringen.
Die Lenkung ist direkt, und die Bremsanlage mit 365-mm-Scheiben und Sechskolben-Bremsätteln erlaubt eine präzise Dosierbarkeit. Fünf Fahrmodi stehen zur Wahl: Save, Normal, Sport, Perso und ein Track-Modus. In Ermangelung eines Motorengeräuschs liefert Alpine über das Devialet-System zwei Klangkulissen in den Innenraum, „Sport“ und „Daily“, die an das von jedem Motor abgegebene Drehmoment gekoppelt sind, ohne einen Verbrenner imitieren zu wollen. Das Fahrwerk greift auf hydraulische Anschlagdämpfer zurück, um Straßenlage und Filterung im Alltag in Einklang zu bringen.
Eine ernstzunehmende Alternative
Der A390 zeigt eine ausgeprägte optische Identität und ein durchdachtes Fahrverhalten, getragen von einem aktiven Torque Vectoring, das das Fahrerlebnis tatsächlich verändert. Seine Preispositionierung liegt unter der deutschen Konkurrenz. Im Gegenzug macht sich das Gewicht von über 2,1 Tonnen in bestimmten Situationen bemerkbar, das Kofferraumvolumen bleibt für dieses Format ordentlich, mehr nicht, und die Reichweite im fordernden Einsatz muss sich noch bestätigen. Die Ladeleistung liegt zudem mit einer 400-Volt-Architektur hinter den aktuellen Referenzen des Segments zurück.
Der A390 richtet sich an Fahrer, die einen alltagstauglichen Sportwagen suchen, ohne auf die Rücksitze oder den Komfort zu verzichten, und bildet eine französische Alternative zum elektrischen Porsche Macan. Der GT beginnt bei 67.500 Euro und die GTS bei 78.000 Euro, gegenüber rund 83.000 Euro für einen Macan in der Einstiegsversion.
Das gefällt uns
- Ausgeprägtes Exterieurdesign und bewahrte Alpine-Identität
- Wirksames aktives Torque Vectoring, das die Fahrt verändert
- Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber der deutschen Konkurrenz
Das gefällt uns nicht
- Gewicht über 2,1 Tonnen
- Für das Format eher knappes Kofferraumvolumen
- Reale Reichweite im fordernden Einsatz noch zu bestätigen
Technische Daten
Leistung: 400 PS (295 kW) beim GT, 470 PS (345 kW) bei der GTS
Drehmoment: 661 Nm beim GT, 824 Nm bei der GTS
Batteriekapazität: 89 kWh nutzbar (94 kWh brutto)
Verbrauch (WLTP): 18,7 kWh/100 km beim GT, 21,1 kWh/100 km bei der GTS
Elektrische Reichweite (WLTP): bis zu 555 km beim GT (20″), bis zu 520 km bei der GTS (21″)
Beschleunigung: 0-100 km/h = 4,8 s beim GT, 3,9 s bei der GTS
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h beim GT, 220 km/h bei der GTS
Gewicht: 2.121 kg
Grundpreis: ab 67.500 € (GT), ab 78.000 € (GTS)