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Seit dem Produktionsende des Verbrenner-A110 im Juni läuft im Werk Dieppe bereits alles rein elektrisch. Nun bereitet sich das Werk auf die neue, elektrifizierte A110 vor. Dabei geht es um weit mehr als nur ein neues Modell im Montagefluss: Der Umbau stellt die Belegschaft vor zahlreiche Herausforderungen.

Rund vier Autostunden von Brüssel entfernt liegt Dieppe an der normannischen Küste, ein Ort mit Sinn für Geschichte. Hier gründete der Rennfahrer Jean Rédélé, der sich die Mittel schaffen wollte, um nach eigenen Regeln zu fahren, im Juni 1955 die Marke Alpine. Das Werk, das er 1969 eröffnete und das zu Recht seinen Namen trägt, baut bis heute Sportwagen.

Doch Dieppe hat auch einen Sinn für die Zukunft. Alpine kehrt dem Verbrennungsmotor den Rücken – vorläufig zumindest – und wird zur reinen Elektromarke. Nach dem A290, der sportlichen Version des elektrischen R5 aus Douai, und dem A390, einem fünftürigen Sport-Fastback, das ebenfalls in Dieppe montiert wird, soll auch die künftige Alpine A110 elektrisch sein und hier gebaut werden.

Werksleiter Nicolas Renaud beeindruckt der Wandel vom Verbrenner- zum Elektrowerk wenig: „Seit wir die Produktion der zweiten A110-Generation eingestellt haben, laufen wir bereits komplett elektrisch!“, sagt er. Die dritte A110-Generation ist für ihn zunächst einmal vor allem eines: ein neues Auto, das ins Rennen geht.

Ganz aus Alu

Beide A110-Generationen teilen sich die Aluminium-Karosserie, die für geringes Gewicht und hohe Verarbeitungsqualität sorgt. „Die erste große Veränderung betrifft den Rohbau“, erklärt Kommunikationsdirektor Dany Defontaine. „Wir räumen gerade den alten Montageprozess der A110-Karosserie komplett aus dem Weg, um den neuen zu installieren.“

Der Lackierbetrieb wurde unterdessen bereits für den A390 modernisiert, dessen Karosserie aus korrosionsgeschütztem Stahl besteht und zudem Kunststoffteile enthält. Statt bei 140 Grad werden die verschiedenen Schichten des Wasserlacks bei 80 Grad aufgetragen, um die Oberflächen von Verbundwerkstoffen, Kunststoffen sowie der Aluminium- oder Stahlkarosserie schonend zu behandeln.

Plattform für Höchstleistungen

Neben der Karosserie unterscheidet sich auch die Plattform der neuen A110 grundlegend. Die Alpine Performance Platform (APP) vereint zwei Batteriepakete, eines vorne, eines hinten, wo auch die beiden Elektromotoren sitzen. „Auch hier haben wir den alten Verbrenner-Prozess abgebaut und vergrößern nun den Vorbereitungsbereich für die A390-Bodengruppen, um dort die A110-Plattform zu integrieren“, erklärt Dany Defontaine.

All das muss in die Endmontagelinie integriert werden, auf der A390 und A110 gemeinsam laufen. Einer der entscheidenden und zugleich symbolischen Schritte auf dieser Linie ist das sogenannte Anlegen oder die Hochzeit von Karosserie und Plattform. Da die beiden Plattformen auf der Linie völlig unterschiedlich sind, passt die geolokalisierte Verschraubung an den orangefarbenen Armen ihr Anzugsdrehmoment automatisch an, synchron auf beiden Fahrzeugseiten. „Und das Auto darf die Station nicht verlassen, wenn nicht alles korrekt verschraubt wurde“, erklärt der Linienverantwortliche.

Nur ein Roboter am Band

Das gehört zu den wenigen automatisierten Arbeitsschritten am Standort Dieppe: Abgesehen von der Lackiererei gibt es in der Montage nur einen einzigen Roboter, nämlich für die Verklebung der Windschutzscheibe! „Das ist eine Philosophie, an der uns aus Gründen der Produktqualität viel liegt“, betont Werksleiter Nicolas Renaud. „Im Vergleich zum Roboter ist der Mensch zwar weniger flink und weniger schnell, aber er kann sich an jede Situation anpassen und sehr individuelle Autos bauen. Automatisierung ist für uns kein Selbstzweck.“

Im Vergleich zum Verbrenner erfordert der Elektroantrieb mit Batterie – 400 Volt beim A390, 800 Volt bei der neuen A110 – eine sehr spezifische Schulung des Personals für die Arbeiten unter Spannung, samt eigener Befähigungsnachweise.

„Und woran man nicht oft denkt: Es besteht das Risiko, dass diese Batterien Feuer fangen“, betont Nicolas Renaud ausdrücklich. Lagerbedingungen für Batterien, Gebäudeschutz, Versicherungen und der Zugang für die Feuerwehr gehören zu den großen Themen, ebenso wie feuerfeste Löschdecken und Wasserbecken, die einzige Möglichkeit, eine brennende Batterie zu löschen.

Fahrerassistenzsysteme

Ansonsten gilt: „Die große Veränderung bei der neuen A110 ist, dass wir ein Auto mit einer den Fahrerassistenzsystemen des A390 weit überlegenen Technologie haben“, erklärt der Werksleiter. Vor allem die Kameras sind deutlich empfindlicher und bieten ein größeres Sichtfeld. „Am Ende der Montage müssen wir für die Prüfung der Fahrerassistenzsysteme daher einen kompletten neuen Prüfstand aufbauen.“

Selbst die Aufteilung der neuen A110 in verschiedene Varianten – Coupé, Roadster-Cabriolet, eventuell ein 2+2-Coupé und vielleicht sogar ein viertüriges GT-Modell – scheint die Verantwortlichen im Werk Jean Rédélé nicht sonderlich zu beeindrucken: „Es wird durchaus mehrere Varianten der APP-Plattform geben“, bestätigt Nicolas Renaud. „Für Dieppe angekündigt sind die Versionen A110 Coupé und Roadster, deren Fertigung wir jetzt anlaufen lassen.“

Was den von manchen gehegten Traum einer Rückkehr zum Verbrenner betrifft, so „ist die Plattform für eine Hybridisierung ausgelegt“, bestätigt Nicolas Renaud noch einmal. „Sollten die Markt- und Rentabilitätsbedingungen es eines Tages erlauben, können wir das umsetzen.“ „Derzeit lassen die Marktbedingungen das aber nicht zu.“

Alpine in Zahlen:

  • Produktion der Alpine A110 der zweiten Generation, vom 7. Dezember 2017 bis zum 17. Juni 2026: 28.701 Einheiten.
  • 2025 verkaufte Alpine 10.970 Fahrzeuge, ein Plus von 139 Prozent, davon mehrheitlich A290.
  • Das Werk Dieppe beschäftigt 345 Mitarbeiter, davon 22 Prozent Frauen.
  • Die maximale Produktion liegt bei 50 Fahrzeugen pro Schicht und Tag, bei drei Schichten also 150 Einheiten.
  • Seit seiner Eröffnung 1969 hat das Werk Jean Rédélé mehr als 500.000 Autos produziert.