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Unser Test der Kawasaki Ninja SX 1100 SE wirft eine grundlegende Frage auf: Kann sich dieses Modell noch Ninja nennen, wenn statt Stummellenker und vorgebeugter Sitzposition jetzt hohe, bequeme Lenkstangen, eine fast aufrechte Sitzhaltung und ein Koffersystem zum Einsatz kommen? Genau darum geht es in diesem Test.

Beginnen wir mit einer Prinzip-Frage: Handelt es sich mit der SX 1100 SE wirklich um eine waschechte Ninja, davon ausgehend, dass wir hier anstelle von Stummellenker mit entsprechend nach vorne geneigter Sitzposition jetzt bequeme, hochangebrachte Lenkstangen vorfinden, fast aufrecht sitzen und ein Koffersystem angebracht ist?

Die flache Front, die stromlinienförmigen Seitenverkleidung sowie der einseitige Alu-Schalldämpfer – gegen Aufpreis auch durch einen End-Topf von Akrapovic aus Karbon erhältlich – und das dem Design angepassten zweimal 28 Liter umfassenden „Clean-Mount“ Koffersystem, lassen das Motorrad in typischem Kawasaki-Grün Lackierung „Emerald Blazed Green“ recht chic und eher sportlich aussehen. Das 4 Zoll TFT Display sieht etwas veraltet aus, trotzdem nicht überfüllt und leicht ablesbar. Drei Fahrmodi sind fest vorgesehen, das Mapping kann vom Fahrer auch individuell nach dem persönlichen Geschmack programmiert werden. Wie es sich für ein Reisemotorrad gehört, unterstützt ein serienmäßiger Tempomat den Fahrer auf längeren Streckenabschnitten.

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Der erste Einblick beim Fahren vermittelt, wie leicht zugänglich dieses Bike sich anfühlt. Nach wenigen Metern entsteht der Eindruck, man hätte schon etliche Kilometer mit der SX 1100 zurückgelegt. Mit sehr wenig Kraftaufwand lässt sich der Sporttourer agil um jede Ecke bewegen, die leicht nach vorne gebeugte Sitzposition ermöglicht dem Fahrer einen direkten „Draht“ zum Vorderrad. In schnelleren, langgezogenen Kurven bleibt die Kawasaki stets stabil, auch Lastwechselreaktionen bleiben aus. Fahrbahnunebenheiten sind für die vordere Gabel mit 41mm Durchmesser und dem hochwertigen, einstellbaren hinteren Öhlins-Dämpfer der SE-Version kein Grund zur Sorge. Ein aktives Fahrwerk wie jetzt bei vereinzelten Bikes üblich, vermisst man bei den fahrfertigen 235 kg dieser Maschine nicht unbedingt. Die der SE-Version vorbehaltenen radial montierten 4-Kolben-Bremssättel von Brembo mit jeweils Scheibendurchmessern von 300 mm können jederzeit überzeugen.

Den 4-Zylinder-Motor würden wir im unteren und mittleren Drehzahlbereich als äußerst geschmeidig bezeichnen, ein wichtiger Vorzug bei einem Reise-Motorrad. Bei geringer Drehzahl in einem höheren Gang gibt es kein Ruckeln, beim Beschleunigen sorgt der beachtliche Hubraum von 1099 ccm für ausreichend Kraft. Dreht man das Triebwerk hoch, kommen die Sport-Genen der Ninja zum Vorschein, die 136 PS schießen die grüne Kawa nach vorne! Das Getriebe fühlt sich seidig und sanft an, der Schaltassistent funktioniert schon einwandfrei ab 1500 U/min beim Hoch- und Herunterschalten. Die Kupplung lässt sich außergewöhnlich leicht betätigen. Die Gänge fünf und sechs wurden im Vergleich zum Vorgängermodell, der SX1000, länger ausgelegt, eine Anpassung, die für entspannte Autobahngeschwindigkeiten sorgt.

Schauen wir uns nun die Kritikpunkte an: Für Großgewachsene bietet der in zwei Positionen verstellbare Windschild für eine Reisemaschine nicht unbedingt ausreichend Schutz für die Schultern, zudem sind Turbulenzen am oberen Teil des Helmes zu spüren. Den vom Hersteller angegebenen Verbrauch von 4,8 l/100 konnten wir keineswegs einhalten, ein Grund könnte natürlich der höhere Luftwiderstand der beiden Koffer sein sowie die wenigen Kilometer am Tacho.

Kommen wir nochmals auf unsere Eingangsfrage zurück, ob die SX 1100 SE zu den Sportmotorrädern der Kawasaki-Ninja-Familie zählt. Getrost kann man das behaupten. Erstaunlich, wie der Hersteller aus Kobe das Spagat zwischen Sportmaschine und Reisemotorrad geschafft hat. Die Basis Version SX ist für 14.990 € erhältlich, unser Testmotorrad in der SE-Ausführung mit serienmäßiger Brembo-Bremsanlage und verstellbarem Öhlins-Fahrwerk für 16.990 €.

Wir mögen / Wir mögen nicht

Wir mögen

Der Motor
Die intuitive Handhabung
Das agile Handling
Die sportliche Aufmachung
Die Reisetauglichkeit dank abnehmbarem Koffersystem

Wir mögen nicht

Der Windschutz
Der Verbrauch, zu hoch

Technische Daten:

  • Motor:                                                      Reihenvierzylinder wassergekühlt
  • Hubraum:                                             1099 ccm
  • Motorleistung:                                  136 PS (100 kW) bei 9000 U/min
  • Drehmoment:                                   113 Nm bei 7600 U/min
  • Abgasnorm:                                        Euro 5+
  • Getriebe:                                               6-Ganggetriebe mit Schaltassistent up & down
  • Masse:                                                     235 Kg
  • Sitzhöhe:                                               835 mm
  • Tankinhalt:                                           19 Liter